Familienpaten gibt es in vielen Städten. Etwas Besonderes ist es aber, wenn die Stadt sich aus dem Projekt weitestgehend heraushält. In Kamen ist es genau so – aus gutem Grund.

Kamen

, 17.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Angebot, das aus der Nachfrage heraus entsteht – besser kann es eigentlich nicht laufen. Das findet auch Johannes Gibbels, Fachbereichsleiter für Familie, Jugend, Schule und Sport in Kamen. Und deshalb hält die Stadt sich aus dem Projekt Familienpaten weitestgehend heraus.

Das Projekt wurde in der Diakonie-Beratungsstelle an der Kampstraße ins Leben gerufen, weil die Berater dort gemerkt haben, dass es Mütter gibt, denen Entlastung im Alltag gut tun würde.

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Und so entsendet Ilona Liebner, die das Projekt als Koordinatorin seit 2011 leitet, Ehrenamtliche in Familien, um den Eltern unter die Arme zu greifen. Was genau die Familienpatinnen tun, entscheiden sie selber. „Patinnen“, weil es im Moment nur weibliche Ehrenamtliche gibt, Männer sind aber genauso willkommen und können sich gern melden.

Die Hilfe reicht vom Spielen mit dem Kind bis hin zur Unterstützung bei behördlichem „Papierkram“.

Die Patinnen werden kreisweit geschult, Liebner besucht vorab die Familien und teilt die Familienpaten zu. Die Zahl der Patinnen in Kamen liege meist im Bereich fünf. Damit kommt Liebner zwar aus, aber neue Paten sind immer willkommen. „Der Bedarf ist größer“, sagt Liebner.

Die Familienpaten treffen sich oft und tauschen sich aus

Das Familienpaten-Projekt in Kamen zeichnet nicht nur aus, dass es eigenständig ist. Auch die Betreuung der Familienpaten selbst ist außergewöhnlich intensiv. Alle sechs Wochen gibt es ein Austauschtreffen. „Das ist besonders“, sagt Liebner. Die Frauen seien mit Herzblut dabei und tauschen sich bei den Treffen intensiv aus.

Vor allem sei es wichtig, sich über besondere Situationen oder Veränderungen zu beraten – zum Beispiel, wenn ein neues Kind in die Familie geboren wird oder die Eltern sich trennen. Die Familienpaten werden in solchen Fällen freilich nicht alleine gelassen.

Was die Familienpaten – in Kamen sind es vor allem aber Patinnen – mit den Kindern der Familien unternehmen, wird individuell abgesprochen – je nach Lust und Fähigkeiten.

Was die Familienpaten – in Kamen sind es vor allem aber Patinnen – mit den Kindern der Familien unternehmen, wird individuell abgesprochen – je nach Lust und Fähigkeiten. © David Pereiras - stock.adobe.com (Symbolbild)

Doch natürlich gibt es vor allem schöne Dinge, die die Frauen über ihre Zeit bei den Familien berichten können. „Wenn die Eltern der Familien weit weg wohnen, dann sind die Paten wie eine Ersatz-Oma. Für manche Kinder sind sie der Höhepunkte in der Woche“, sagt Liebig.

Während die Mutter der Kinder Zeit zum Verschnaufen oder für einen Friseurbesuch hat, beschäftigt sich jemand ausgiebig mit dem Kind, kocht vielleicht mit ihm oder fährt einkaufen.

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Der Kontakt zu den Familien, die die Diakonie über dieses Angebot betreut, entsteht meist aus den Beratungen heraus. In der Beratungsstelle an der Kampstraße werden zum Beispiel Schwangere beraten – da ist dann gleich der Kontakt da. Andere erfahren über das Mütter-Café davon.

Kamen ist gut mit Angeboten für Familien aufgestellt

Ehrenamt

Familienpate werden

  • Wer Familienpate in Kamen werden möchte, muss zunächst an einer kreisweiten Schulung teilnehmen, die einmal im Jahr angeboten wird. Einsteigen kann man jedoch jederzeit. Infos gibt es bei Ilona Liebner unter Tel. (02307) 947430 oder via liebner@diakonie-ruhr-hellweg.de
  • Familienpaten verbringen etwa drei Stunden in der Woche mit den Familien. Vorher wird geschaut, ob die Chemie stimmt.
  • Die Aufgaben der Familienpaten können ganz unterschiedlich aussehen und werden individuell mit den Familien abgestimmt. Jeder kann also ehrenamtlicher Familienpate werden.
  • Während der Coronakrise ist es freilich ratsam, den Kontakt zwischen älteren, möglicherweise vorerkrankten Personen und Kindern zu vermeiden. Dennoch kann man sich bei Ilona Liebner schon einmal über das Projekt informieren.

Dass das so unkompliziert läuft, freut Gibbels. Weil es Familien gibt, die mit der Stadt und vor allem mit dem Jugendamt nicht unbedingt etwas Gutes verbinden, ist das niedrigschwellige Projekt eine gute Ergänzung zu den zahlreichen Angeboten, die die Stadt selber für Eltern bereithält.

Denn nicht nur mit den entkoppelten Familienpaten, sondern auch mit dem Angebot des Fördervereins für Jugendhilfe Kamen gibt es in der Sesekestadt etwas, das nicht gewöhnlich ist. Der Verein unterstützt Familien drei Monate lang ohne dass Anträge gestellt werden müssen.

Auch das ist ein sehr niedrigschwelliges Angebot, das belasteten Familien oder beispielsweise alleinerziehende Mütter ohne lästige Reaktionszeiten eine enorme Hilfe bietet. Doch das ist nur eines von vielen Angeboten für Familien in Kamen. „Wir sind da sehr gut aufgestellt“, sagt Gibbels.

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