In acht Städten gleichzeitig, auch in Kamen: Erneute Kontrollen bei Problemvermieter

dzMissstände in Mietshäusern

Erneute Mängelüberprüfung in Wohnhäusern der Altro-Mondo-Gruppe: Die Behörden haben am Donnerstag Immobilien in Kamen, Dortmund sowie sechs weiteren Städten in NRW ins Visier genommen.

Kamen

, 13.08.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Beschwerden von Mietern reißen nicht ab, nun schickt Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) in Absprache mit lokalen Behörden erneut Kontrolleure los. In Bergneustadt, Dortmund, Duisburg, Hagen, Herne, Kamen, Lemgo und Radevormwald wurden am Donnerstag Wohnhäuser überprüft. Die Objekte werden der Deutschen Grundbesitz AG (Degag) und der Altro Mondo GmbH zugeordnet, die als mutmaßliche schwarze Schafe der Wohnungsbranche in der Kritik von Mieterverbänden stehen.

Einsatz rund um die Blumenstraße

In Kamen bestätigte Stadtsprecher Peter Büttner einen Einsatz von Kollegen der Stadtverwaltung in der Siedlung rund um die Blumenstraße, Erik-Nölting-Straße und Karl-Arnold-Straße. Die Kontrolle in Objekten von Altro Mondo habe im Rahmen einer gemeindeübergreifenden Aktion stattgefunden. Konkrete Ergebnisse nannte die Stadt nicht. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) erklärte lediglich, die Aktion habe gezeigt, dass „Missstände aus der Vergangenheit von dem betreffenden Unternehmen behoben“ worden sind. „Auf der anderen Seite sind wir auch heute wieder auf Mängel gestoßen, die unverzüglich beseitigt werden müssen.“

Altro Mondo, eine Hausverwaltung aus Ronnenberg bei Hannover, und Degag, Eigentümerin von Immobilien, beide geleitet von dem Geschäftsmann Birger Dehne, sind durch gehäufte Mieterbeschwerden in mehreren Städten negativ aufgefallen. Bauministerin Scharrenbach initiierte deshalb zum ersten Mal am 17. September 2019 eine Überprüfung von Immobilien in zehn Städten: Kamen, Castrop-Rauxel, Dorsten, Dortmund, Duisburg, Hagen, Herne, Lemgo, Oerlinghausen und Wuppertal. Mit dem Ergebnis der Mängelbeseitigung ist die Ministerin wohl nicht zufrieden gewesen, denn sie wiederholt die öffentlichkeitswirksame Aktion nun. „Nach Rückmeldung aus den Kommunen sind zahlreiche damals aufgedeckten Missstände nicht oder nur unzureichend behoben worden“, teilte das Bauministerium am Donnerstagmittag zur Begründung mit.

Ministerin kritisiert Unternehmen

Anders als bei der Bekanntgabe der Überprüfung im vorigen Jahr blieb der gescholtene Problemvermieter in der Mitteilung namentlich unerwähnt. Die Kritik der Ministerin, die als Kamenerin die Verhältnisse vor Ort kennt, ist aber kaum milder formuliert: Zahlungsrückstände für Wasser-, Abwasser-, Strom- und/oder Wärmeleistungen oder Maßnahmen zur Instandhaltung würden oftmals erst auf wiederholtes Tätigwerden von Behörden betrieben. „Das ist kein verantwortungsbewusstes Verhalten eines Unternehmens und schadet dem Vertrauensverhältnis zwischen Mieter- und Vermieterschaft“, so Scharrenbach. „Die Initiative zeigt aber auch: Unsere Arbeit hat in einzelnen Wohnungsbeständen auch zu Verbesserungen geführt.“

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In Kamen waren nach vorläufigem Stand von Ende Februar 2020 einige Mängel abgearbeitet, andere Punkte noch offen und strittig. Altro Mondo hat wiederholt und auch nach der ersten Kontrolle versichert, festgestellte Mängel schnellstmöglich zu beheben. Zudem hat das Unternehmen auf Investitionen von 60 Millionen Euro verwiesen, die in den Wohnungsbestand an den kontrollierten Standorten geflossen seien.

Altro Mondo kritisiert Kontrollen

Eine Bitte um Stellungnahme beantwortete das Unternehmen am Donnerstag durch seinen Anwalt. Die Hausverwaltung sei mit beteiligten Städten im ständigen Austausch und habe diesen nach der Kontrollaktion im vergangenen Jahr noch verstärkt. Die Fachabteilungen hätten Ansprechpartner bei der Hausverwaltung, zudem seien Hausverwaltung bzw. die Eigentümer aktiv auf das Ministerium zugegangen und hätten das Gespräch gesucht. „Vor diesem Hintergrund ist die heutige, abermals unangekündigte Kontrollaktion des Bauministeriums schlichtweg unverständlich und es hat den Eindruck, dass auch diese vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen allein politisch motiviert ist“, heißt es.

Mieter behindern Reparaturfirmen

Als Reaktion auf die Ergebnisse der 2019er Kontrollen seien Maßnahmen eingeleitet worden, um sowohl die Schadensursache wie auch die Folgeschäden zu beseitigen. „Angezeigte Schäden werden umgehend bearbeitet und Maßnahmen zur endgültigen Schadensbeseitigung beauftragt. In der Regel erfolgt eine abschließende Schadensbeseitigung.“ Wenn die Schadensursache nicht sofort beseitigt werden könne, würden provisorische Maßnahmen ergriffen. „Dabei ist aber auch das Mitwirken der Mieter unbedingt notwendig. Beispielsweise wurde bis heute Reparaturfirmen mehrfach der Zutritt durch Mieter verwehrt, wodurch weder provisorische noch endgültige Maßnahmen durchgeführt werden konnten und sich das Schadensbild vermutlich vergrößert hat.“

Kommunen und Ministerium wollen Altro Mondo/Degag im Visier behalten. Wann eine Gesamtbilanz der Kontrollen in allen Städten vorliegt, ist noch offen.

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