Hobbygärtner verunsichert: Erste Reaktionen auf Biotonnen-Pflicht

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Rund 2700 Haushalte in Kamen haben die Ankündigung bekommen, dass sie eine Biotonne erhalten. Wer bislang bloß einen Komposthaufen befüllt, fragt sich jetzt, wie er vorgehen muss, wenn er keine grüne Tonne haben will.

Kamen

, 11.11.2019, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Garten von Stefan N.* in Heeren-Werve landet regelmäßig diverses Grünzeug auf dem Komposthaufen. „Gemüsereste, Obst, Laub, etwas Rasenschnitt“, zählt der 66-Jährige auf. Der Komposthaufen liefert ihm ein frische Bodenmischung für seine Hochbeete und Dünger für seinen Garten. Dadurch spart sich der Hobbygärtner eine kostenpflichtige Biotonne.

Biotonne ab 59 Euro pro Jahr

Ob er auch künftig noch auf die grüne Tonne verzichten kann, die mindestens 59 Euro jährlich kostet, steht jetzt infrage. Der Heerener hat ein Schreiben aus dem Rathaus erhalten – so wie insgesamt 2700 Haushalte in Kamen, die bislang keine Biotonne besitzen. Die Empfänger der Rundschreiben werden von der Stadtverwaltung und der Entsorgungsfirma GWA aufgefordert, eine Biotonne zu beantragen. Alternativ sollen sie „eine qualifizierte und fachgerechte Eigenkompostierung“ nachweisen. Der Hintergrund: Stadt und GWA wollen mehr Biotonnen in Umlauf bringen, weil zu viel „Störmaterial“ in den schwarzen Restmülltonnen landet. Das verursacht höhere Entsorgungskosten als nötig und gilt als ökologisch unsinnig.

Das passiert, wenn man nicht auf das Schreiben reagiert

Wenn Stefan N. weiterhin auf eine Biotonne verzichten will, zum Beispiel aus Platzgründen, muss er die Verfasser des Schreibens erstens überzeugen, dass er kein sogenannter Alibikompostierer ist, und zweitens die „Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang an die Biotonne“ beantragen. Dazu ist ein telefonisches Beratungsgespräch mit der GWA-Abfallberatung in Unna vorgesehen. N. muss dabei glaubhaft versichern, dass er die Regeln fürs Kompostieren beherzigt, dann bekommt er die Antragsunterlagen zugeschickt. Wenn er nicht auf das Schreiben reagiert, bekommt er ein zweites. Reagiert er dann immer noch nicht, bekommt er spätestens im März 2020 eine Biotonne geliefert.

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Fachgerechte Kompostierung nachzuweisen

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Biotonne kostet 2,27 Euro pro Leerung

  • Die Biotonne gibt es in Kamen wahlweise als 40-Liter-Tonne für 59 Euro jährlich und als 140-Liter-Tonne für 104 Euro jährlich. Das bedeutet für die 40-Liter-Variante umgerechnet eine Gebühr von 2,27 Euro pro Leerung (bei 26 Leerungen im Jahr). Die Müllabfuhr kommt 14-täglich.
  • Was in welche Tonne kommt, erklärt die Entsorgungsfirma GWA auf ihrer Internetseite gwa-online.de. Grundsätzlich gilt: In die Biotonne dürfen nur kompostierfähige Garten- und Küchenabfälle.
  • Eine Beratung über eine Befreiung von der Biotonnen-Pflicht gibt es bei der GWA in Unna unter Tel. 02303/284-250. Dort kann auch eine Biotonne beantragt werden. Es ist möglich, sich mit dem Nachbarn eine Biotonne zu teilen.

Gemessen an den strengen Maßstäben, die die Stadt und die GWA unter Verweis auf die Gesetzeslage zur Abfalltrennung anlegen, ist es für einen typischen Haushalt kaum möglich oder nur sehr schwer, eine sortenreine und fachgerechte Eigenkompostierung zu betreiben. Damit dürfte aber auch der Nachweis schwerfallen, die für eine Befreiung von der Biotonnen-Pflicht erforderlich ist. Zum Beispiel beim Umgang mit nicht-pflanzlichen Küchenabfällen wie Fleisch-, Wurst-, Fischresten und Knochen: Diese gehören zwar auf den Kompost, aber praktisch ist es schwierig, diese Abfälle so abzulegen, dass es keine hygienischen Probleme gibt. In die Restmülltonne dürfen die Essenreste nicht, sondern sie gehören in die Biotonne.

Stefan N. fragt sich: „Wenn ich einmal im Jahr einen Knochen in die Tonne werfe, brauche ich dann schon eine Biotonne?“

Kontrollen durch Müllabfuhr nicht ausgeschlossen

Die richtige Antwort lautet: Ja. Praktisch dürfte in dem vorgesehenen Beratungsgespräch jedoch gelten: Wer die Berater viel fragt, bekommt viele Antworten. Wer aber seine Fähigkeiten als Eigenkompostierer plausibel darstellen kann, wird wahrscheinlich um die Biotonne herumkommen. Allerdings sind spätere Kontrollen nicht ausgeschlossen. Schon vor einiger Zeit waren GWA-Mitarbeiter als sogenannte Müllpolizei in Kamen unterwegs, um die korrekte Befüllung der Biotonnen zu überprüfen. Beim nächsten Mal könnte dann die Restmülltonne und der Komposthaufen ins Visier genommen werden.

180 Anrufe registierte die GWA bis Montag beim Beratungstelefon. Ein Sprecher ließ offen, wie viele Anrufer nun Antragsunterlagen für eine Befreiung zugeschickt bekommen. Die Entsorgungsfirma will auch überzeugte Eigenkompostierer von den Vorteilen einer Biotonne überzeugen. Die grüne Tonne und die Eigenkompostierung sollten sich ergänzen, nicht gegenseitig ersetzen. „Im Sinne der Umwelt, der Gebührengerechtigkeit und der gesetzlichen Vorgaben“, heißt es.

*Name geändert

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