Whatsapp, E-Mail, Facetime. Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Schüler in Zeiten von Corona ihre Aufgaben gestellt bekommen. Es funktioniert: Einige Lehrer machen sogar Videochats mit ihrem Kurs.

von Jana Bornemann

Kamen

, 05.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seitdem das Coronavirus grassiert, sind die Schulen geschlossen. Doch was tun, wenn man auf den Unterricht angewiesen ist, um die schulischen Ziele zu erreichen und den Abschluss zu schaffen? Es geht vor allem über Whatsapp, E-Mail, Facetime. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Schüler aus Kamener Schulen jetzt ihre Aufgaben gestellt bekommen. Einige Lehrer machen sogar Videochats mit ihrem Kurs!

Weniger Ablenkung, aber auch Enge im Homeoffice

Die Jugendlichen sind in dieser Zeit auf sich allein gestellt, dennoch erleben alle diese Situation anders. Viele können sich zuhause besser konzentrieren als in der Schule, heißt es, wenn man sich in den Chat einschaltet.

„Hier hat man keine Ablenkungen wie zum Beispiel Mitschüler, die reden und einen stören“, äußert Sina. Lina wiederum findet das „Home-Schooling“ nicht so entspannt. Ihre Konzentration leidet, weil sie sich mit ihren Eltern, die im Moment auch Homeoffice machen, ein Büro teilen muss.

Jessica sieht es als eine Chance. „Es ist eine Möglichkeit sich auf die Universität vorzubereiten, da man dort ja auch meistens auf sich alleine gestellt ist“, teilt sie mit. Sophie sieht den Online-Unterricht ebenfalls als Chance. Sie kann ihre Noten verbessern, da ihre mündliche Mitarbeit in der Schule nicht ganz so gut ist.

Ein Schüler der achten Klasse tippt auf einem iPad. Nach der Schließung der Schulen wegen des Coronavirus gibt es Fernunterricht über Online-Plattformen und Handy-Apps. Dabei gab es zufriedene Kommentare, aber auch Kritik an mangelnder Ausstattung und den Vorwurf ungleicher Lernbedingungen für die Schüler.

Ein Schüler der achten Klasse tippt auf einem iPad. Nach der Schließung der Schulen wegen des Coronavirus gibt es Fernunterricht über Online-Plattformen und Handy-Apps. Dabei gab es zufriedene Kommentare, aber auch Kritik an mangelnder Ausstattung und den Vorwurf ungleicher Lernbedingungen für die Schüler. © dpa

Vorteil: Schüler können im eigenen Tempo arbeiten

Die Zeiteinteilung nehmen die Kamener Schüler selber vor. Die Aufgaben müssen nur zum Abgabetermin fertig sein. Denn wie der Unterricht auch, werden die Aufgaben bewertet. Wenn man dem Lehrer keine bearbeiteten Aufgaben zuschickt, so wird das negativ beurteilt.

Die meisten Schüler schlafen länger als normal, heißt es in den Chats, dafür muss man teilweise aber bis spät in die Nacht arbeiten, um alle Aufgaben zu bearbeiten. Sophie gefällt, dass sie nicht innerhalb von 45 Minuten Ergebnisse erzielen muss. Sie habe dadurch die Möglichkeit in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten.

Clara empfindet das selbständige Arbeiten als intensiver, denn, da man keinen Lehrer hat der einem etwas erklären kann, beschäftigt man sich ganz automatisch viel intensiver mit dem Material.

Unterrichtsstoff digital vermittelt. Die Corona-Krise hat den digitalen Fortschritt an den Schulen deutlich beschleunigt.

Unterrichtsstoff digital vermittelt. Die Corona-Krise hat den digitalen Fortschritt an den Schulen deutlich beschleunigt. © Stefan Milk

Selbst entscheiden, wann man sich besser konzentrieren kann

Clara teilt sich ihre Zeit nach Gefühl ein. „Wir können selber entscheiden, zu welcher Zeit wir uns am besten konzentrieren können und worauf wir am meisten Spaß haben“, so Clara. Dies fördere die Selbständigkeit der Schüler.

Amelie macht bis 14 Uhr alles für die Schule und danach alles andere. Sie findet den Ausgleich wichtig. Amelie schläft nicht länger als normal, da sie bei ihren Großeltern wohnt. Für diese muss sie einkaufen gehen und ihnen helfen, gerade in dieser Situation sind sie noch mehr auf ihre Hilfe angewiesen.

Auch die Lehrkräfte müssen sich ihre Zeit komplett neu einteilen. ,Unterrichtsstunden waren vorausgeplant, diese müssen nun aber umstrukturiert werden. Die geplanten Aufgaben für die Stunde wären ohne Erklärungen und Hilfestellungen zu komplex zu erarbeiten.

Die große Frage der Schüler ist: Schaffe ich alles?

So individuell wie die Lehrer sind, genau so individuell ist der Umfang der Aufgaben. Die einen Lehrer schicken ihren Kursen wöchentlich Aufgaben, die anderen stellen ihren Schülern einmal Aufgaben, dafür für drei Wochen. Die Menge, so urteilen die meisten Schüler, sei in Ordnung, aber das Erarbeiten teilweise echt eine Herausforderung – dadurch würden die Aufgaben als „unendlich viel“ erscheinen.

Die Schüler stehen dennoch nicht allein da. „Wir können uns jederzeit bei den Lehrern melden, wenn Fragen aufkommen“, so Sophie. Die Kommunikation und die Zusammenarbeit mit dem Lehrern spiele in dieser Situation eine große Rolle.

Kontaktaufnahme ist weitaus schwieriger

Auch wenn die Kontaktaufnahme weitaus schwieriger ist, als wenn man im Unterricht einfach einen Lehrer ansprechen kann, funktioniert es offenbar relativ gut, auch wenn Erklärungen über E-Mail nicht das Gleiche sind wie direkter Unterricht: Sina hat Mathematik als Leistungskurs. Vor allem in diesem Kurs sieht sie es als Herausforderung, sich das Thema allein zu erarbeiten.

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Doch nicht nur für die Schüler ist die neue Situation eine Herausforderung, auch den Lehrern fehlt der direkte Kontakt zu den Schülern, wie sie im Chat zugeben. Sie könnten zudem nicht so gut einschätzen, ob der Umfang der Aufgaben angemessen ist, weil sie die Schüler nicht im Unterricht sehen und nicht wissen, wie viele Aufgaben die Jugendlichen von den anderen Lehrern bekommen. Viele Lehrer versuchen daher ihren Schülern mit Erklär-Videos zu helfen und sie zu unterstützen.

Herausforderung Abitur: Wie ist es zu schaffen?

Wie die Abiturprüfungen stattfinden werden, das steht in allen Einzelheiten noch nicht fest. Amelie will dieses Jahr ihr Abi bauen. Ihr fehlt allerdings ein gutes Stück an Vorbereitungszeit, klagt sie. „Durch den Ausfall können schwierige Themen nicht mehr wiederholt werden.“ Dadurch, dass der Abiturjahrgang etwa sechs Wochen weniger Unterricht gehabt hätte als die übrigen Jahrgänge, fehlt ihnen Zeit für die Abitur-Vorbereitung – eigenständig und ohne intensive Hilfe durch die Lehrer.

Auch die sogenannte Drittfachwoche, in der man sich intensiv mit seinem dritten Abiturfach beschäftigt, wurde nun notgedrungen verschoben. Zusammengefasst fühlte sich Amelie ein wenig unsicher, da es „vor allem in den höheren Jahrgängen immer mal Fragen gibt, die einfach zu komplex sind, als dass man sie per E-Mail stellen kann.“

Der Unterricht der Zukunft? Sieht der auch so aus?

Die Welt soll immer digitaler werden, und so werden bald viele Kinder wohl auch zusätzlich online lernen. Ob es in Zukunft noch eine Schule geben wird, wie wir sie kennen? So eine Art von Lernen kennt man bereits aus Fernstudiengängen und aus Ländern wie zum Beispiel Australien. Dort sind die Schulen teilweise zu weit entfernt, um täglich dort hin zu fahren.

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Die meisten Schüler können sich solch einen Unterricht für die Zukunft nicht vorstellen. „So eine Art von Unterricht ist in Ordnung, aber keineswegs eine Dauerlösung“, so Amelie. Ihr fehle diese soziale Komponente, dieses Miteinander welches nur in der Schule gewährleistet ist. Auch Lina und Clara können sich den Online-Unterricht nicht für immer vorstellen. Lina ist der Meinung, dass sie in der Schule produktiver arbeiten könne als zuhause.

Es bleibt nun abzuwarten, was die digitale Zukunft bringen wird und wie die nächsten Generationen lernen werden. Zunächst ist jetzt die Hoffnung da, dass die Schulen bald wieder öffnen und die Schüler wieder in ihrem gewohnten Umfeld lernen können.

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