Im Bunde mit Hamburg und Bremen: Alles über die Hansestadt Kamen

dzGroße Tradition in der Wirtschaft

Kamen hat als Wirtschaftsstadt große Tradition. Mindestens seit 1471 zählt sie zum Hansebund, deren Mitgliedschaft 2013 erneuert wurde. Der Museumsleiter hat die Geschichte aufgeschrieben.

Kamen

, 08.03.2019, 09:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hamburg, Bremen, Lübeck, die russische Stadt Velikij Novgorod und Kamen haben etwas gemeinsam: Sie sind Hansestadt. Seitdem die Stadt im Jahr 2013 in den Hansebund der Neuzeit aufgenommen wurde, darf sie sich mit dem klingenden und traditionsreichen Namenszusatz schmücken. Die ganze Geschichte der Hanse ist nun nachzulesen. Museumschef Robert Badermann hat sie zusammengefasst.

Auf 64 Seiten präsentiert er im neuen Heft „Springinsfelt“ die Hanse in Kamen. Gedruckt wurde es in einer Auflage von 300, finanziert vom Förderverein der Kamener Stadt- und Kulturgeschichte, dem Dr. Renate Weskamp vorsitzt. Erhältlich ist das Schriftwerk im Haus der Stadtgeschichte gegen Spende. Ist die Auflage vergriffen, soll nachgedruckt werden. „Das ist auch beim ersten Heft geschehen“, berichtet Weskamp. Die Kamener Hefte für Geschichte und Gegenwart sind schon einmal in den 90er-Jahren erschienen und finden eine Fortsetzung, wenn es sich thematisch und zeitlich anbietet. „Das ist schon fast eine Dissertation“, lobt Weskamp.

Im Bunde mit Hamburg und Bremen: Alles über die Hansestadt Kamen

Neue Ausgabe des Hefts „Springinsfelt“, der sich mit der Geschichte der Hanse beschäftigt, (v.l.) Dr. Renate Weskamp, Robert Badermann und Elena Zukovic, die das Heft über die Hansestadt Kamen präsentieren. © Stefan Milk

Spätestens seit 1471 dabei

Der eigentliche Handelsbund gründete sich im 14. Jahrhundert als Interessenvertretung der Kaufleute im Ausland und zum gegenseitigen Schutz. Seinen Mitgliedern erschlossen sich so die Märkte Europas und darüber hinaus. Wann genau Kamen Mitglied der Städtehanse wurde, ist unklar. Aus den alten Unterlagen geht lediglich hervor, dass die Stadt spätestens 1471 mit dabei war. Nach der Auflösung der Hanse im Jahr 1669 geriet die hanseatische Tradition etwas in Vergessenheit. Erst Ende des 20. Jahrhunderts haben ehemalige Hansestädte aus Westfalen, Niedersachsen und Hessen den alten Bund neu aufleben lassen. Die Gründungsurkunde des Westfälischen Hansebundes wurde 1983 unterzeichnet und die alte Reichs- und Hansestadt Herford zum Hansekontor bestimmt.

Den hanseatischen Gedanken stärken

Die Mitgliedstädte wollen beweisen, dass der alte hansische Gedanke wieder dazu beiträgt, die Attraktivität einer Stadt zu steigern und eine Anziehungskraft auszuüben, wie man es von einer Hansestadt erwartet.

Badermann beschreibt beispielsweise den wirtschaftlichen Niedergang Kamens vor ca. 500 Jahren. „Obwohl Kamen dank einer starken Burgmannschaft zunächst neben Hamm und Unna an der Spitze der märkischen Bürgergemeinschaften stand, konnte es sich aufgrund der niedrigen Bevölkerungszahl nicht dauerhaft unter den märkischen Städten im Hanseverband des 15./16. Jahrhunderts behaupten.“ Erwähnung findet auch der erfolgreiche Händler Claus de Kamen, der schon zuvor überregional von sich Reden machte.

Im Bunde mit Hamburg und Bremen: Alles über die Hansestadt Kamen

Siegried Selle (M.) spielte bei historischen Führungen den Kaufmann Claus den Kamen. © Dupke

Ein umtriebiger Kaufmann

Der umtriebige Kaufmann aus der Sesekestadt suchte zur Blütezeit der Hanse im 14. Jahrhundert sein Glück in Lübeck. Und fand es als Repräsentant eines führenden Buttergroßhändlers. Des Kaufmanns Hauptgeschäftsfeld war der Handel auf der Linie Stockholm, Reval, Gotland. Claus de Kamen ist in den Zolllisten als der Befrachter der meisten zwischen Lübeck und Stockholm laufenden Schiffe genannt worden und kann als hervorragender Repräsentant eines hansischen Buttergroßhändlers gelten. Abgesehen von der Butter bildeten schwedische Metalle die Hauptpositionen seines Handels. Unbedeutet waren dagegen seine Bezüge an Tran und Häuten. Neugierig geworden? Mehr darüber gibt es im Springinsfelt. „Sehr umfassend und sehr lesenswert“, wie Weskamp wirbt.

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