Weniger Zuschauer, mehr Abstand und mehr Zugänge: Wenn jetzt Bernd Stelter in die Konzertaula Kamen kommt, steht die Sicherheit für Zuschauer und Künstler an oberster Stelle.

Kamen

, 10.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Weniger Zuschauer, mehr Abstand und mehr Zugänge. Die durch Corona gelähmte Kultur erlangt neue Kraft und kehrt zurück. Start ist am Freitag, 2. Oktober, mit Bernd Stelter. Dann hört man in der Konzertaula endlich wieder Applaus und herzhafte Lacher. Bei dem Programm „Hurra, ab Montag ist wieder Wochenende!“ Bei den von Kultur ausgehungerten Theaterfreunden dürfte die gute Nachricht auch mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden. Die Kultur kehrt zurück – mit Sicherheit im doppelten Wortsinn: Sie kommt, das ist sicher. Aber wie sicher ist es für die Besucher?

Bernd Stelter eröffnet Kamen Kultursaison am Freitag, 2. Oktober. Vermutlich werden deutlich weniger Zuschauer dabei sein, als dabei sein könnten: Trotz großer Nachfrage wird die Zuschauerzahl auf ca 240 begrenzt. Falls sich die Corona-Lage bis dahin entspannt, könnten auch mehr Zuschauer zugelassen werden.

Bernd Stelter eröffnet Kamens Kultursaison in der Konzertaula am Freitag, 2. Oktober. Vermutlich werden deutlich weniger Zuschauer dabei sein, als dabei sein könnten: Trotz großer Nachfrage wird die Zuschauerzahl auf ca. 240 begrenzt. Falls sich die Corona-Lage bis dahin entspannt, können auch mehr Zuschauer zugelassen werden. © Stefan Milk

Sieben ausgefallene Veranstaltungen seit Pandemie-Beginn

Kamens Kulturplaner Jörg Höning, Gruppenleiter des Fachbereichs Kultur im Rathaus, ist jetzt oft in der Konzertaula, in der Götz George und Didi Hallervorden nur zwei Stars von einer unendlichen Reihe von Hochkarätern waren.

„Es geht vor allem um den Schutz der Gäste. Es soll sicher sein, aber trotzdem Spaß machen.“
Jörg Höning, Kulturplaner im Rathaus

Schritt für Schritt überprüft er, wie künftig die Besucher gelenkt werden können, damit sie sich beim Theaterbesuch in der Virus-Krise sicher fühlen. Sieben ausgefallene Veranstaltungen mussten Kamens Theatergänger bis dahin verkraften. „Ja das tut weh. Jede Veranstaltung hat ihre eigene Emotion, egal ob es das Shantychor-Festival ist oder die Kamen Klassik.“ Jetzt tüftelt er an einem Hygiene- und Sicherheitskonzept für Kamens Traditions-Spielstätte, das schon ziemlich ausgeklügelt ist. Dabei setzt er hohe Maßstäbe an und schöpft nicht alle Möglichkeiten aus, die er nutzen könnte, um das Haus voll zu kriegen. „Es geht vor allem um den Schutz der Gäste. Es soll sicher sein, aber trotzdem Spaß machen.“

Jörg Höning auf einer der Treppen, die hinauf zum Saal führen. Die großzügig angelegten Aufgänge der Konzertaula Kamen machen es ihm möglich, die Besucher getrennt zu den Eingängen zu leiten.

Jörg Höning auf einer der Treppen, die hinauf zum Saal führen. Die großzügig angelegten Aufgänge der Konzertaula Kamen machen es ihm möglich, die Besucher getrennt zu den Eingängen zu leiten. © Marcel Drawe


Buchstäblich jeder Schritt in der Konzertaula in der Prüfung

Das Konzept, das Höning gerade entwickelt, sieht vor, dass es statt bisher einem zentralen Eingang drei separat getrennte Zugänge gibt.

„Alle drei Besucherführungen sind voneinander getrennt.“
JÖRG HÖNING, KULTURPLANER IM RATHAUS

Zugang A ist der jetzige Haupteingang. Zugang B ist der direkt benachbarte Nebeneingang. Und Zugang C liegt auf der Rückseite des Gebäudes und ist über das Atrium des Gymnasiums erreichbar. „Alle drei Besucherführungen sind voneinander getrennt. Es gibt für jede eine separate Garderobe und eine eigene Treppe hinauf zur Konzertaula“, so Höning. So sollen sich die Zuschauer der drei Sitzblöcke nicht begegnen. Mit zusätzlichem Personal, etwa 15 pro Aufführung, soll darauf geachtet werden, dass jeder Zuschauer sicher zum Platz findet. Dort kann die Maske abgelegt werden.

Für jeden der drei Eingänge gibt es getrennte Garderoben. Diese steht bereit für die Besucher, die durch den Eingang B gehen.

Für jeden der drei Eingänge gibt es getrennte Garderoben. Diese steht bereit für die Besucher, die durch den Eingang B gehen. © Marcel Drawe

Jede zweite Reihe bleibt frei – und jeweils zwei Plätze in der Reihe

Die Saison bis Jahresende im Kurzüberblick

Von Stelter bis Dinner for one

  • Bernd Stelter: Hurra, ab Montag ist wieder Wochenende, 2. Oktober, 20 Uhr
  • Boeing, Boeing mit Ralph Morgenstern, 30. Oktober, 20 Uhr
  • Mein Blind Date mit dem Leben mit Ursula Buschhorn, 14. November, 20 Uhr
  • Komplexe Väter mit Hugo Ego Balder und Jürgen Busse, 21. November, 20 Uhr
  • Ein Weihnachtstraum (von Uwe Müller), 4. Dezember, 20 Uhr
  • Dinner for one, 11. Dezember, 20 Uhr
  • Großes Neujahrskonzert „Ein Neujahrsmärchen“, 1. Januar 2021, 18 Uhr

860 Plätze hat die Konzertaula. Doch die wurden schon ohne Virus-Krise nicht alle verkauft, je nachdem, wie die Kulissen standen und wie die Sicht auf die Bühne möglich war. Jetzt werden wohl nur 160 bis 240 Zuschauer zugelassen. Das liegt an den großen Sicherheitsabständen, die zwischen den Plätzen eingerichtet werden.

Die ersten beiden von 15 Sitzreihen bleiben frei zum Schutz zwischen Künstlern und Zuschauern. „Drei Meter sind vorgeschrieben“, so Höning. Ab Reihe drei wird nur jede zweite Reihe besetzt. Zwischen den Sitzgemeinschaften bleiben jeweils zwei Plätze frei.

Der Zuschauer wird wohl eine feste Reihe zugewiesen bekommen. Damit es dort wenig Begegnungsverkehr gibt, wird es vermutlich aber keine festen Plätze geben: Die Reihen werden nacheinander aufgefüllt. Höning: „Aber man trägt ja seine Maske bis zum Platz, sodass auch eine Begegnung innerhalb der Reihe, wenn man mal zur Toilette muss, unproblematisch ist.“

Die Desinfektionsinseln stehen bereit. Hände desinfizieren, Abstand halten, Gesichtsmaske tragen bis zum Sitz – die einfachen Hygieneregeln sollen Besucher auch beim Besuch der Theaterreihen anwenden können.

Die Desinfektionsinseln stehen bereit. Hände desinfizieren, Abstand halten, Gesichtsmaske tragen bis zum Sitz – die einfachen Hygieneregeln sollen Besucher auch beim Besuch der Theaterreihen anwenden können. © Marcel Drawe

Wer kriegt Karten? Abonnements ruhen, stattdessen Einzelabfragen

160 bis 240 Zuschauer bei einem Interesse von bis zu 500 durch die verkauften Abonnements? Wie soll das gehen? Wer bekommt die Karten? Für die Interessenten gar nicht so kompliziert. Denn die bisherigen Abonnements ruhen. Dafür geht das Kulturamt in eine aufwendige Einzelabfrage: „Wir haben an die Abonnenten für diese Saison Wunschzettel verschickt, wer sich für besondere Aufführungen interessiert“, so Höning. Wer den Wunschzettel zurückschickt, hat die Chance, dann auch berücksichtigt zu werden und Einzeltickets zu erhalten. „Wir haben schon von vielen die Rückmeldung erhalten, dass man zurzeit eher nicht ins Theater will, vor allem aus gesundheitlichen Gründen.“ Auswirkungen auf das Abo hat es nicht: Es behält seine Gültigkeit, bis es wieder einsetzt: Das gezahlte Geld allerdings wird und wurde auch schon zurückerstattet.

Nicht abgerufenes Platzpotenzial geht in den freien Verkauf

470 Abonnenten in der Reihe „Krimis und Komödien“ gibt es, dazu 270 Abonnenten in der Reihe „Großes Abonnement“. Trotz der hohen Anzahl gibt es auch für Interessenten, die nicht Abonnent sind, wohl die Chance, Karten zu erhalten. Sollten Plätze nicht abgerufen werden oder auch weiter aufgefüllt werden können, weil es die Lage hergibt, gehen die Karten zwei Wochen vorher in den freien Verkauf. Dann wird die Ticketplattform https://comtec-web.de/Kamen, auf der jetzt lediglich ein Überblick steht, was angeboten wird, freigeschaltet. Buchen kann man dort zurzeit nicht. Doch fest steht: Die Kultur kommt, aber mit Sicherheit!

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