Der Grundschüler Lucian Conradi (9) teilt sich im Homeschooling ein Arbeitszimmer mit seiner Mutter Rebecca Harmuth, die im Homeoffice arbeitet. © Stefan Milk
Lockdown

Homeschooling: Wie gut kommen Kinder mit der Technik klar?

Das Homeschooling wird für viele Familien zur Herausforderung. Vieles will unter einen Hut gebracht werden, was an den Nerven nagt. Aber wie klappt‘s bei den Jüngeren eigentlich mit der Technik?

Videokonferenzen mit der Lehrerin laufen über die Plattform „Jitsi“, dann gibt es da noch die digitale Pinnwand „Padlet“, auf der Lehrer, aber auch Eltern etwas posten können. Hinzu kommen ausgedruckte Arbeitsblätter für die Schüler und der elterliche Austausch über Whats App. Ganz schöne viele Medien, die es jetzt für Eltern wie Rebecca Harmuth und ihren Sohn Lucian zu überschauen gilt.

Lucian bewältigt seine Schulaufgaben während des Lockdowns im Homeschooling – wie die meisten anderen Kinder auch. Der Neunjährige arbeitet digital, zusätzlich hat er für drei Wochen ausgedruckte Aufgaben von der Grundschule bekommen, erklärt seine Mutter. Von dem vielen Papier sollten sich die Kinder nicht erschlagen lassen, habe man ihr gesagt.

Nach ihrem Geschmack ist das trotzdem etwas viel auf einmal. Die 36-Jährige hätte es schöner gefunden, wenn die Aufgaben wochenweise verteilt und eingesammelt würden. Dann gebe es schneller Feedback und „dann wäre es auch für die Lehrer nicht auf einmal so eine Wucht.“

Die Kommunikation ist deutlich besser als im ersten Lockdown

Insgesamt ist sie aber zufrieden damit, wie das Homeschooling im zweiten Lockdown organisiert wird. Im Frühjahr vergangenen Jahres habe es nur Aufgaben und dazu die E-Mail-Adresse der Lehrerin gegeben – eine direkte Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern gab es nicht. „Jetzt ist es besser. Jeden Morgen sehen sich die Kinder und Lehrer in einer Videokonferenz. Das ist eine echte Verbesserung“, findet Harmuth.

Und doch sei das Potenzial für Optimierungen sicherlich noch groß. Der Umwelt zuliebe könnte noch mehr digital laufen, auch könne man die Plattformen, mit denen gearbeitet wird, noch optimieren. Ähnlich sieht das Eva Ludwiczak, die gerade zwei Kinder (6 und 11) im Homeschooling zu Hause hat. Derzeit sei das eher Lernen auf Distanz und kein Distanzunterricht, bei dem die Kinder besser betreut werden.

Eva Ludwiczak unterstützt ihren Sohn Jaron im Homeschooling. Technisch kommt er mit dem digitalen Unterricht gut zurecht. © privat © privat

Wie Harmuth, glaubt auch Ludwiczak, dass technisch noch einiges möglich wäre. Womit es in beiden Haushalten gar keine Probleme gibt, ist der Umgang mit den digitalen Medien. „Er hatte schneller raus, wie man Emojis an alle versendet, als ich“, sagt Ludwiczak über ihren sechsjährigen Sohn Jaron. Kinder gingen offener mit Technik um, weil sie keine Angst hätten zu scheitern.

Bei Lucian ist das ähnlich. „Mit der Technik kommt er zum Glück gut klar“, sagt seine Mutter, die bei der Auswahl der weiterführenden Schule auch darauf achtet, dass es Angebote gibt, bei denen das digitale Knowhow der Kinder gefördert wird.

Technik im Homeschooling ist verbesserungswürdig

Doch so gut wie es mit der Technik auch klappen mag: Unterstützung brauchen die Kinder im Homeschooling dennoch und dass sie zurzeit zu Hause lernen, ist für Eltern, die selber im Homeoffice arbeiten eine zusätzliche Belastung. Sowohl im Hause Ludwiczak, als auch bei Pia Harmuth.

Sie hat zu Hause ein Arbeitszimmer eingerichtet, in dem sie und ihr Sohn getrennte Schreibtische haben. Harmuth steht zurzeit extra früher auf, damit sie einen Teil ihrer Arbeit morgens erledigen kann, bevor Lucians Schultag zu Hause startet. Dann heißt es Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut bringen.

Lucian Conradi (9) lernt zurzeit von zu Hause aus – und das mit verschiedenen Computerprogrammen. Aber auch ausgedruckte Arbeitsblätter hat er bekommen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Was den Alltag zurzeit ebenfalls erschwert – und so geht es wohl gerade allen Familien – sind die begrenzten Beschäftigungsmöglichkeiten. Denn auch wenn das Homeschooling einigermaßen gut funktioniert, danach hat Lucians Tag immer noch viele Stunden, die gefüllt werden wollen – während Harmuth weiter im Homeoffice arbeitet.

„Du musst jetzt schneller groß werden, als dir lieb ist“, habe sie ihrem Sohn gesagt, der sich jetzt viel alleine beschäftigen muss. „Ich hoffe, dass es zum Sommer besser wird, wenn de Einschulung und die Verabschiedung anstehen“, sagt Harmuth. Und mit dieser Hoffnung ist sie nicht alleine.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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