IGBCE Kamen findet kein neues Führungspersonal

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Schon fast verzweifelt sucht die Gewerkschaft IGBCE einen neuen Vorstand für Kamen. Die alten Mitglieder würden gern zurücktreten – aber niemand möchte die Bürde des Ehrenamts übernehmen.

von Werner Wiggermann

18.02.2020, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass es richtig rund läuft in der IGBCE-Ortsgruppe Kamen, würden nicht viele sagen. Nicht nach dem Austritt mehrerer prominenter Mitglieder vor einem Jahr – und auch nicht nach der Jahreshauptversammlung der Gewerkschafter am vergangenen Samstag im „Hotel Stadt Kamen“. Schon bald müssen sich die Mitglieder nämlich erneut treffen, um einen neuen Vorstand – oder den Vorstand neu zu wählen.

Punkt „Neuwahlen“ fehlte auf der Tagesordnung

Das muss nach der Satzung in wenigen Wochen passieren. Eigentlich wollten sich zumindest einige Ältere jetzt schon aus der aktiven Arbeit zurückziehen, bestätigt Ortsgruppen-Chef Dieter Böse. Auch er selbst habe kürzer treten, vielleicht nur noch ein Beisitzeramt ausüben wollen. „Wir suchen händeringend jüngere Leute“, sagt Böse. Zur Jahreshauptversammlung waren die Vorgespräche für aussichtsreiche Wahlvorschläge aber offenbar noch nicht weit genug gediehen, die jüngeren Leute einfach nicht gefunden, ohne die die Ortsgruppe einfach keine Zukunft hat.

Viele gleichgültige Mitglieder?

Gerade einmal 25 der insgesamt noch 950 Mitglieder waren am Samstag zur Hauptversammlung erschienen. So etwas wie ein Armutszeugnis, fand Wolfgang von der Heide, stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe. Deshalb müsse man mindestens die Mitglieder davon überzeugen, dass eine Gewerkschaft eben bei weitem „nicht nur für die Durchsetzung von Lohnforderungen“ zuständig sei, berichtete ein Mitglied im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein positives Beispiel sei die tariflich verankerte Zusatzpflegeversicherung in der chemischen Industrie, erläuterte das Mitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte. Hier habe die Gewerkschaft bewiesen, dass sie gesellschaftlich bedeutsame Probleme erkenne und Lösungen mitgestalten könne.

Der Streit um das Steinkohle-Kraftwerk Datteln 4 war eines der beherrschenden Themen bei der Jahreshauptversammlung der Kamener IGBCE.

Der Streit um das Steinkohle-Kraftwerk Datteln 4 war eines der beherrschenden Themen bei der Jahreshauptversammlung der Kamener IGBCE. © dpa

Heiße Diskussion um Datteln 4

Ein Fazit, das Wolfgang von der Heide und Dieter Böse sofort unterschreiben würden. Wobei es aber zunehmend schwieriger scheint, noch strukturelle Verbesserungen für Bergleute einfordern zu wollen. Der Steinkohlebergbau ist immer mehr ein Begriff aus der Vergangenheit – Themen für eine gewerkschaftliche Orientierung der Gesellschaft, für eine solidarische Gestaltung von Politik sind vielleicht schwerer zu vermitteln.

Am ehesten wohl noch in der Energiepolitik. Engagiert diskutierten die Mitglieder etwa am Samstag den Streit um die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln 4. Falls man darauf verzichte, müsse es gelingen, 400 neue Windkraftwerke ans Netz zu bringen, wurde argumentiert.

Letzteres aber sei kaum denkbar – schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass Windräder zunehmend wegen getöteter Vögel in Verruf kämen.

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„Keine Fusion mit Bergkamen“

Hier differenziert und gesamtgesellschaftlich mit Verantwortung zu argumentieren, könnte ein besonders wichtiges Anliegen heutiger Gewerkschafter sein, das machen auch Wolfgang von der Heide und Dieter Böse zu diesem Thema deutlich. Beide hoffen immer noch, dass mit solchen Themen auch jüngere Menschen für die traditionsreiche Gewerkschaft begeistert werden können. Und wenn das nicht bald gelingt? „Eine Fusion mit der Ortsgruppe in Bergkamen kommt jedenfalls nicht infrage“, findet Dieter Böse, „allein schon aus geographischen Gründen!“

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