Im Kamener Krankenhaus wird jetzt nicht mehr nur verarztet, sondern auch gebüffelt

dzKrankenpflegeschule Kamen

Das ist einmalig: In einer Woche lernen Azubis im Hellmig-Krankenhaus, wie man Patienten verarztet – und in der nächsten drücken sie schon die Schulbank. Und zwar gleich nebenan.

Kamen

, 07.10.2019, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich habe drei Kinder. Wenn ich nicht in Kamen zur Schule gehen könnte, dann würde ich die Ausbildung gar nicht machen.“ Für Olga Schumacher eröffnet die neue Krankenpflegeschule Kamen ganz neue Zukunftperspektiven. Die ersten Azubis starteten ihre Ausbildung am 1. Oktober. Sie sind Teil eines neuen Konzeptes.

„Ich habe drei Kinder. Wenn ich nicht in Kamen zur Schule gehen könnte, dann würde ich die Ausbildung gar nicht machen.“
Olga Schumacher, Auszubildende

Olga Schumacher wohnt in Bergkamen. Sie macht im Kamener Hellmig-Krankenhaus ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin – und fährt nicht nur für den praktischen Teil in die Sesekestadt. Sie und ihre 24 Klassenkameraden lernen dort auch die theoretische Grundlagen für den Pflegeberuf. Im Krankenhaus wurden dafür eigens zwei moderne Klassenräume eingerichtet.

An eine Cafeteria, die in diesen Räumen einst untergebracht war, erinnern heute höchstens noch die mitgebrachten Getränke der Schüler. Statt Kaffeemaschine und Kuchentheke stehen in den zwei Räumen neue Tische vor großen Smartboards. Weder grüne Tafeln mit Kreide noch Schulbücher sind dort noch zu finden. „Das ist die Zukunft“, sagt Lehrer Dominik Schulz.

Keine Tafel, keine Blöcke und nicht einmal Schulbücher

Im Hellmig Krankenhaus steht papierfreier Unterricht auf dem Stundenplan. Das sei noch gewöhnungsbedürftig, mache aber Lehrern und Schülern Spaß, so Schulz.

„Für mich ist das total interessant. Ich wollte nach Kamen, um das auszuprobieren“, sagt Paulina Bodurka. Für den modernen, digitalen Unterricht nimmt sie den Weg aus Lünen gerne in Kauf. „Es ist zwar anders, aber man gewöhnt sich schnell daran.“ Nicht nur Notizen, sondern auch Schulbücher gibt es jetzt auf dem Bildschirm.

Ihre dreijährige Ausbildung haben die beiden Schülerinnen am 1. Oktober begonnen. Dass sie den Luxus genießen, im Hellmig Krankenhaus ihren Theorie- und den Großteil der Praxisblöcke absolvieren können, alles andere als selbstverständlich – es ist sogar einmalig.

„Für viele steht bei der Ausbildungswahl die Wohnortnähe an erster Stelle“, sagt die Gesamt-Schulleiterin Beate Jahnke-Weil. Sie begrüßt das neue Konzept – nicht nur, weil die Schüler keinen weiten Weg zur Schule auf sich nehmen müssen, sondern auch, weil die Verknüpfung zwischen Schule und den Stationen viel enger ist. „Ein Anruf und man kann sich sofort treffen“, sagt Jahnke-Weil. Schüler können sich so problemlos auf kurzem Wege an Praxisanleiter oder Ärzte wenden, wenn sie Fragen haben.

Im Kamener Krankenhaus wird jetzt nicht mehr nur verarztet, sondern auch gebüffelt

Die Bürgermeisterin Elke Kappen, Vertreter des Klinikum Westfalens und des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum begrüßen die erste Ausbildungsklasse, die sowohl ihre praktische als auch ihre theoretische Ausbildung in Kamen absolviert. © Borys Sarad

Praxisanleiter lernen ihre Schützlinge besser kennen

Das hat auch für letztere einen Vorteil. „Ich begleite die Schüler auf ihrem Weg und lerne ihre Arbeitsweise kennen“, sagt Sebastian Pahl.

Seine „eigenen“ Schüler zu bekommen erleichtert ihm die praktische Anleitung. In der Vergangenheit wechselten die Schüler für die einzelnen Praxisblöcke zwischen den Standorten des Klinikums Westfalens hin und her. Das fällt nun weitestgehend weg: Nur die Fachbereiche, die es in Kamen nicht gibt, lernen die Schüler unter anderem in Dortmund kennen.

Ein- oder dreijährige Ausbildung


Bewerbungen für Folgekurse möglich

  • Im Hellmig-Krankenhaus Kamen können Azubis künftig ihre theoretische und praktische Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolvieren. Es gibt 75 Plätze, die Ausbildung dauert drei Jahre. Ausbildungsbeginn ist jeweils Oktober.
  • Zudem startet voraussichtlich ab April 2019 die einjährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz. Jedes Jahr können dann 25 Personen diese Ausbildung starten.
  • Anmeldungen für die Ausbildungen, die im kommenden Jahr starten, werden bereits angenommen. Wer sich für eine der beiden Ausbildungen interessiert, kann sich an Bettina Bettenbrock wenden. Sie ist via Mail an bettina.bettenbrock@klinikum-westfalen.de oder unter Tel. 0231 922 1828 erreichbar.

Das Klinikum arbeitet mit der Krankenpflegeschule des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum zusammen. So weit zu fahren, ist vor allem für jüngere Azubis nicht zumutbar. In der Vergangenheit gingen die Azubis in Lünen auf eine Pflegeschule. Diese besteht jedoch nicht mehr.

Kurze Wege sind auch für Bürgermeisterin Elke Kappen, die der ersten Klasse viel Erfolg wünschte, mit der größte Vorteil. Es stärke zudem den Standort in Kamen, weil die Schüler sich mit „ihrem Krankenhaus“ identifizieren und ihm als fertige Pfleger hoffentlich treu bleiben. Dass viele nicht pendeln müssen, stärke zudem die Gemeinschaft der Klasse und letztendlich hat vielleicht sogar das Klima etwas davon: „Die Schüler können mit dem Rad fahren.“

Dazu trägt freilich auch der papierfreie Unterricht bei. Doch der will erst einmal verinnerlicht werden. „Zu Hause schreibe ich doch noch manchmal in einen Block. Und Bücher habe ich auch“, gesteht Olga Schumacher.

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