Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!

dzJubelkonzert des Oratorienchors

Imposantes Bach-Werk stimmungsvoll interpretiert vom Städtischen Oratorienchor. Die anspruchsvolle Komposition mit großer Qualität gemeistert. Viel Applaus für die Sängerinnen und Sänger.

Kamen

, 17.12.2018, 12:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Applaus nach der beeindruckenden Aufführung fällt so lebhaft aus, dass fast das Schlusslied vergessen wird. Nach den vier wuchtigen Bach-Kantaten (Kantaten 1, 4 bis 6) des Weihnachtsoratoriums, deren musikalische Komplexität dem Oratorienchor alles abverlangt, folgt das leichtherzige „O du fröhliche“. Das Jubelkonzert des städtischen Klangkörpers, der auf der Bühne der Konzertaula ein Heimspiel hat, setzt Maßstäbe. Mit etwas über 200 Zuhörern fällt die Resonanz allerdings deutlich zu gering aus – das Konzert auf der vorweihnachtlich geschmückten Bühne hätte mehr Publikum verdient gehabt. Der plötzliche Wintereinbruch und zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen zählen sicherlich zu den Ursachen. Doch von Anfang an.

Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage! Zur Eröffnung ein voluminöser, dicht gewebter Klangteppich mit barocken Farbtupfern mit etwas über 40 Sängerinnen und Sängern des Oratorienchors, begleitet von etwa 25 Musikern der Neuen Philharmonie Westfalen, der Philharmonischen Orchester Dortmund und Essen sowie des WDR-Sinfonieorchesters. Für den Eingangschor hat Bach jene Gratulationskantate eingearbeitet, die er in einer anderen Komposition schon der sächsischen Fürstin gewidmet hat. Hervorragend dabei der Ahauser Trompeter Peter Mönkediek, der am Ende nicht nur vom Publikum, sondern auch vom Chor selbst einen Sonderapplaus erhält. Nicht von ungefähr. Die Wertschätzung für den Musiker, so heißt es später aus dem Chor, sei riesig.

Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!

Große Präsenz, nicht nur mit Wucht, sondern auch mit Gefühl. Der Oratorienchor war die Verkörperung des anspruchsvollen Werks, sozusagen die „Verklangkörperung“. © Marcel Drawe

Große Präsenz

Fallt mit Danken, fallt mit Loben! Das eigentlich sechsteilige Werk thematisiert die Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem, die Anbetung durch die Hirten und der drei Weisen aus dem Morgenland, mit hoher Stimme immer wieder erzählt von Tenor Thomas Iwe, der drei weitere starke Gesangssolisten an seiner Seite hat, herausragend Ruut Mattila (Alt), nicht weniger präsent Antje Bitterlich (Sopran) und Markus Volpert (Tenor). Dass die Tontechnik dem nicht immer gerecht wird und das Erlebnis mit übersteuerter Rückkopplung stört, bleibt nur eine Randerscheinung.

Ehre sei dir, Gott, gesungen! Vom Freudentaumel eines rauschendes Fests geht es bei souveränem Dirigat Franz-Leo Matzeraths ohne Pause in die weniger fröhlichen Kantaten 4 bis 6. „Sie sind bei aller Dankbarkeit gekennzeichnet von Unsicherheit und Zweifel, was nicht nur im Text, sondern auch musikalisch in dialogischen Strukturen und dynamischer Vielfalt zum Ausdruck kommt“, beschreibt Chormitglied Hedda Döring.

Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben! Der Höhepunkt am Ende, als alle Solisten im Wechsel anstimmen, unterstützt von einem famosen Schusschor im Hintergrund, fanfarenartig, wuchtig und glockenklar. Dafür vom Publikum Applaus im Stehen und auch ein Lob von Bürgermeister Elke Kappen, die als geübte Sängerin und Chorleiterin selbst noch einstimmte beim fast vergessenen Schlusslied „O du fröhliche“.

Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!

Die herausfordenden Bach-Kantaten bildeten ein anspruchsvolles Jubiläumsprogramm, die der Chor mit großer Qualität meisterte. © Marcel Drawe

Ein Stück für die Kirche

Das epochale Werk ist im Übrigen einst vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt worden.

Und deswegen bei allem Lob für einen exquisiten Oratorienchor, unterstützt von hervorragenden Einzelkönnern: Das Stück hätte eigentlich in die Pauluskirche gehört.

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