Corona-Schnelltests im Vereinsheim des RV Wanderlust: Der seit mehreren Wochen ehrenamtlich testende Verein hat schon einige Erfahrungen bei den Tests gesammelt. © Marcel Drawe
Schnelltests in Kamen

Hochinfektiös, aber ohne Symptome: Überraschung beim Schnelltest

Handfeste Erkenntnisse beim Schnelltesten vor Ort: Eine Frau ohne Symptome ist infektiöser als der fiebernde Ehemann. Der RV Wanderlust geht mit einem Fall an die Öffentlichkeit.

„Ich habe doch gar keine Symptome. Warum soll ich mich testen lassen?“ Eine Frage, die die Helfer an Kamens ungewöhnlichstem Schnelltestzentrum, dem Vereinsheim des RV Wanderlust, immer wieder aufschnappen. Dass es sich bei dieser Aussage um einen gefährlichen Trugschluss handelt, sollte eigentlich landläufig bekannt sein. Ist es aber nicht.

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vom RV Wanderlust und Schützenverein Methler nennen deswegen ein handfestes Beispiel, mit dem sie vor Fehleinschätzungen warnen. Mit diesem Fall gehen sie jetzt an die Öffentlichkeit.

Corona-Schnelltests beim RV Wanderlust Methler. Manfred Chytralla tröpfelt die Testlösung auf das Auswerte-Set.
Corona-Schnelltests beim RV Wanderlust Methler. Manfred Chytralla tröpfelt die Testlösung auf das Auswerte-Set. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Frau ohne Symptome infektiöser als der Ehemann

Weit über 1000 Schnelltests und schon fünf festgestellte Positiv-Fälle. Kamens Schnelltest-Standort an der Otto-Prein-Straße ist einer der ersten, der in Kamen Testungen anbot. Und so gibt es schon einen großen Fundus an Erfahrungen, die Organisator Manfred Chytralla gesammelt hat.

Er schildert folgenden Fall: Über eine Besucherin, die keinerlei Beschwerden hatte, aber doch sehr infektiös war. Sogar deutlich infektiöser als der Ehemann, der mit hohem Fieber das Bett hütete. „Eine Erkenntnis, die für alle, die hier arbeiten, beeindruckend war“, so Chytralla.

Mit über 39 Grad im Bett gelegen

Nach dem positiven Schnelltest in Methler fiel auch der PCR-Test der Frau positiv aus. Obwohl sie sagte, dass sie keinerlei Beschwerden hat. Der gleichfalls per PCR-Test positiv getestete Ehemann hatte da schon einige Tage lang mit einer Temperatur von über 39 Grad im Bett gelegen.

Chytralla: „Überraschend war, dass der C-Wert, der als Indikator für das Ansteckungsrisiko im positiven PCR-Test ermittelt wird, bei der 52-jährigen symptom- und beschwerdefreien Dame ein höheres Infektionsrisiko auswies, als bei ihrem fiebernden, niedergeschlagenen und bettlägerigen Ehegatten.“

Positive Schnelltests erwiesen sich als richtig

Die Quintessenz, so Chytralla: „Wenn diese Frau also nicht in Quarantäne geschickt worden wäre, hätte sie unwissentlich andere anstecken können.“ Und diese angesteckten Personen hätten einen durchaus schweren Verlauf der Erkrankung haben können. „Darüber hinaus wäre das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung der Kontakte vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt worden, weil sich die infizierte Person an keine andere erinnern hätte können, die mit dem Virus infiziert war“, sagt er.

Bei den bisher fünf in Methler festgestellten Positivfällen ergab auch der folgende PCR-Test eine Corona-Ansteckung. Die Treffer-Quote von Schnelltests allgemein ist bekanntlich nicht immer hundertprozentig.

Gewichtsverlust von sieben Kilogramm

Eine weitere positiv getestete Person berichtete über einen Gewichtsverlust von sieben Kilogramm innerhalb der Quarantänezeit. Eine andere über das bekannte Phänomen des Geruchs- bzw. Geschmacksverlust – bis auf Salz.

Besonders bei älteren Mitmenschen kommt das Angebot an, sich auch ohne Termin testen zu lassen, denn eine Online-Anmeldung ist nicht jedermanns Sache. Es werden genügend Testkapazitäten vorgehalten.

  • Das Schnell-Testzentrum an der Otto-Prein-Straße 29 öffnet montags bis freitags täglich von 17 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Das Testergebnis kann nach ca. 15 Minuten mitgenommen werden und hat eine Gültigkeit von 24 Stunden. Diejenigen mit Termin können sich ihr Ergebnis ohne Wartezeit per E-Mail zuschicken lassen.
Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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