Initiative von Ex-Bürgermeisterkandidat präsentiert Vorschläge für Kamen

dzBesuch im Rathaus

Ein VHS-Kurs gratis für jeden Bürger. Öffentlicher Nahverkehr für alle. Diese und weitere Vorschläge macht die Bürgerinitiative „Kamen spricht“ von Ex-Bürgermeisterkandidat Jonas Büchel.

Kamen

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Einige Punkte aus dem nun vorgelegten Papier dürften Bürgermeisterin Elke Kappen aus dem Wahlkampf bekannt vorkommen: Die Bürgerinitiative „Kamen spricht“ von Ex-Kandidat Jonas Büchel (parteilos) hat der SPD-Politikerin eine Art Leitfaden für die Stadtentwicklung überreicht.

Vier Seiten hat das Papier, darauf stehen mal mehr, mal weniger konkrete Vorschläge, Fragen und Forderungen zu drei Themenbereichen: Soziales/Bildung/Kultur, Stadtplanung/Verkehr/Umwelt und Wirtschaft/Zentren/Leerstand/Sicherheit. Einige Punkte ähneln den Forderungen des Bürgermeisterkandidaten Büchel im Wahlkampf. Der parteilose Kultur- und Sozialplaner hatte 2018 überraschend ein Viertel der Stimmen im ersten Wahlgang geholt. Er war unter anderem für einen besseren Dialog zwischen Stadtverwaltung, Bürgern und Stadtrat eingetreten. Passend dazu hatte er im Wahlkampf zu einer sogenannten Stadtkonferenz eingeladen, zu der rund 40 Bürger kamen.

Stichwort

Initiative „Kamen spricht“

„Kamen spricht!“ versteht sich als parteiunabhängige Plattform von Bürgern, die an der Stadtentwicklung interessiert sind. „Wir bieten allen an Kamen interessierten Menschen die Zusammenarbeit an. Dabei ist uns besonders wichtig alle Gruppen, also sowohl die Stadtverwaltung, wie alle anderen in diese Arbeit mit einzubinden“, heißt es in einer Selbstdarstellung. Die Initiative ging aus dem Wahlkampfteam des parteilosen Bürgermeisterkandidaten Jonas Büchel hervor. Als Sprecher tritt jetzt neben Büchel auch der Kamener Wolfgang Funke in Erscheinung. Nicht ausgeschlossen wird bislang, dass die Initiative bei der Kommunalwahl 2020 als unabhängige Wählervereinigung antritt.

Barrierefreie Stadt

Die Ergebnisse der Workshops dieser Stadtkonferenz hat die Bürgermeisterin nun in aufbereiteter Form als vierseitigen Leitfaden bekommen. Zum Punkt „Soziales/Bildung/Kultur“ heißt es zum Beispiel: „Kamen soll für jeden Menschen eine lebenswerte Stadt sein, die den unterschiedlichsten Interessen gerecht wird; ,barrierefrei‘ also nicht nur im baulichen Sinne.“ Zudem wird eine Vernetzung von Vereinen und Organisationen angeregt. Die Stadt soll zivilgesellschaftliche Gruppen bei Projekten unterstützen. Stichwortartig finden sich Vorschläge für Veranstaltungen: ein Festival am Galgenberg, eine offene Musikstunde auf dem Markt, ein Stadtparkfest. Ein Stichpunkt lautet: „Ein kostenloser VHS-Kurs pro Jahr für jede Einwohnerin/jeden Einwohner“.

Wir-Gefühl stärken

Unter dem Punkt „Stadtplanung/Verkehr/Umwelt“ steht zuerst der öffentliche Nahverkehr. Die Forderungen reichen von Bussen ins östliche Dortmund über sogenannte Mitfahrerbänke bis hin zu einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit elektrobetriebenen Shuttles, Sammeltaxis und „Ringbussen“. Die Initiative wünscht sich mehr Grün in der Stadt. Außerdem soll die Bürgermeisterin sich um „sozialen und sozialverträglichen Wohnungsbau“ kümmern – als Beispiel wird das als vernachlässigt geltende Blumenstraßenviertel genannt.

Bürger sollen mitwirken

Was die Initiative zum Thema „Wirtschaft/Zentren/Leerstand/Sicherheit“ zu sagen hat, formuliert sie nicht als Forderungen, sondern in Form von acht Fragen, zum Beispiel: Wie können wir für die Bürgerinnen und Bürger mehr Transparenz und Partizipation bei der Planung unserer Stadt erreichen? Wie können wir das Sicherheitsgefühl einzelner Menschen verbessern? Wie können wir das Wir-Gefühl unter den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Geschäftstreibenden stärken?

Keine fertige Handlungsanweisung

Bei der Übergabe des Leitfadens im Rathaus fehlte Ex-Kandidat Büchel aus beruflichen Gründen. Seine Mitstreiter Wolfgang Funke, Hedda Döring und Christoph Hölscher übergaben Verwaltungschefin Kappen das Papier. Sie will die darin enthaltenen Hinweise und Anregungen hausintern prüfen lassen und abgleichen „mit den Dingen, die die Stadt vorhat oder schon macht“, heißt es. Nach den Sommerferien will sie die Initiative einladen und ihr eine Rückmeldung geben.

Unklar ist, welche Punkte eine Chance auf Umsetzung durch die Stadtverwaltung und den Stadtrat haben. Die Initiative selbst räumt ein, dass ihre Punkte sich teilweise doppeln, nicht immer stringent seien und nicht als fertige Handlungsanweisungen taugen würden. Doch sie seien das Ergebnis der Zusammenarbeit, des Diskutierens und gemeinsamen Formulierens engagierter Kamener Bürgerinnen und Bürger. „Wir sind davon überzeugt, dass sich aus diesem Katalog viele Projekte ableiten ließen, die Kamen – zum Großteil mit überschaubarem finanziellen Aufwand – zu einer lebenswerteren, zukunftsfähigeren Stadt machen würden.“

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