Instrumentalunterricht mit Spuckwänden – „Musik ist jetzt wichtiger denn je“

dzMusikschule Kamen

Der Instrumentalunterricht ist wieder Normalität geworden an der Kamener Musikschule. Es zeigt sich, dass selbst gemachte Musik gerade in diesen Zeiten besonders wichtig für die Kinder ist.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 21.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hier der Schüler, dort der Lehrer; beide haben eine Gitarre in der Hand – soweit ist alles normal an der Kamener Musikschule. Und dass zwischen Schüler und Lehrer eine große Spuckwand den Raum teilt, ist für den zehnjährigen Ben auch längst schon Normalität geworden. Neue Corona-Normalität.

Zunächst Fernunterricht für alle

Seit dem 11. Mai schon üben Kinder und Jugendliche an der städtischen Musikschule. Und sie waren auch in der strengsten Lockdown-Zeit nicht auf sich allein gestellt: Im Fernunterricht konnten nahezu alle Schüler/innen durch ihre Instrumentallehrer unterstützt werden. Auch wenn keine digitalen Endgeräte eine simultane Unterrichtssituation ermöglichten. „Teilweise haben wir Materialien mit der Post verschickt“, erklärt Musikschulleiter Alexander Schröder, „und kommuniziert wurde halt per Telefon, wenn es gar nicht anders ging.“

Unterricht auch mal auf der Wiese

Inzwischen aber sind sich Schüler und Lehrer wieder räumlich näher gekommen. Bei gutem Wetter fand der Unterricht auch mal auf der Wiese am Galenhof statt. Die großen Spuckwände oder Abstand und Mundschutz ermöglichen den pädagogischen Kontakt in den Räumen – und der kommt allen, vor allem aber den Kindern zugute. „Musik ist jetzt wichtiger denn je“, weiß Schröder.

Musikschule Kamen: Maya (12) spielt neben ihrer Lehrerin Lola Heckmann. Beide schützen sich, wenn sie wie hier nicht durch eine Spuckwand getrennt sind, durch Abstand und Mundschutz.

Maya (12) spielt neben ihrer Lehrerin Lola Heckmann. Beide schützen sich, wenn sie wie hier nicht durch eine Spuckwand getrennt sind, durch Abstand und Mundschutz. © Wiggermann

Wieder in die vertrauten Räume zu kommen, das eigene, wunderbar analoge Instrument in den Händen zu halten und dem Lehrer/der Lehrerin das Geübte präsentieren, all das habe eine Freude verschafft, die in problematischen Zeiten besonders gewesen sei. „Wir sehen das übrigens auch an den An- und Abmeldezahlen“, erklärt der Musikschulleiter. Die üblichen Abmeldungen im Frühjahr seien weit unter dem üblichen Wert geblieben.

Sicheres Gefühl ermöglicht freies Musizieren

Und das, obwohl größere Gruppen zur Zeit noch nicht wieder gemeinsam musizieren dürfen. Holzbläserensemble, Kammermusikorchester und Bigband bleiben noch in der Zwangspause. „Wir halten uns streng an die Vorgaben des Landes und folgen dem Grundsatz, die jeweilige Lernsituation für alle so sicher wie möglich zu gestalten“, betont Schröder. Nur mit diesem Gefühl könne „vernünftig und frei“ musiziert werden.

Ob bald auch wieder Konzerte möglich sein könnten, möchte Schröder heute noch nicht entscheiden. Geübt wird für solche Highlights aber schon – „wir legen praktisch ein musikalisches Sparbuch an“, sagt er. Wann und wie aber das Eingeübte wieder einem Publikum präsentiert werden kann, muss die Corona-Entwicklung zeigen.

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