Die Stadt Kamen reagiert empfindlich auf den offenen Brief der Ortsheimatpfleger zum Verkauf des VHS-Hauses, das einen historischen Schatz birgt. Es gibt gleich mehrere fragwürdige Aussagen.

Kamen

, 26.10.2018, 19:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadtverwaltung reagiert mit einer umfangreichen Pressemitteilung empfindlich auf die öffentliche Debatte über den geplanten Verkauf des VHS-Hauses am Geist 1. Wie berichtet, hatten sich die Ortsheimatpfleger mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Sie plädieren dafür, das denkmalgeschützte Haus in städtischem Besitz zu belassen. Das Haus birgt mit einer alten Apotheke einen historischen Schatz.

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In der städtischen Pressemitteilung von Freitagnachmittag spricht Bürgermeisterin Elke Kappen wörtlich von einer „vielleicht unnötig öffentlich geführten Diskussion“. Auf Nachfrage der Redaktion, ob der Vorgang nicht ein Vorgang von öffentlichem Interesse sei, relativierte Stadtsprecher Hanno Peppmeier. „Damit ist nicht gemeint, dass die öffentliche Diskussion unnötig ist. Sondern, dass man sich viel Aufregung hätte sparen können.“

Eine also eher missverständliche Aussage. Allerdings handelt es sich nicht um die einzige fragwürdige Aussage in der Pressemitteilung, die am Freitag unter der Nummer „228/18“ veröffentlicht wurde. Wirtschaftsförderin Ingelore Peppmeier lässt sich dort wie folgt zitieren: „Offenbar ist aus der nichtöffentlichen Sitzung des Wirtschaftsausschusses die dort einstimmig gefasste Verkaufsentscheidung den Medien zugetragen worden.“ Allerdings hatte die Wirtschaftsförderin auf Anfrage unserer Zeitung (unser Bericht vom 13. Oktober) selbst über den bevorstehenden Verkauf berichtet. Auf Nachfrage unserer Redaktion zu diesem Satz und Hinweis auf diese Diskrepanz teilte Stadtsprecher Hanno Peppmeier mit, dass man zu dem veröffentlichten Inhalt stehe.

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Dritte fragwürdige Aussage in der Pressemitteilung ist ein Zitat der Ortsheimatpflegerin Edith Sujatta, die dem Beigeordneten Dr. Uwe Liedtke mitgeteilt haben soll, „dass ein Verkauf der Immobilie für sie aus denkmalpflegerischer Sicht unproblematisch sei“. Auf Nachfrage der Redaktion dementierte sie diesen Satz. „Ich habe immer gesagt, dass es besser ist, wenn das Haus in städtischer Hand bleibt und keinesfalls von einem Großinvestor erworben werden soll. Nur wenn es gar nicht anders geht, wäre ich damit einverstanden“, sagte sie. Nichts anderes habe sie gesagt.

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Doch es gibt auch einen Fortschritt zu vermelden: Die Stadt kündigte an, sich jetzt mit Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß, anvisiert in der zweiten Novemberhälfte, zusammenzusetzen. „Ich schätze die ehrenamtliche Arbeit der Ortsheimatpfleger sehr, auch wenn nicht immer alle fachlichen Einschätzungen mit der Verwaltung übereinstimmen“, äußerte die Bürgermeisterin. Auch Liedtke, so heißt es, sei verwundert darüber „dass es eine unterschiedliche fachliche Meinung zu dem Thema zu geben scheint“. Trotzdem, so Kappen, wolle man die Diskussionen auf einer sachlichen Ebene weiterführen. „Ich beabsichtige gemeinsam mit allen Beteiligten, ergebnisorientiert zu arbeiten und noch einmal die Kriterien zu thematisieren, die zu dem Verkauf der Immobilie führen wird. Ich bin optimistisch, dass dies gelingt.“

Kommentar: Verkauf schlecht verkauft

Die Stadtverwaltung tut sich keinen Gefallen damit, eine öffentliche Diskussion so abzukanzeln.

Anstatt auf den Fahrt aufnehmenden Zug aufzuspringen und diese Diskussion konstruktiv zu gestalten, blockt sie ab und arbeitet mit einer offenbar fragwürdigen Argumentation mit beleidigtem Unterton. Ehrlich gesagt: Einen geplanten Immobilien-Verkauf könnte man besser verkaufen.

Vielmehr müsste sich die Stadtverwaltung eingestehen, dass sie es verpasst hat, die Öffentlichkeit rechtzeitig mitzunehmen. Auch mit Verweis auf Vertrauensschutz der Kaufinteressenten, der jederzeit gewahrt bleiben soll, ist die Annahme, man könne ein derlei bedeutendes Haus an der Öffentlichkeit vorbei verkaufen, irrig. In anderen Städten werden die Modalitäten, wie so ein Verkauf abläuft, besser kommuniziert.

Öffentliche Diskussionen, das ist klar, sind zuweilen beschwerlich. Aber der Bürger hat ein Recht darauf, dass sie geführt werden.

  • Das VHS-Haus ist ein zweigeschossiger, fünfachsiger Backsteinbau. Er wurde 1886 im Stil der französischen Neorenaissance errichtet. Die Fassade ist durch rote Ziegelflächen und Putzgesimse gegliedert: Auf der linken Seite ein vorspringender Turm mit einer Aussichtsplattform mit Gitter; rechts ein breiter übergiebelter Vorsprung mit Fenstern (Utlucht).
  • Die Giebelspitze wurde 1925 entfernt. Dazwischen gibt es einen dreiachsigen Fassadenteil mit mittiger Haustür. Die Ecken der Risalite (vorspringendes Gebäudeteil) seien in Diamantenschnittquader ausgeführt. Auf der rückwärtigen Seite befindet sich zwischen zwei hervorspringenden Gebäudeteilen eine zweigeschossige Veranda.
  • Der Turmhelm und das gaubenbesetzte Mansarddach sind schiefergedeckt. Das Mansarddach wurde 1925 verändert. Das Innere des Gebäudes zeigt auch in seiner Grunddisposition ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus, das speziell für die Bedürfnisse einer Apotheke entwickelt wurde. Die erhaltene Offizin der Apotheke ist denkmalgeschützt.
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