Damit man sich vor Ort ein Bild von der Lage der Kleinschwimmhalle Heeren machen kann, laden die GSW zur Badbesichtigung ein. Die Mängel werden besonders deutlich, als es in den Keller geht.

Heeren-Werve

, 07.03.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon vor der Kleinschwimmhalle Heeren bleibt die Architektin Daniela Kersting stehen und deutet auf die Treppe. Vier Stufen führen zum Eingangsbereich des Bades. „Barrierefrei ist das nicht“, sagt sie und nennt damit einen von mehreren Mängeln, die sie in einem Gutachten zur Kleinschwimmhalle zusammengetragen hat.

Kersting ist Projektleiterin für die Firma Constrata, die das Bädergutachten im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen - Bönen - Bergkamen angefertigt hat. Sie führt im Rahmen einer Besichtigung einen Teil der Verwaltungsspitze, bestehend aus Bürgermeisterin Elke Kappen und den Dezernenten Ingelore Peppmeier, Dr. Uwe Liedtke, durch die Kleinschwimmhalle. Auch GSW-Chef Jochen Baudrexel und Bäderleiter Marcus Müller sind dabei. Weitere Führungen sollen folgen, in denen beispielsweise auch Mitglieder der Bürgerinitiative, die die Halle erhalten wollen, Einblick erhalten.

In den klammen Katakomben der Kleinschwimmhalle Heeren

Vier Treppenstufen führen zum Eingangsbereich hoch. Wer beispielsweise mit einem Rollator unterwegs ist, wird seine Mühe haben, die Tür zu erreichen. © Stefan Milk

Eine „unzumutbare Situation“

Die Kritik an der fehlenden Barrierefreiheit lässt sich auch in dem Gutachten finden. Von einer „unzumutbaren Situation der nicht barrierefreien und nicht rollstuhlgerechten Ausbildung des Bades“ schreibt Kersting in dem Bericht.

Die Verwunderung über diesen Umstand ist der Architektin auch jetzt noch anzumerken.

In den klammen Katakomben der Kleinschwimmhalle Heeren

An der Besichtigung am Donnerstag nahmen Bäderleiter Marcus Müller (v.l.), GSW-Chef Jochen Baudrexl, Bürgermeisterin Elke Kappen sowie die Derzernenten Ingelore Peppmeier und Dr. Uwe Liedtke teil. Architektin Daniela Kersting (r.) führte die Delegation durch die Kleinschwimmhalle Heeren. © Stefan Milk

Die kleine Delegation betritt die Halle und schon lässt sich ein weiterer Kritikpunkt aus dem Gutachten am eigenen Leib erfahren. Die Lautstärke. Kinderlachen schallt durch die Gänge und wird lauter, je näher die Gruppe dem eigentlichen Schwimmbereich kommt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

In den feuchten Katakomben der Kleinschwimmhalle Heeren

Damit man sich vor Ort ein Bild von der Lage der Kleinschwimmhalle Heeren machen kann, laden die GSW zur Badbesichtigung ein. Die Mängel werden besonders deutlich, als es in den Keller geht.
07.03.2019
/
Sanieren oder der Neubau eines Kombibades in Kamen-Mitte? Die Tage für die Kleinschwimmhalle Heeren könnten gezählt sein. Bei einer Besichtigung zeigt Architektin Daniela Kersting die Mängel, die sie bereits in einem ausführlichen Gutachten zusammengefasst.© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
Im Keller werden die manche Mängel besonders deutlich. Manche Wände sind vollkommen nass. An anderen Wänden sind Ausblühungen zu erkennen.© Stefan Milk
An der Besichtigung am Donnerstag nahmen Bäderleiter Marcus Müller (v.l.), GSW-Chef Jochen Baudrexl, Bürgermeisterin Elke Kappen sowie die Derzernenten Ingelore Peppmeier und Dr. Uwe Liedtke teil. Architektin Daniela Kersting führte die Delegation auch die Kleinschwimmhalle Heeren.© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
Diese Stehleiter soll angeblich immer noch in der Kleinschwimmhalle zum Einsatz kommen. Das bestreitet jedoch Burkhard Allebrodt von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Bades.© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
© Stefan Milk
Vier Treppen führen zum Eingangsbereich hoch. Wer beispielsweise mit einem Rollator unterwegs ist, wird seine Mühe haben, die Tür zu erreichen.© Stefan Milk

Zahlen und Fakten

Die Kleinschwimmhalle Heeren

  • Das Bad wurde im Jahr 1967 erbaut.
  • Entscheidend für die Wahl des Standortes an der Westfälischen Straße war der Bedarf einer Kleinschwimmhalle für das Schul- und Vereinsschwimmen vor Ort.
  • Die Brutto-Grundrissfläche beträgt etwa 975 Quadratmeter, das Schwimmerbecken ist 16,67 mal 8 Meter groß, was etwa 134 Quadratmetern entspricht.
  • Da das Bad keinen öffentlichen Betrieb hat, wird es lediglich von Schulen, Vereinen und Gruppen genutzt.
  • Die Kosten für die Sanierung des Bades beziffert die Firma Constrata auf rund 3,9 Millionen Euro.

Laute Geräuschkulisse wegen harter Materialien

Kinder der Sonnenschule planschen vergnügt im Wasser. Die aufgeregten Schreie und Rufe hallen durch das Gebäude. Kersting deutet nach oben: „Da sehen sie das Trapezblech.“ Fehlende Abhangdecken und die harten Materialien und Oberflächen, die ohne schallschutztechnischen Maßnahmen verbaut wurden, sorgen für eine entsprechende Akustik. Baudrexel zückt sein Handy, öffnet eine App und hält das Gerät in die Höhe. „Das sind hier 80 bis 100 Dezibel“, sagt er schließlich mit Blick auf das Display. Das ist in etwa die Lärmkulisse, die ein Rasenmäher erzeugt.

Die Sache mit der Stehleiter

Dann ist da noch die Sache mit der Stehleiter. In dem Gutachten der Firma Constrata heißt es: „Anscheinend ist es gängige Praxis, dass eine Stehleiter in das Wasser gestellt wird, um den Aussteig aus dem Becken zu ermöglichen und zu vereinfachen. Dieses stellt eine für die Nutzer eigentlich unzumutbare Situation dar.“

In den klammen Katakomben der Kleinschwimmhalle Heeren

Diese Stehleiter soll angeblich immer noch in der Kleinschwimmhalle zum Einsatz kommen. Das bestreitet jedoch Burkhard Allebrodt von der Bürgerinitiative für den Erhalt des Bades. © Stefan Milk

Dieser Punkt wurde kürzlich von der Bürgerinitiative für den Erhalt der Kleinschwimmhallee Heeren kritisiert. Sprecher Burkhard Allebrodt kommentierte die Passage wie folgt: „Dieses ist seit zwölf Jahren, seitdem es den elektrischen Lift gibt, nicht mehr geschehen.“

Die besagte Leiter findet die Delegation schließlich in einem Nebenraum. Bäderleiter Marcus Müller berichtet von einem Kollegen, der die Leiter noch vor einem halben Jahr im Wasser gesehen habe. Bürgermeisterin Kappen bekommt große Augen: „Das ist doch viel zu gefährlich“, sagt sie kopfschüttelnd.

Jetzt lesen

Ab in den Keller

Wie ausgeprägt manche Mängel sind, wird beim Gang in den Keller besonders deutlich. Die Betonwände weisen Spuren von Wasser auf, an manchen Stellen sind Ausblühungen zu erkennen.

Kersting erklärt: „Das sieht teilweise nicht so dramatisch aus, aber Schäden bei Beton sind nicht immer mit bloßem Auge sichtbar.“

In den klammen Katakomben der Kleinschwimmhalle Heeren

Im Keller werden einige Mängel besonders deutlich. Manche Wände sind vollkommen nass. An anderen Wänden sind Ausblühungen zu erkennen. © Stefan Milk

Ein paar Schritte weiter durch die engen Gänge sieht die Lage wesentlich schlimmer aus. Die Beckenwand ist komplett nass, Wasser läuft deutlich am Beton herunter, die Wand glitzert im Taschenlampenlicht. Einen Gang weiter haben sich bereits Pfützen auf dem Boden gebildet, Schäden sind an den Wänden deutlich zu erkennen.

Jetzt lesen

Veraltete Technik

Erschwerend kommt hinzu, dass die Technik des Bades „alt, marode und verrostet ist“, wie Kersting anführt. Im Gutachten wird dieses Urteil sowohl bei den luft- und badtechnischen Anlagen als auch bei den Starkstrom-, Fernmelde- und Informationstechnischen Anlagen getroffen.

Die Sanierung der Kleinschwimmhalle Heeren wird im Gutachten auf 3,9 Millionen Euro (ohne Risikopuffer).

Jetzt lesen

Weitere Wege für die Schulkinder

Während die Delegation Gebäude und Technik unter die Lupe nimmt, planschen die Kinder weiter vergnügt im Wasser. Falls die Entscheidung gegen die Kleinschwimmhalle fällt, müssen sie künftig deutlich weiter fahren, um sich ins kühle Nass stürzen zu können. Auch das ist ein Aspekt in der Bäderfrage. Doch wenn die Kleinen in einem sicheren und vernünftig ausgestatteten Bad schwimmen sollen, kann der Status Quo nicht bestehen bleiben.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Was die Nutzer sagen

Riesenschaden im Heerener Schwimmbad: „Bei uns ist das schon sehr dramatisch“

Hellweger Anzeiger Neue Anzeigetafel

Der neue Service aus dem Sesekepark: Jetzt ist Hochwasser-Gefahr sofort zu erkennen

Hellweger Anzeiger Bündnis gegen Plastikmüll

Endlich - selbst im Discounter tut sich was: Weniger Plastiktüten und Einwegverpackungen

Meistgelesen