3M feiert: In 50 Jahren Produkte für alle Lebenslagen angefertigt

dzMultikonzern seit 1969 in Kamen

Kopiergeräte, Videokassetten und Pflaster: Kamens 3M-Standort ist seit 50 Jahren in Betrieb. Mitarbeiter und Ehemalige schwelgen inmitten von großen Fabrikgebäuden in alten Erinnerungen.

von Alexandra Prokofev

Kamen

, 07.07.2019, 11:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kopiergeräte, Videokassetten und Pflaster in allen Variationen: Eines haben diese Dinge gemeinsam - das 3M-Logo, das die Seiten der verschiedenen Produkte ziert. Zum 50-jährigen Bestehen erinnern sich Mitarbeiter und Ehemalige an alte Zeiten und Entwicklungen im heute 440-köpfigen Unternehmen „Wir wachsen hier nicht nur wirtschaftlich, sondern auch als Menschen“, eröffnet Werksleiter Bruno Wiesmann die Jubiläumsfeier am Samstag. Zurzeit seien die Aussichten für das Unternehmen „extrem rosig“. Und das, nachdem das Werk auch Tiefpunkte und Stellenkürzungen erlebt hat. „Wir mussten Ende der 90er von 400 auf 200 Stellen kürzen“, erinnert sich der Leiter. Eines der heutigen Werksgebäude wurde deshalb Teil des Möbelgeschäfts Zurbrüggen. An diese schwere Zeit erinnert sich auch Ulrich Kroll, der 46 Jahre lang im Unternehmen gearbeitet hat. „Ich weiß noch, dass das erste Gefühl Angst war, ich wollte keinen neuen Arbeitsplatz“, sagt Kroll.

3M feiert: In 50 Jahren Produkte für alle Lebenslagen angefertigt

3M-Werksleiter Bruno Wiesmann in der Produktion. Das Unternehmen ist nach schwierigen Zeiten auf Erfolgskurs. © Stefan Milk

Der Wendepunkt durch medizinische Produkte

Mit Kopiergeräten und Druckern

Produktionsstart im Jahr 1969

  • Das Kamener Werk hat in den vergangenen Jahrzehnten viele unterschiedliche Produkte hergestellt. 1969 begann die Produktion mit Kopiergeräten und Druckern. Dazu Overhead-Projektoren.
  • In den 70er-Jahren kamen Videokassetten dazu, sogar ein selbstleuchtendes Nummernschild war später im Programm, ebenso Datenspeicherprodukte wie die längst ins Technikmuseum verbannte 3,5-Zoll-Diskette.
  • Innenraumfilter für die Autoindustrie wurden solange gefertigt, bis die Sparte nicht mehr ausreichend nachgefragt war. Zudem wurden Netzkomponenten für die Telekommunikation (Splitterboxen) hergestellt.
  • Der Umstieg auf medizinische Produkte erfolgte im Jahr 2003. Etwa eine Million der speziellen Wundpflaster mit dem Namen „Tegaderm“ verlassen als eines von mehreren medizinischen Produkten zurzeit täglich das Werk.
  • Zur medizinischen Sparte zählt überdies die Wärmedecke „Bair-Hugger“, die bei chirurgischen Eingriffen zum Einsatz kommt und mithilfe einer spezifischen Luftströmung für eine optimale und gleichmäßige Wärmeverteilung sorgt.

Der Wendepunkt kam mit der Produktion von medizinischen Produkten, wie speziellen Pflastern und Wärmedecken. „Die alten Produkte hatten ihre maximale Lebensdauer erreicht, die neuen sind für die Zukunft“, berichtet Wiesmann. Kroll ist seit einem halben Jahr im Ruhestand. Das Unternehmen heute in so großer Form zu sehen, stimmt ihn fröhlich. „Wehmut ist natürlich auch bisschen dabei, ich hab mich hier sauwohl gefühlt“, sagt der ehemalige Reparaturmechaniker und Fremdfirmenkoordinator. „Wenn ich das Unternehmen mit einem Wort beschreiben würde - dann wäre es ‚gemeinsam’“, sagt Wiesmann. Es gehe darum, gemeinsame Ziele und Werte zu verfolgen. „Bei uns gibt es keine Hierarchie“, betont der Leiter. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch mit dem Podest, auf dem Wiesmann seine Eröffnungsrede hält, das nur wenige Zentimeter hoch ist.

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Vor allem viele junge Menschen feiern das Jubiläumsfest mit. „Etwa 30 Prozent unserer Mitarbeiter sind weniger als vier Jahre hier beschäftigt und deshalb noch ganz jung“, sagt Personalleiterin Christina Manke. Und genauso jung ist das Programm für die Mitarbeiter und ihre Familien: Live-Musik, eine Breakdance-Show, Straßenkünstler und Kinderschminken gehören zum Angebot.

In einer der Hallen sind Produkte des Unternehmens ausgestellt, Videokassetten liegen neben Pflasterband ausgebreitet. „Unsere Arbeit ist extrem wichtig, wir verbessern Patientenleben, verhindern Infektionen und lassen Wunden schneller heilen“, sagt Geschäftsführer Manfred Hinz. Denn eine Ursache für Infektionen sei Unterkühlung; die produzierten Wärmedecken sollen vor, während und nach der Operation Abhilfe leisten.

3M feiert: In 50 Jahren Produkte für alle Lebenslagen angefertigt

© Stefan Milk

Ein weltbekanntes „Zufallsprodukt“

Auch ausländische Mitarbeiter des Unternehmens sind vor Ort. Denn 3M hat seinen Hauptsitz in Minnesota, USA. Aus den Standorten außerhalb von Kamen kommt zum Beispiel das durchsichtige Klebeband von Scotch oder die allbekannten Post-its. Letzteres war, wie Wiesmann erzählt, eher ein Zufallsprodukt: „Ein Forscher unseres Unternehmens wollte Klebstoff herstellen, der klebte allerdings nicht, sondern haftete nur“. Nach einiger Zeit wurde dieser misslungene Klebstoff wieder „aus der Schublade geholt“ es entstand eine neue Produktidee - die Post-its.

Angefangen hat alles mit einer kleinen Halle. Heute feiern die Mitarbeiter umzäunt von zahlreichen Fabrikgebäuden Investitionen in Höhe von 120 Millionen Euro seit dem Jahr 2012. „Wir sind so aufgestellt, dass wir auch in Richtung 100 Jähriges Jubiläum denken können“, berichtet Hinz zuversichtlich.

3M feiert: In 50 Jahren Produkte für alle Lebenslagen angefertigt

Die „Sternenkönigin" überreicht Svetlane und Andreas Schönhals zur Begrüßung ein „Glücksblättchen". © Stefan Milk

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