Ikea: Ein Haus mit vielen Superlativen

Ein Wiedersehen in Kamen nach 26 Jahren

Jutta Iskalla leitet seit einem Jahr das Ikea-Haus im Karree. Für die 52-Jährige ist es eine Art Rückkehr. Denn sie startete ihre Karriere im früheren Haus am Zollpost. Damals noch in rotem Ikea-Textil.

Kamen

, 31.08.2018 / Lesedauer: 4 min
Ikea: Ein Haus mit vielen Superlativen

Jutta Iskalla führt seit nahezu einem Jahr das Kamener Einrichtungshaus Ikea im Kamen-Karree. Die Mitarbeiterzahl hat sich seit der Eröffnung im Jahr 2004 von 320 auf 360 gesteigert.Stefan Milk © Stefan Milk

Für Jutta Iskalla ist es eine Art Rückkehr. Die 52-jährige Marktleiterin des Einrichtungshauses Ikea, die zwischen Berlin-Lichtenberg und München zahlreiche Häuser der schwedischen Erfolgsmarke leitete, startete vor 26 Jahren ihre Karriere in Kamen. Im damaligen Haus am Zollpost. „Ich war da zwar nur vier Wochen lang zur Ausbildung, wo ich alle Abteilungen kennengelernt habe. Aber es ist eines der Häuser, an das ich mich noch am besten erinnern kann. Und ich war stolz, dass ich dazu gehören durfte.“

Ikea: Ein Haus mit vielen Superlativen

Marktleiterin Jutta Iskalla und Marketingleiterin Safet Yazici an der neuen Elektro-Tankstelle. Weitere neue Standorte hat Ikea in Duisburg, Dortmund, Kassel, Frankfurt-Niedereschbach, Hamburg-Schnelsen, Hamburg-Moorfleet, Erfurt, Leipzig, Köln-Godorf und Köln-Butzweiler Hof errichtet.Milk © Stefan Milk

Damals noch in Rot

Damals noch in Betriebskleidung in leuchtendem Rot, aus dem mittlerweile ein blaugestreiftes Gelb geworden ist. Seit 1. September vergangenen Jahres leitet sie nun das Kamener Haus mit 360 Mitarbeitern. Das sind 40 mehr als zur Eröffnung im Jahr 2004. 360 Mitarbeiter für ein Haus, das bundesweit zu den 20 umsatzstärksten und besucherkräftigsten gehört und in Kamen als großer Wirtschaftsfaktor gilt. Unter den bundesweit 53 Ikea-Häusern lag Kamen zuletzt auf Rang 19. Zahlen zu einzelnen Standorten veröffentlich das Unternehmen allerdings nicht. Bei jährlich etwa 100 Millionen Besuchern bundesweit, die das Unternehmen in der Jahresstatistik angibt, kommt man bei 53 Häusern auf etwa zwei Millionen Besucher, die nach Kamen fahren. Bei 300 Öffnungstagen jährlich ist das eine Besucherfrequenz von etwa 6500 täglich. Das sind in etwa die Zahlen, die das Unternehmen ausnahmsweise im Jahr 2005, ein Jahr nach der Neueröffnung im Kamen-Karree, veröffentlicht hatte, als für Kamen 2,18 Mio. Besucher gemeldet wurden. Die Nachfrage nach Mobiliar „made in sweden“ ist offenbar konstant. Am 5. Mai 1978 war das Ikea-Haus am Zollpost als damals erst bundesweit achtes eröffnet worden. 2004 erfolgte der Umzug ins Kamen-Karree. Der Elch, er könnte längst Kamener Wappentier sein, wenn es nicht der Kömsche Bleier, der Sesekefisch, wäre.

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Die damalige Niederlassungsleiterin Dinah Rudack in dem im Jahr 2013 eröffneten Glashaus. Rund neun Millionen Euro hatte Ikea in den 1400 Quadratmeter großen Glasanbau inklusive Lagererweiterung investiert. © Stefan Milk

Gastronomie wächst

Fisch gibt es bei Ikea höchstens im Restaurant. Die Gastronomie – ein Bereich, wie Iskalla sagt, der in den vergangenen Jahren exorbitant gewachsen ist. „Eigentlich benötigten wir mehr Plätze.“ Vor allem zwischen September und Januar, wenn das Haus seine stärkste Zeit erlebt. „Da haben die Leute Lust, sich einzurichten“, so Iskalla. Nicht zufällig erscheint am kommenden Montag auch der neue Katalog. Im Haus laufen zurzeit Bauarbeiten, um die neue Badabteilung herzurichten, die in Kürze eröffnet werden soll.

Nicht nur die Bauarbeiter sind zurzeit schwer an der Arbeit. Verlassen kann sich Iskalla auf die 360 Kollegen, die im Mehrschichtbetrieb den Laden schmeißen. Darunter sind einige, die sie noch in Textilien mit roter Betriebsfarbe kennt. „Einige Kollegen von damals sind heute noch da“, berichtet sie. Beginn der ersten Schicht ist frühmorgens um 4 Uhr. Dann landen auch die Lastwagen an, aus denen Lager, Schüttcontainer und Verkaufsregale bestückt werden mit klassischen Billy-Regalen und flauschigen Toftbo-Matten. Bis zu zehn Lastwagen bringen täglich neue Waren, die jeweils bis zu 88 Kubikmeter Ware an Bord haben, verpackt auf Euro-Paletten oder die eigens auf den Konzern zugeschnittenen Ikea-Paletten.

Iskalla kennt die Systematik, wie ein derlei großes Haus – Kamen hat 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche – betrieben wird, aus dem Effeff. Ihre Stationen waren Häuser in Kassel, Berlin-Waltersdorf (Schönefeld), Dortmund, München, Ludwigsburg und Berlin-Lichtenberg, jeweils als Abteilungsleiterin Verkauf bzw. als Store-Manager, wie bei Ikea die Marktleiter bezeichnet werden.

In den vier Jahren vor dem Wechsel nach Kamen war sie zudem stellvertretende Landeschefin in der Zentrale in Hofheim-Wallau. „Die vielen Wechsel? Das macht irgendwann auch Spaß“, sagt sie. „Trotzdem bin ich jetzt froh, wieder in der Heimat zu sein.“ Gebürtig kommt Iskalla aus Münster, jetzt lebt sie in Hamm, wo sie selbst fast ausschließlich zwischen Ikea-Produkten wohnt. „Ich wüsste nicht, was nicht von Ikea ist. Aber das ist vielleicht auch wichtig, dass man sich hundertprozentig damit identifizieren kann.“ Dazu trug auch eine Begegnung mit Firmengründer Ingvar Kamprad, der im Januar verstorbenen ist, bei. „Das war sehr beeindruckend“, sagt sie. Ihr Vertrag fürs Haus in Kamen gilt für die nächsten fünf Jahre – eine Verlängerung wäre theoretisch möglich. „Aber dann kommt wohl eher etwas Neues“, prognostiziert sie.

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„Die Planung kann gut und gern als gelungen bezeichnet wer´n!“ Zimmermann Werner Huber richtete seine guten Wünsche beim Richtfest am 28. Oktober 2004 aus. Die Bauarbeiter feierten das Ende des ersten Bauabschnitts.

Kunden verändern sich

Nicht immer wieder neu, aber doch immer etwas anders: So ist das Verhalten der Kunden, wenn Iskalla auf ihre lange Zeit beim schwedischen Möbelhaus zurückblickt. „Natürlich gibt es immer noch die Kunden, die uns als Ausflugsziel wählen, einfach, um einmal durch die Ausstellung zu schlendern. Insgesamt sind die Kunden aber besser informiert, weil sie schon mal im Internet gucken, was es so gibt.“ Die neue Kundengeneration hat oftmals klarere Vorstellungen, längere Listen und detailliertere Ausführungspläne.

Und selbst sie als leitende Ikea-Mitarbeiterin ist oft in anderen Häusern zu finden, um zu gucken, wie es woanders ist. „Ja, selbst in den Ferien – wie jüngst in Göteborg“, lacht sie.

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