Initiative „Kamen spricht“ von Ex-Kandidat Jonas Büchel kritisiert die Bürgermeisterin

dz„Schlechte Kommunikationspolitik“

Knapp fünf Monate nach der Bürgermeisterwahl melden sich Ex-Kandidat Jonas Büchel und seine Mitstreiter aus der Initiative „Kamen spricht“ mit Kritik an Bürgermeisterin Kappen (SPD) zurück.

Kamen

, 27.11.2018, 15:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er galt als heimlicher Sieger der Bürgermeisterwahl, auch wenn er im ersten Wahlgang ausschied: Der unabhängige Kandidat Jonas Büchel, der überraschend ein Viertel der Wählerstimmen erzielt hatte und das als Auftrag verstand, kündigte an, gemeinsam mit seinen Unterstützern in Form der Initiative „Kamen spricht“ weiterzumachen.

Vier Monate ist Büchels Ankündigung nun her, doch um die lockere Initiative aus rund einem Dutzend Mitgliedern ist es ruhig geworden. Das gibt der hauptberufliche Sozialplaner auch mit einer Entschuldigung zu, als er eine Zwischenbilanz mehr als 100 Tage nach dem Amtsantritt von Wahlsiegerin Elke Kappen (SPD) zieht. Euphorisch gestartet, sei man erst einmal in ein Loch gefallen. „Das Luftholen nach der Wahl hat uns Zeit gekostet, sodass einige Aktivitäten, die wir geplant hatten, heruntergefallen sind“, sagt der 53-Jährige. Zum Beispiel das Vorhaben, die Schulweg an der Friedrich-Ebert-Schule sicherer zu machen.

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Stadtkonferenz geplant

Doch jetzt meldet sich Büchel zurück, und er kommt nicht allein. Olaf Treutler (52) steht als weiterer Sprecher der Initiative an seiner Seite. „Herr Büchel ist jetzt nicht mehr die Hauptperson, sondern Teil einer Bewegung“, sagt Treutler. Zu neunt haben die Mitglieder am Montagabend an Büchels Wohnadresse am Gartenplatz ihre Pläne geschmiedet. Vereinbart wurde eine Wiederholung der „Stadtkonferenz“ aus Wahlkampfzeiten. Eingeladen sind dazu am 3. Februar 2019 um 15 Uhr alle Bürger, die Ideen für die zukünftige Gestaltung der Stadt mitentwickeln möchten. Der Veranstaltungsort steht noch nicht fest. „Kamen spricht“ versteht sich als parteiunabhängige Bürgerbewegung, die ihre Vorschläge an den Stadtrat und die Verwaltung herantragen will.

Kritikpunkte an Kappen

Kritische Worte fielen beim ersten Planungstreffen über die ersten Amtsmonate der neuen Bürgermeisterin. „Wir stellen nicht fest, dass sich die Kommunikationspolitik und die Darstellung der Stadtverwaltung verbessert hat“, sagte Büchel. Trotz des Wechsels an der Rathausspitze gebe es ein „Weiter so“ in der Verwaltung, meint Treutler.

Die Liste der Kritikpunkte ist lang: Erst am 100. Tag nach ihrem Amtsantritt habe Kappen eine Bürgersprechstunde eingeführt. Der umstrittene Verkauf des VHS-Hauses sei nicht transparent diskutiert worden. Was die Neustrukturierung der Verwaltungsspitze angeht, habe die Bürgermeisterin erst erklärt, keine Eile zu haben, und dann: „Zapp, Zapp, Zapp, haben wir einen neuen Ersten Beigeordneten Uwe Liedtke“.

Die Bürgermeisterin (vor ihrer Wahl war sie Erste Beigeordnete) nehme zudem eine Doppelbelastung in Kauf, weil sie ihre bisherigen Dezernate weiterführe. Von der im Wahlkampf versprochenen personellen Aufstockung der Wirtschaftsförderung sei bislang noch nichts zu sehen. Und statt die Schaltstelle für Kommunikation neu zu besetzen, gehe der Pressesprecher nun doch nicht wie angekündigt zum Jahresende in Pension, sondern mache weiter. Unglücklich findet es „Kamen spricht“, wenn die Verwaltung im Rahmen des neuen Einzelhandelskonzepts ausgerechnet im Trubel des Weihnachtsgeschäfts eine Umfrage unter Einzelhändlern starten will.

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Jusos laden Büchel ein

Die Art, wie Büchel Wahlkampf machte, sein Eintreten für mehr Bürgerbeteiligung, die Organisation einer Stadtkonferenz, all das hat auch auf politische Gegner Eindruck gemacht. Die Kamener Jusos haben Büchel für diesen Mittwoch zu ihrer Vollversammlung eingeladen (28. November, 19.30 Uhr, Kümpers Pütt, Bahnhofstraße). Das wertet die Initiative „Kamen spricht“ als Interesse von Teilen der SPD an Büchels Erfolgsrezept bei der Wähler-Ansprache. Viele traditionelle SPD-Wähler fühlten sich nicht mehr mitgenommen, meint Olaf Treutler. Und wenn die SPD dann trotz neuer Bürgermeisterin eine solche Politik mache wie beim intransparenten Verkauf des VHS-Hauses, dann „treibt sie der AfD Wähler in die Arme“.

Die Initiativsprecher schließen nicht aus, dass „Kamen spricht“ sich vor der Kommunalwahl 2020 als Wählervereinigung formiert und dann mit den bisherigen Ratsparteien SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, Linke/GAL und Freie Wähler/FDP konkurriert – und möglicherweise mit der AfD, die erstmals antreten könnte. Die Kandidatur sei bei dem jüngsten Treffen aber kein Thema gewesen.

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