Nahezu ein Jahr nach der Schließung nehmen die Gruppen ihr Haus wieder in Beschlag. Pastor Karl-Ulrich Poth ist froh, dass die Sanierung des 1974 eröffneten Hauses jetzt abgeschlossen ist.

Kamen

, 28.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Nahezu ein Jahr lang war das Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Kamen wegen einer aufwendigen Dachsanierung samt Innenausbau geschlossen. Jetzt hat Südkamen sein Buxtorfhaus wieder. Das Herz des gesellschaftlichen Lebens im Kamener Süden – es schlägt wieder. „Wie es geworden ist?“, antwortet Pastor Karl-Ulrich Poth mit einer Gegenfrage. „Das muss man die Menschen fragen.“

Dabei war es ihm über die vielen Monate der Sanierung durchaus anzumerken, wie schwer es ihm gefallen ist, auf das Gemeindehaus, das die Südkamener liebevoll als „Bux“ bezeichnen, zu verzichten. Der gesperrte Kirchraum hatte plötzlich nichts mehr von seinem warmen, familiär-behütenden Charakter, den die Besucher dort schätzen.

Ins Buxtorfhaus kehrt das Leben zurück

Die Orgel des Buxtorfhauses ist während der Schließung gewartet worden von der Osnabrücker Orgelmanufaktur „Kreienbrink“. © Stefan Milk

Die Gruppen sind zurück

Mehr als 20 Gruppen sind nun in ihre Heimat zurückgekehrt. „Es kam im Laufe des Jahres immer wieder die Frage, wann wir wieder öffnen. Und alle sind wiedergekommen“, freut sich der Pfarrer. Skat und Doppelkopf wird dort gespielt, gestrickt, geknobelt, gekocht und gesungen. Wie mit den Gruppen „Kochen mit Udo“ oder dem Chor „Lieder für Menschen“. Auch die Gruppe „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ (ZWAR) kommt dort regelmäßig zusammen, dazu der Bibelkreis, das Männer- und Frauenforum. Anlaufpunkt ist das Haus auch für die Mitglieder der Gruppe „Boule am Bux“, die auf den Plätzen daneben metallisch klickend Kugeln werfen.

Neu auf dem Flachbau an der Perthesstraße, der im Jahr 1974 errichtet wurde, ist das Dach, das nicht nur mit schützender Wärmedämmung, 40 Zentimeter stark, versehen wurde, sondern auch mit einem neuen System für die Entwässerung: Das Wasser wird nun nach außen geleitet – zuvor war es zur Dachmitte gelaufen und über innen liegende Fallrohre unter dem Haus abgeleitet worden. Überschattet wurden die Arbeiten gleich zum Auftakt von einem schweren Arbeitsunfall, als ein Arbeiter drei Meter in die Tiefe stürzte, weil eine Gerüstbohle brach.

Ins Buxtorfhaus kehrt das Leben zurück

Nahezu ein Jahr lang war das Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Kamen wegen einer aufwendigen Dachsanierung samt Innenausbau geschlossen. © Stefan Milk

Impuls vor 45 Jahren

Jetzt ist alles neu, in warme Farben getaucht und von einem neuen Beleuchtungssystem freundlich ins rechte Licht gesetzt. Der Impuls für den Bau des Hauses kam vor 45 Jahren aus dem Kirchlichen Bauverein Südkamen. Dieser war von der Ev. Gemeinde Kamen gegründet worden – aus dem Wunsch heraus, ein eigenes Gemeindezentrum zu bekommen. 1974 konnten sich die Mitglieder mit der Eröffnung diesen Wunsch erfüllen. Namensgeber ist Johannes Buxtorf, einer der Begründer der wissenschaftlichen Hebraistik. Er gilt als der bedeutendste Sohn der Stadt Kamen.

Ins Buxtorfhaus kehrt das Leben zurück

Das Gemeindeleben unter einer neuen Decke mit akzentuiertem Licht. Das Buxtorfhaus ist frisch saniert. © Stefan Milk

Neue Strahlkraft von innen

Nun erstrahlt das Haus von innen heraus mit neuer Kraft. Die letzten Gegenstände und Bilder, die zwischenzeitlich in zwei Containern gelagert waren, werden nun nach und nach wieder an ihren Platz gerückt – unter der dekorativen Schallschutzdecke mit scheinbar frei schwebenden Akustikelementen. Die Holztüren, die von der Planung her eigentlich grau gestrichen werden sollten, haben doch noch ein warmes Rot erhalten, um dem Raum mehr Leben zu verleihen. Einen eigenen Platz hat auch das Holzkreuz gefunden, das die Gruppe „Rat und Tat“ kunstvoll gezimmert hat für die ausgelagerten Gottesdienste, die im Tagespflegehaus am Pertheszentrum durchgeführt wurden. Obwohl das Altenheim, das durch einen Brand Anfang vorigen Jahres selbst Raumnot hatte, „hat man dort immer geguckt, ob noch ein Raum für unsere Gruppen frei ist“, sagt Poth dankbar.

„Fast ein Jahr ohne Gemeindehaus, da musste viel organisiert werden“, berichtet Poth, der allerdings jetzt erst recht wieder organisieren muss, wo der Betrieb wieder anläuft. Aber das, so weiß man nicht nur in Südkamen, ist seine Leidenschaft. So sagt er in seiner bekannt direkten Art: „Man muss das Haus soweit öffnen, wie immer es geht. Die Arbeit wartet!“

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