In die Türkei reisen? Die Regeln kennen und nicht nur gute Ratschläge erteilen

dzVon Städtepartnerschaft lernen

Kann man noch guten Gewissens in die Türkei reisen? Zu solchen Fragen haben sich Bürgermeisterin Elke Kappen und Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke geäußert. Kamen ist mit Bandirma befreundet.

Kamen

, 30.08.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan wurde die Demokratie in der Türkei ausgehöhlt. Seit der Niederschlagung des Putschversuchs 2016 gehen Regierung und Justiz hart gegen Kritiker und politische Gegner vor. Auch rund 100 Deutsche sind inhaftiert oder haben eine Ausreisesperre.

Das deutsch-türkische Verhältnis gilt auch deshalb als angespannt. „Es ist schwieriger geworden, deutsch-türkische Städtepartnerschaften mit der gleichen Energie zu leben“, sagt Landtags-Vizepräsident Carina Gödecke (SPD) bei einem Besuch im Kamener Rathaus. Eine Abkühlung sieht sie auf Städteebene aber nicht.

Die Leiterin der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe besucht nun schon die zehnte Stadt in NRW, die mit der Türkei verbandelt ist. Sie will auf der Reise ausloten, wie die Partnerschaften unter den veränderten Bedingungen gelebt werden. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) schilderte frische Eindrücke einer Bürgerreise nach Bandirma und stellte der Partnerschaft ein positives Zeugnis aus.

Die Reise diente hauptsächlich der Begegnung von Bürgern.

„Partnerschaften zwischen Ländern und zwischen Menschen führen dazu, dass es ein vertieftes Verständnis gibt“, rechtfertigte Kappen die Reise. Für ein gutes Zusammenleben sei es wichtig, diese persönlichen Kontakte zu haben. Es habe auch Gespräche über die politische Lage in der Türkei gegeben, schon allein weil der Kamener Besuch eine Woche vor der Wiederholungs-Kommunalwahl in Istanbul lag. Kappen lud den neuen Bürgermeister Tolgan Tosun (CHP) nach Kamen ein.

Mit auf Bürgerreise war Klaus-Peter Klinge, der sich für die Partnerschaft engagiert. „Ich habe sehr viele Freundschaften aufgebaut zu nicht politischen Personen“, sagt der Kamener, der in einer Nachbarstadt Bandirmas seinen Zweitwohnsitz hat.

Bei Besuchen in der Türkei ist für deutsche Amtsträger nach Meinung der Landtagsvizepräsidentin Gödecke die „hohe Kunst der kommunalen Diplomatie“ gefragt. „Wer als Hauptverwaltungsbeamter tätig ist, weiß genau, was zu tun ist“, sagte sie und spielte damit auf einen Fall aus der Region an. Der Oberbürgermeister von Hamm, Thomas Hunsteger-Petermann (CDU), geriet in Verdacht, der Regierungspartei AKP Wahlkampfhilfe geleistet zu haben, als er sich in Istanbul vor der Kommunalwahl mit einem AKP-Bezirksbürgermeister gezeigt hatte.

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Kann man derzeit guten Gewissens in der Türkei Urlaub machen? Ja, das meinen sowohl Kappen als auch Gödecke. Man sollte die Verhaltensregeln des Auswärtigen Amts kennen. Und natürlich solle man nicht versuchen, dem anderen Land nur gute Ratschläge zu erteilen.

Freundschaft

Diese Städte haben Partner in der Türkei

Kamen ist eine von mindestens 30 Städten und Gemeinden in NRW, die eine Städtepartnerschaft oder andere Form der Verbindung mit der Türkei haben. Dazu zählen Aachen, Herne, Dortmund, Castrop-Rauxel, Köln, Oberhausen, Krefeld, Lünen, Glackbeck, Kamen, Bergkamen, Marl, Neuss und Hamm. Die deutsch-türkische Parlamentariergruppe im Landtag besucht nach und nach diese Städte, nächste Woche steht Bergkamen auf dem Programm.
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