Illegales Autorennen auf A2 am Kamener Kreuz: Erst den Verkehr ausgebremst und dann beschleunigt

dzGerichtsverhandlung in Kamen

Auf der Autobahn 2 am Kamener Kreuz bremsten mehrere Fahrzeuge den Verkehr aus und lieferten sich dann ein Rennen. Vor Gericht wurde das Verfahren beinahe eingestellt. Aber nur beinahe.

von Jana Peuckert

Kamen

, 10.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist der 15. September 2019. Es ist 2 Uhr. Die Autobahn 2 am Kamener Kreuz in Richtung Hannover ist nahezu leer. Ideale Bedingungen für eine Gruppe Autoliebhaber, mit ihren Boliden den Rausch der Geschwindigkeit in einem verbotenen Rennen zu erleben. So zumindest der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Drei mutmaßliche Rennteilnehmer fanden sich im Amtsgericht Kamen auf der Anklagebank wieder. Möglicherweise müssen sie jeweils 1500 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Eine Frau, die in der besagten Nacht als Beifahrerin ebenfalls auf der Autobahn unterwegs war, gab im Gericht informatorisch an, vor sich plötzlich eine Wand von Rücklichtern gesehen zu haben. Offensichtlich leistungsstarke Fahrzeuge hätten in auffällig langsamem Tempo alle drei Fahrbahnen belegt und damit von hinten kommende Wagen blockiert. „Wir dachten erst, es war ein Stau“, erklärte die Frau.

Zeugin ruft die Polizei während des Autorennens am Kamener Kreuz

Irgendwann sei ein lautes Geräusch zu hören gewesen. Wie sich herausstellte, so die Zeugin, heulten die Motoren der Fahrzeuge vor ihnen auf: „Dann haben sie extrem beschleunigt.“ Und das mehrfach hintereinander. Schließlich hätte sie die Polizei angerufen und die Beamten am Telefon live darüber informiert, was gerade passierte.

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Dabei hätten sie auch die Kennzeichen der Wagen notiert, wodurch die Ermittler auf die aus Remscheid, Recklinghausen und Norddeutschland kommenden Angeklagten im Alter von 27 bis 33 Jahren kamen. Die äußerten sich nicht im Gericht. Aber dem Gericht fehlten damit nicht nur die Aussagen der Angeklagten.

Auch zwei wichtige Zeugen erschienen nicht. Darüber hinaus sollten Ermittler Daten der Handys der Angeklagten dahingehend auswerten, ob es Verabredungen zu einem Rennen gegeben hatte. Aber die Ergebnisse lagen dem Gericht noch nicht vor. Aufgrund dieser Umstände, weil niemandem etwas passiert war und die Angeklagten vom 15. September an sieben Monate lang auf ihre Führerscheine hatten verzichten müssen, regte der Richter an, die Verfahren vorläufig gegen Zahlungen von jeweils 1500 Euro einzustellen.

Staatsanwaltschaft verweigert die Einstellung des Verfahrens

Dazu war neben der Zustimmung der Angeklagten auch die der Staatsanwaltschaft nötig. Letztere verweigerte eine Zustimmung jedoch. Eine Referendarin, die nicht selbst über Einstellungen entscheiden darf, rief ihre Ausbilderin an. Die lehnte eine Einstellung ab. Allerdings ist sie nicht der Anklageverfasser. Und so setzte der Richter die Hauptverhandlung aus.

Er wird die Akte samt Anregung einer Einstellung nun dem Anklageverfasser vorlegen. Stimmt der einer Verfahrenseinstellung zu, zahlen die Angeklagten je 1500 Euro und die Angelegenheit ist erledigt. Ohne Zustimmung gibt es einen neuen Termin. Allerdings erst, wenn auch die Auswertungen der Handydaten vorliegen.

Eigentlich sollte sich noch ein vierter Mann aus Dortmund auf der Anklagebank befinden. Er blieb jedoch fern, was ihm für das vorgeworfene Autorennen in Verbindung mit Fahren ohne Fahrerlaubnis einen Strafbefehl über sechs Monate Haft auf Bewährung und zwei Jahren Führerscheinsperre einbrachte. Zudem muss er wegen eines weiteren Fahrens ohne Fahrerlaubnis 1000 Euro zahlen.

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