„Ich hau dir in die Fresse!“

dzWohl böse Worte auf der Autobahn

Der Lastwagen drückt den Wagen beinahe an die Leitplanke, es folgen wohl böse Worte: Der Vorfall endet vor Gericht, wo der Richter den Lkw-Fahrer im übertragenen Sinne ausbremst.

von Jana Peuckert

Kamen

, 10.10.2018, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

1200 Euro Geldstrafe und einen Monat Fahrverbot. So lautete der Inhalt des Strafbefehls, der einem 43-Jährigen wegen Nötigung und Beleidigung zugegangen war. Der Mann legte Einspruch ein und der Fall landete beim Strafrichter des Amtsgerichts Kamen.

Dort wurden die Ereignisse des 20. März aufgedröselt. An diesem Tag befanden sich der Angeklagte mit einem Sattelschlepper und der Geschädigte mit einem Pkw am Kamener Kreuz. Beide wollten von der A2 auf die A1.

Beim Spurwechsel drückte der Schlepper das Auto beinahe an die Leitplanke. Laut Vorwurf setzte der Sattelzug einfach rüber, machte dann eine Vollbremsung und zwang den Pkw, ebenfalls zu stoppen. Nachdem beide Fahrzeuge, der Pkw auf Höhe des Anhängers zwischen Schlepper und Leitplanke und der Schlepper zwei Spuren blockierend zum Stehen kamen, soll der Angeklagte ausgestiegen sein und dem Geschädigten „Ich hau dir in die Fresse. Wie fährst du eigentlich, du dummes Schwein“ entgegen geschmettert haben.

Er habe in die Rückspiegel geschaut, das Auto aber nicht gesehen. Entsprechend groß sei der Schreck gewesen, als er es bemerkt habe. Aus Reflex habe er eine Vollbremsung vollführt, um einen Unfall zu verhindern. Wäre er weiter gefahren, so der Angeklagte, hätte er den Wagen zwischen Leitplanke und Sattelzug eingeklemmt.

Er sei dann ausgestiegen, und ja, etwas lauter geworden. Zu dem, was er eventuell gesagt hatte, äußerte sich der 43-Jährige nicht.

Der Geschädigte gab an, das Gefühl gehabt zu haben, der Angeklagte habe ihn übersehen. Als sie zum Stehen gekommen seien, habe der Pkw so gestanden, das beide Vordertüren nicht zu öffnen waren. An einer Seite stand der Schlepper so dicht, an der anderen die Leitplanke. Der Angeklagte sei aggressiv auf ihn zugekommen und habe ihn beschimpft. Aufgrund der Lage des Sattelzuges konnten nachfolgende Lkw nicht an ihnen vorbei, einer habe nur knapp vor seinem Wagen abbremsen können.

Nach der Beweisaufnahme machte der Richter keinen Hehl daraus, dass es im Falle einer Verurteilung zu einer Fahrerlaubnissperre von mehreren Monaten kommen könnte. Das brachte den Berufskraftfahrer zum Nachdenken. Schließlich nahm er den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

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