Holzwurm im Schiefen Turm: Kampf gegen Schädling abgeschlossen

dzKamener Wahrzeichen

Der Schiefe Turm, Kamens Wahrzeichen, ist bis in die Kirchturmspitze vom Holzwurm befallen. Nun ist die Bekämpfung des Plagegeists abgeschlossen. Der lästige Nagekäfer heißt Totenuhr.

Kamen

, 02.03.2020, 11:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Schiefe Turm der Pauluskirche ist bis in die Spitze vom Holzwurm befallen. Dabei handelt es sich vermutlich um den Gescheckten Nagekäfer, wie Max Pasalk, Baukirchmeister der Evangelischen Kirchengemeinde Kamen, auf Anfrage der Redaktion informiert.

„Der Käfer wird im Volksmund auch als ‚Totenuhr‘ bezeichnet“, sagt er. Für den Schiefen Turm hat allerdings das letzte Stündlein noch nicht geschlagen. „Der Schaden ist nicht groß – es muss nicht mal ein Balken ausgetauscht werden.“

Der Blick hinauf bis in die obersten Winkel des Schiefen Turms. Das Holzgebälk mit seinen verwirrenden Verstrebungen und unorthodoxen Anordnungen stützt die 32 Tonnen schwere Verkleidung aus Blei. Schwankende Leitern führen über mehrere Ebenen nach oben. Doch da dürfen die Besucher des Schiefen Turms, die an gelegentlichen Turmführungen teilnehmen, nicht hinauf. Der Turm ist jetzt aufgeheizt worden, um den Holzwurm zu vernichten.

Der Blick hinauf bis in die obersten Winkel des Schiefen Turms. Das Holzgebälk mit seinen verwirrenden Verstrebungen und unorthodoxen Anordnungen stützt die 32 Tonnen schwere Verkleidung aus Blei. Schwankende Leitern führen über mehrere Ebenen nach oben. Doch da dürfen die Besucher des Schiefen Turms, die an gelegentlichen Turmführungen teilnehmen, nicht hinauf. Der Turm ist jetzt aufgeheizt worden, um den Holzwurm zu vernichten. © Sarad

„Totenuhr“ oder „Bunter Pochkäfer“

Die Spezialisten der Schädlingsbekämpfungsfirma „IRT“ aus Lippstadt haben ihre Arbeit in dem Turm jetzt abgeschlossen. Etwa zwei Wochen lang waren sie vor Ort, um dem 60 Meter hohen Turm einer thermischen Behandlung zu unterziehen. Der Turm wurde in dieser Zeit hermetisch abgeriegelt. „Deshalb können wird dort jetzt nicht hineingehen“, so Pasalk bei einem Ortstermin mit unserer Redaktion. „Die Balken müssen jetzt noch richtig austrocknen.“

Das ist wichtig, damit keine Larve des Nagekäfers überleben kann. Dieser trägt im Übrigen noch einen weiteren Namen: Er wird nicht nur als „Totenuhr“ bezeichnet, sondern auch als „Bunter Pochkäfer“.

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Plötzlich rieselte Mehl

Holzwurm

Der Gescheckte Nagekäfer

  • Der Gescheckte Nagekäfer oder Bunte Pochkäfer (Xestobium rufovillosum) gehört zur Familie der Nagekäfer (Ptinidae).
  • Er wird im Volksmund auch Totenuhr genannt, weil während der Paarungszeit das Männchen mit seinem Kopf auf das Holz schlägt, um Weibchen anzulocken.
  • Nach altem Volksglauben verband man dieses Klopfen mit dem Sterben der Personen, die sich in einem Zimmer aufgehalten haben, die von diesen Käfern befallen waren. Man sprach daher von der Totenuhr.
  • Die Käfer werden fünf bis sieben Millimeter lang. Sie sind somit die größte in Mitteleuropa heimische Art der Nagekäfer (Ptidinidae, früher Anobiidae) und hier deren häufigste Vertreter.
  • Ihr Körper ist dunkelbraun und hat gelbgraue Haarflecken am Körper verteilt. Diese haben ihm auch Namenszusätze wie „bunt“ oder „scheckig“ verliehen. Die Käfer sitzen gerne auf Blüten.

Aufgefallen waren die Holzwurm-Schäden bei der jährlichen Gebäudebesichtigung. „Dabei ist frisches Mehl entdeckt worden, das aus den Balken gerieselt war“, schildert Pasalk. Die Kirchengemeinde habe dann einen Gutachter beauftragt, der ein genaueres Bild des Befalls erstellte. Woher der Holzwurm in dem über 800 Jahre alten Gebälk gekommen ist, steht nicht sicher fest. „Die Vermutung ist aber, dass er über neueres Holz, das im Turm verbaut wurde, eingeschleppt worden ist“, so Pasalk.

Wichtigste Erkenntnis: Das Kirchenschiff, das ein eigener Baukörper ist, wurde nicht vom Nagekäfer befallen: Die wertvolle Holzdecke aus dem Jahr 1897 gilt als handwerklicher Schatz. „Das Kirchenschiff ist sauber“, sagt Pasalk in Bezug auf den Holzwurm.

Ziel ist die hundertprozentige Abtötung der Schadinsekten

Ziel der Holzschädlingsbekämpfung, so die Spezialisten aus Lippstadt, sei die „hundertprozentige Abtötung aller Schadinsekten in jedem Entwicklungsstadium“. Die thermische Holzwurmbekämpfung sei äußerst schonend, ökologisch unbedenklich und hinterlasse keine Schäden am Bauwerk.

Dabei werden die Objekte bis auf 52 bis 55 Grad erhitzt, was zu einem Zerfall der tierischen Eiweiße führe.

Dies findet Anwendung nicht nur in Kirchen, sondern auch bei historischem Mobiliar und Museumsgut. Entscheidend für eine erfolgreiche, schonende Holzschädlingsbekämpfung sei die exakte Regelung der relativen Feuchte und eine nur schrittweise Temperaturerhöhung.

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Ebenfalls der Holzwurm: Grundlegende Sanierung ab 1978

Schon einmal musste sich die Kirchengemeinde mit dem Holzwurm beschäftigten, als eine grundlegende Sanierung der Kirche ab 1978 erfolgte. Als man die vom Käfer befallenen Kirchenbänke entfernte, entdeckte man auch Schäden an Emporsäulen, die damals durch Stahlstützen ersetzt wurden und in Absprache mit dem Denkmalamt historisch maßgenau nachgebildet wurden.

Ersetzt werden muss aktuell offenbar nichts. „Wir müssen jetzt abwarten, ob die Behandlung Erfolg gehabt hat“, so Pasalk. Einige Wochen werde es wohl dauern, bis man Gewissheit habe.

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