Eigentlich sollte es für den RS1 gerade im Kreis Unna beste Voraussetzungen geben. Vom Damm des Datteln-Hamm-Kanals über die Klöcknerbahntrasse und die Wirtschaftswege der Bahnlinie Königsborn-Unna gibt es bereits Wege, die nur ausgebaut werden müssten. © Stefan Milk
Endlosplanung

„Ich werde einen Teufel tun, dorther zu fahren!“ Heftige Kritik an RS1

Trauerspiel und Enttäuschung: Es gibt laute Kritik an der Endlosplanung für den Radschnellweg 1, der seit über sieben Jahren geplant wird. Ein Baustart vor 2026 ist wohl nicht in Sicht.

Als vor mehr als sieben Jahren die ersten Pläne für den Radschnellweg 1, kurz RS1, vorgestellt wurden, jubelte die Rad-Welt auf. Mittlerweile ist Ernüchterung eingetreten im Planungs-Marathon der Radfahrstrecke, die auf mehr als 100 Kilometern das Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Hamm verbinden soll – und dabei auch durch Kamen und Bergkamen verläuft. Im Verkehrs- und Mobilitätsausschuss der Stadt Kamen gab es harsche Kritik, nachdem Ludwig Holzbeck, Dezernent des Kreises Unna den aktuellen Stand der Endlosplanung vorgestellt hatte.

Bündnisgrüne: Zahlen jetzt den Preis

„Es ist ein Trauerspiel“, sagte Anke Schneider, Ratsfrau der Bündnisgrünen, in Richtung der Landesbehörde Straßen NRW, die für die Umsetzung verantwortlich ist. Die lange Planungszeit sei der Preis dafür, dass man den Radweg kostenlos über Landesmittel bekomme. Sie forderte, auch andere Verbindungen für Radfahrer alltagstauglich zu machen, wie die Strecke zwischen Unna und Kamen. „Die werde ich auch weiterfahren, wenn der RS1 Kamen und Unna verbindet“, sagte sie. Vor allem im Dunkeln. „Ich werde einen Teufel tun, abends oder nachts den RS1 zu nehmen. Es ist für Frauen nicht erstrebenswert, zu dieser Zeit durch die Knüste zu fahren“, spielt sie auf die übers Land verlaufende Trassierung an. Die Stadt bemüht sich bereits, die Verbindung Unna-Kamen zusätzlich über das neue Radfahrkonzept Kreis Unna zu ertüchtigen.

Kritik auch durch den ADFC

Kritik an der RS1-Planung auch von Heinrich Kissing, der sowohl für die CDU-Fraktion als auch den örtlichen ADFC im Ausschuss sitzt. „Die Entwicklung ist bedauerlich. Straßen NRW wird umdenken müssen, um solche Pläne künftig schneller umzusetzen.“ Auch Ausschussvorsitzender Klaus Kasperidus (SPD) sagte: „Wir sind enttäuscht, dass das so lange dauert.“

Die Planungen für den RS1 befinden sich auf Kamener und Bergkamener Gebiet aktuell noch im ersten Schritt. Ein Baustart wird erst ab 2026 erwartet.

Erster Teilabschnitt war bereits 2015 eröffnet worden

Der erste Teilabschnitt war bereit 2015 eröffnet worden. Bei kompletter Fertigstellung wird der RS1 die Städte im Ruhrgebiet über 101 Kilometer von Duisburg bis Hamm verbinden, so heißt es auf der Website des Regionalverbands Ruhr: „Im Einzugsbereich des RS1 leben 1,65 Millionen Menschen, befinden sich 430.000 Arbeitsplätze und vier Universitäten mit rund 150.000 Studierenden“, heißt es. Bis der RS1 fertig ist, werden wohl viele von ihnen nicht mehr arbeiten oder studieren.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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