Seit zwei Wochen sind Schilder im Umlauf, die Hundehalter an ihre Pflichten erinnern sollen. Auch in anderen Städten werden die Bewohner kreativ im Umgang mit den lästigen Hundehaufen.

von Niklas Mallitzky

Heeren-Werve

, 22.12.2018, 18:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mach deine Mitmenschen glücklich, nimm‘s selbst in die Hand!“, so lautet die Aufschrift auf den Schildern, die seit zwei Wochen im Stadtteilbüro erhältlich sind. Eine Hundesilhouette und ein stark abstrahiertes Häufchen machen deutlich, worum es hier geht. Gerne mache das natürlich niemand, das weiß auch Elvira Boeker, selbst Hundehalterin: „Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie einige Leute den Stadtteil so verkommen lassen können.“ Sie sei in Heeren aufgewachsen, erzählt sie, früher sei das Problem nicht so schlimm gewesen. „Die Zahl der Hundebesitzer hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen und das merkt man jetzt leider auch.“

Schilder finden Anklang

Glaubt man den Heerenern, so gleichen manche Gehwege des Stadtteils einem Kriegsgebiet. Kaum einen Schritt kann man tun, ohne um diverse Tretminen herum manövrieren zu müssen. Seit zwei Wochen gibt es im Bürgerbüro nun neue Schilder, mit denen die Anwohner auf diese Problematik aufmerksam machen können. Am Mittwoch stellen Stadtteilmanager Jakob Hamborg, Gabriela Schwering (Stadt Kamen), Beate Siebert (Sozialverband) und Heike Gerull (Gewerbeverein) die Schilder näher vor. Schon 20 Schilder haben in den vergangenen zwei Wochen einen neuen Besitzer gefunden. Die Schilder tragen alle auch das Logo der Initiative „Rund ums Dorf“, die das Schilderprojekt mitträgt. Die Initiative ist ein Zusammenschluss aus Vereinen, Gewerbetreibenden und dem Stadtteilmanagement, die mit verschiedenen Aktionen dem Stadtteil wieder mehr Attraktivität verleihen will.

Einige Stellen im Stadtteil würden die Bürger als besonders verschmutzt beschreiben, meint Stadtteilmanager Jakob Hamborg. „Immer wieder hört man von verschmutzten Wegen in der Hans-Böckler-Siedlung. Auch der Luisenpark und das Gewerbegebiet am Pertheswerk sind stark betroffen.“ Und sogar die Mittelstraße, wo auch das Stadtteilbüro beheimatet ist, ist betroffen. Das ist auch deshalb besonders problematisch, weil hier eine Vielzahl der Heerener Gewerbe angesiedelt sind. Auch hier steht künftig ein Schild, aufgestellt von einer Anwohnerin. „Ich habe ihr das Schild geschenkt“, sagt Boeker. „Jetzt steht es direkt an der Straße.“

Im ewigen Kampf mit den Hinterlassenschaften der Hunde

Insgesamt 90 Schilder hat das Stadtteilbüro herstellen lassen.

Heeren ist kein Einzelfall

Nicht nur in Heeren-Werve kämpfen die Anwohner gegen den Unrat, der sich auf den Gehwegen und leider auch in manchen Vorgärten sammelt. Das Problem ist deutschlandweit verbreitet und hat schon für einige kreative Ideen gesorgt. In der Stadt Singen hat die Stadtverwaltung reagiert. Seit September stehen auch dort an vielen Stellen Schilder, die die Hundebesitzer auf ihre Pflichten hinweisen sollen. Statt mit trockenen Ermahnungen versucht die Stadt, der Problematik mit Humor zu begegnen. „Gehst du mit dem Hund spazieren, ist er an der Lein‘ zu führen. Geht nach hinten was verloren, bist du zum Sammeln auserkoren. Ist dir das alles ganz egal, kostet’s Bußgeld - voll normal!“ ist dort auf den Schildern zu lesen. In München wehrte sich im vergangenen Jahr einer der Anwohner der Heideckestraße mit ganz eigenen Mitteln gegen den Dreck. Auch hier sind die Bürgersteige immer wieder mit Hundekot verschmutzt, im vergangenen Jahr waren die plötzlich mit einem Papierzettel bedeckt, mit der Aufschrift: „Mein Hund darf überall hinscheißen! Dafür stehe ich mit meinem guten Namen und meiner exzellenten Erziehung.“

Die Schilder in Heeren sind für den heimischen Gebrauch gedacht, also die Nutzung auf privaten Grundstücken. Die Schilder könnten zum Beispiel an Gartenzäunen einen Platz finden, so stellt es sich Hamborg vor. „Oder in Fenstern und an Hausfassaden.“ Idealerweise würden sie die Besitzer aufstellen, die an den Ein- und Ausgängen der Fußwege wohnen, die von den Hundebesitzern besonders häufig frequentiert werden. Der Stadtteilmanager denkt an einen möglichst flächendeckenden Einsatz der Schilder, so Homburg: „Es würde wenig bringen, wenn alle Schilder in einer Straße stehen.“

Martina Hänsel führt gerade ihre Hündin Lili aus. Hänsel findet die Idee mit den Schildern gut. „Hätte ich ein eigenes Grundstück, würde ich auch eins aufstellen“, überlegt sie. Dreimal am Tag geht sie mit der Hundedame raus, die Beutel für etwaige Hinterlassenschaften sind immer mit dabei. „Das finde ich selbstverständlich.“ Doch Schilder alleine würden wahrscheinlich nicht reichen, glaubt sie. „Ich finde, es sollte noch mehr Beutelbehälter geben, an vielen bei Hundebesitzern beliebten Plätzen findet man leider keine.“ Sie selbst kenne nur zwei Standorte, so Hänsel. Tatsächlich gibt es im ganzen Stadtteil sogar acht Behälter, die zweimal pro Woche aufgefüllt werden.

Im ewigen Kampf mit den Hinterlassenschaften der Hunde

Tüte raus und los: Die Pflicht der Hundehalter ist schnell erledigt. © picture alliance / dpa

Nicht nur Begeisterung

Armin Samsen ist mit Hündin Emmi unterwegs, zuhause wartet Rüde Hermann auf sein Herrchen. Auch er würde im Stadtgebiet natürlich den Hundekot wegräumen, erzählt er, Tüten habe er dabei. „Im Wald mache ich das aber nicht, schließlich machen ja auch die Wildtiere in den Wald.“. Die Schilder hält der Heerener aber für überflüssig. „Wir haben ja schon jetzt einen Schilderwald. Ich finde, wir brauchen wirklich nicht noch mehr davon.“ Das Anliegen könne er aber trotzdem nachvollziehen und unterstütze die Forderung. „Es sollte selbstverständlich sein, dass man die tierischen Hinterlassenschaften auch wegmacht, alles andere ist eine echte Sauerei.“

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