Interner Post-Ermittler wird selbst zum Dieb

dzGericht

Als interner Ermittler der Post war es seine Aufgabe, Diebe zu überführen. Er wurde selbst zu einem, stahl in Filialen in Kamen und Umgebung Pakete, Briefmarken oder Münzen. Nun stand der 60-Jährige vor Gericht.

von Sylvia Mönnig

Kamen

, 18.06.2019, 21:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom Duschvorhang über Parfüm und Technik wie zwei Thermomix-Geräte bis hin zu Postwertzeichen und Paketmarken im Wert von über 12.000 Euro. Den Kollegen fiel es auf. Immer wieder verschwanden an Wochenenden Dinge aus den Post-Filialen. Es war auffällig. Die Ermittlungen begannen, erste Maßnahmen, den Dieb zu überführen, wurden getroffen. Doch die Fallen schnappten nicht zu.

Konnten sie auch nicht, da der Täter mitten unter ihnen saß, sogar andere Mitarbeiter als Verdächtige benannte und natürlich über Insiderwissen verfügte, also stets vorgewarnt war. „Es war wie verhext“, erinnerte sich einer der Ermittler nun im Zeugenstand. Dabei war ihm seine Erschütterung noch deutlich anzumerken. Und dann habe er „die Welt nicht mehr verstanden“. Zumal er bei späteren Nachforschungen in Aufzeichnungen entdeckt habe, dass bereits im Jahr 2006 in der Kamener Post-Filiale Goldmünzen und Briefmarken verschwunden seien.

Erst ein gestohlenes iPhone, dessen Nutzer nachverfolgt werden konnte, brachte ihn und die Kollegen auf das, was sie niemals für möglich gehalten hätten. Der neue „Besitzer“ war der Sohn des 60-Jährigen. Ein erster Verdacht keimte auf und verstärkte sich, als der Angeklagte an einem Samstag plötzlich auf dem Gelände einer Post-Filiale gesehen wurde, für die er gar nicht zuständig war. Mit einem GPS-Sender an seinem Firmenfahrzeug verfolgten die Ermittler daraufhin, wo er hinfuhr, und stellten fest, dass dort, wo er sich aufhielt, tatsächlich Taten zu verzeichnen waren. Ganz zu schweigen davon, dass sie nach Diebstählen in Papier-Containern passende Verpackungen fanden, die er dort zuvor entsorgte. Bei einer Hausdurchsuchung wurden dann unter anderem die beiden Thermomix-Geräte entdeckt.

Finanzielle Probleme gab es offenbar nicht

57 Taten zwischen Ende 2015 und März 2018 wurden ihm nun in seinem Prozess vor dem Schöffengericht in Unna zur Last gelegt, 16 räumte er ein – darunter den Diebstahl von Briefmarken in der Kamener Post-Filiale im März vergangenen Jahres. Begründen konnte der 60-Jährige die Diebstähle nicht. Eine Suchterkrankung oder finanzielle Probleme gab es offenbar nicht.

Mehr als die 16 Taten, die er einräumte, konnten ihm dann auch nicht nachgewiesen werden. Der Mann mit bis dato leeren Strafregister wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 5000 Euro Geldbuße verurteilt. Offen ist allerdings, wie sein Disziplinarverfahren endet.

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