Der Betrieb im Hotel-Restaurant „In der Kaiserau“ ruht derzeit nach Angaben des Eigentümers. Allerdings hat sich der langjährige Koch und Betriebsleiter Jürgen Weber verabschiedet, ohne dass klar ist, wie es weitergeht. © Marcel Drawe
Bekanntes Steakhaus

Hotel-Restaurant „In der Kaiserau“ droht das Aus

Das Hotel-Restaurant „In der Kaiserau“ gilt als gute Adresse für Steaks. Nun ist die Küche kalt – und das nicht nur wegen der Corona-Krise. Dem Betrieb droht das endgültige Aus.

Es brannte ab und wurde wieder aufgebaut: Das Hotel-Restaurant „In der Kaiserau“ in Methler hat viele Täler durchwandert. Die Eigentümer und Pächter der gastronomischen Institution wechselten, ebenso die Firmennamen auf dem Briefkopf. Aber ein Mann war dort seit 1984 stets anzutreffen und führte nicht nur in der Küche die Regie: Jürgen Weber. „Das habe ich aufgebaut, das ist mein Kind“, sagt der 64-Jährige über das Haus.

Weber und Kaiserau – das ist nun Geschichte. Bereits vor rund sechs Wochen hat der langjährige Koch und Manager das Haus verlassen. Es war ein Abschied, der im Schatten des Shutdowns kaum auffiel. Denn seit im November alle Hotels und Gaststätten wegen der Pandemie weitgehend schließen mussten, ruht der Betrieb an der Robert-Koch-Straße. Es gibt auch keinen Abhol- und Lieferservice für die Spezialitäten des Steakhauses.

„Stromabschaltung“ steht auf der Eingangstür des Hotel-Restaurants „In der Kaiserau“. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Die Geschichte, die Webers Abschied vorausgeht, ist genauso verworren wie das Firmengeflecht, das sich durch die jüngere Geschichte des Hauses zieht. Fest steht: Vor fast genau einem Jahr, am 30. April 2020, mitten im ersten Shutdown der Pandemie, eröffnete das Amtsgericht Dortmund das Insolvenzverfahren über die „Gastronomiebetriebe In der Kaiserau GmbH“ von Geschäftsführer Ulf Obereigner. Die Corona-Krise hatte das Lokal voll getroffen, sollte aber noch nicht das endgültige Aus bedeuten. Unter dem neuen Geschäftsführer Daniel Grenz und unter der neuen Betreiberfirma Steakhaus Kaiserau GmbH sollte es weitergehen. Mit dabei: Jürgen Weber.

Stadtwerke hatten den Strom abgestellt

Als dann am 11. Mai der erste Shutdown endete, durften Gaststätten und Hotels wieder öffnen – aber in Kaiserau blieben die Lichter aus. Ende Mai berichtete Weber nach fast zehnwöchiger Schließung, dass Einnahmen in sechsstelliger Höhe fehlen würden. Ein „aktueller Versorgungsengpass aufgrund finanzieller Forderungen“ sorge dafür, dass das Restaurant noch nicht wiedereröffnen könne. Der angebliche Grund: Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) hatten den Strom mit Verweis auf offene Rechnungen abgestellt.

Verspätet aus dem Shutdown gekommen

Die Wiedereröffnung folgte schließlich mit knapp einmonatiger Verspätung am 5. Juni. Es galten die damaligen Corona-Auflagen: Gäste mussten sich namentlich registrieren. Beim Betreten des Lokals waren Schutzmasken zu tragen, die aber am Tisch abgelegt werden konnten. Die Bedienung musste durchgehend eine Maske tragen. Knapp fünf Monate dauerte diese Phase – dann kam zum 1. November der zweite Lockdown für die Gastronomie und versetzte dem krisengeschüttelten Betrieb den nächsten Schlag.

„Vermieter hat von Corona nichts gehört“

Pächter und Vermieter erörterten die Krisensituation, aber Gespräche über eine Reduzierung laufender Kosten sollen keine Einigung gebracht haben. „Wir hätten gerne Kaiserau weitergemacht“, sagt Weber, „aber da ist ein Vermieter, der hat von Corona nichts gehört und meint, es geht normal weiter.“ Weber und Grenz sollen daraufhin die Konsequenzen gezogen und sich verabschiedet haben. Beide sind weiterhin im „Restaurant am Stahlberg“ am Golfclub in Lippetal aktiv, wo sie die Clubgastronomie übernommen hatten. „Team Kaiserau lädt herzlich ein“, heißt es in einem Eintrag auf der Internetseite des Golfclubs.

Wie es mit Hotel und Gaststätte in Kaiserau weitergeht, ist unklar. Die Immobilie mit 14 Hotelzimmern, Gast- und Veranstaltungsräumen ist im Besitz einer Immobiliengesellschaft, die von Dirk Kurhofer aus Ascheberg geleitet wird.

Dort heißt es, dass der Hotel- und Gaststättenbetrieb derzeit wegen des Shutdowns ruht und das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Alles scheint möglich: sowohl eine Wiedereröffnung als auch ein endgültiges Aus für das Traditionslokal an der Robert-Koch-Straße. Über Jürgen Weber heißt es nur, dass der sich „umorientiert“ habe.

Ein Blick durch die Fenster in das Innere des Lokals vermittelt den Eindruck, dass jederzeit ein Wirt kommen könnte, der nur den Zapfhahn herunterzudrehen braucht. Nur ein roter Zettel mit dem Logo der GSW, der Aufschrift „Stromabschaltung“, datiert auf 16. März, stört das Bild einer nur kurzen Abwesenheit des Hausherrn.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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