Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

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Seit zwei Jahren sind Jörg Bode und Verena Michelt Hobby-Falkner. In ihrem Garten in Kamen-Methler trainieren sie mit Habicht und Sperlingskauz. Die Greifvögel bringen ihren Menschen jede Menge Natur bei.

Kamen-Methler

, 16.08.2019, 14:49 Uhr / Lesedauer: 4 min
Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

Jörg Bode ist Hobby-Falkner. Hier ist er gerade auf Tuchfühlung mit dem Brasilanischen Sperlingskauz Pixie. Die Eulendame ist übrigens mit ihren vier Monaten schon voll ausgewachsen. Sperlingskäuze gehören zu den kleinsten Eulenarten der Welt. © Stefan Milk

Bakuto ist gerade nicht so gut drauf. Der junge Habicht macht zurzeit die Endphase der Mauser durch. Er ist satt. Und will am liebsten in Ruhe in seiner Voliere in Bodes Garten sitzen. Jörg Bode ist gut beraten, diesen Wunsch zu respektieren.

Nicht, dass der Vogel aggressiv würde oder so. Aber das Punktekonto, das Jörg Bode bei Bakuto durch positive Erlebnisse füllt, sollte niemals ins Minus rutschen. „Das könnte unsere Beziehung zerstören. Aber ich habe glücklicherweise viel Haben“, lacht Jörg Bode. Heute aber wird abgebucht beim Versuch, Bakuto für die Kamera zu Späßchen zu animieren. „Das wird auch noch eine Weile nachhängen“, weiß der junge Falkner.

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Hobbyfalkner Jörg Bode

Keine Greifvogel-Romantik oder Haustierhaltung

Einen Greifvogel zu halten, das wird schnell klar, hat wenig zu tun mit Flugshows von Tierparks und noch weniger mit Greifvogel-Romantik oder Haustierhaltung. Daran lässt Jörg Bode keinen Zweifel: „Es ist eine Zweckgemeinschaft. Als Mensch bist du Dienstleister des Vogels“, erklärt der 36-Jährige. Auch wenn es gerade so ganz anders aussieht, als der brasilianische Sperlingskauz Pixie fiepend auf Bodes Hand sitzt und ihm schnäbelnd Küsschen gibt – der Mensch ist kein Freund, sondern Nutzbringer: Sicherheit, Futter, Medizin.

Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

Habicht Bakuto in seiner ganzen Pracht. Der Blick lässt jedoch ahnen, dass er sich gerade am Ende der Mauser befindet, satt ist und eigentlich lieber seine Ruhe hätte. © Stefan Milk

Umgang mit den wilden Vögeln bringt Natur wieder näher

Bode liegt viel daran, mit Missverständnissen rund um Falknerei und Jagd aufzuräumen. „Die Faszination Greifvogel“ will er vielmehr nutzen, den Menschen, die ihm und seinen Vögeln begegnen, eine natürlichere Sicht auf die Dinge aufzuzeigen. „Weil die Tiere der Natur so nah sind, bekommt man durch sie auch mehr Nähe zu den natürlichen Prozessen“, spricht der Falkner von einer verkopften Gesellschaft, in der zum Beispiel das Fleisch aus dem Supermarkt ein Bio-Siegel trägt – Wild direkt aus dem Wald aber niemals „Bio“ sein kann. „Verrückt, oder?“, fragt er achselzuckend.

Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

Verena Michelt mit Habicht Bakuto, als dieser noch ganz jung war. Die 31-Jährige hat sich mit der Falknerei einen Jugendtraum erfüllt. © Privat

Jäger- und Falknerschein sind Grundvoraussetzung

Auf den Greifvogel ist Jörg Bode durch seine Partnerin Verena Michelt gekommen. Der Jugendtraum der 31-Jährigen war die Falknerei. „Vor dreieinhalb Jahren haben wir dann angefangen, uns auf den Weg zu machen“, erinnert sich Jörg Bode an den mühsamen Weg zum Falknerschein.

Denn ohne den geht es nicht, darf man gar keinen Greifvogel halten. Und ohne Jagdschein keinen Falknerschein. Also machten sich Jörg Bode und seine Partnerin ans Lernen. Ein Jahr lang für die Jägerprüfung, dann noch einmal drei Monate für die Falknerprüfung. „Ein strammes Programm“, erinnert sich der IT-Administrator. Er arbeitet Vollzeit. Seine Partnerin als Heilerziehungspflegerin ebenfalls.

Trotzdem nahmen sie die Mühe auf sich.

Und wurden belohnt. Zunächst mit bestandenen Prüfungen und dann mit dem ersten eigenen Vogel, als sie 2017 von einem Züchter aus Bocholt Habicht Bakuto zu sich holten.

Unterbringung und Haltung stark reglementiert

„Was viele gar nicht wissen, ist, dass man vorher einen nicht unerheblichen Aufwand betreiben muss“, klärt der junge Falkner auf. Denn Training und Jagd dürfen nicht einfach so praktiziert werden. Auch Haltung und Unterbringung seien stark reglementiert. So haben er und Verena Michelt die beiden Volieren für Bakuto und Pixie in ihrem Garten nach Gutachter-Vorgaben gebaut. Und eines sollte man gleich wissen: Die Urlaube werden sich vom Sommer in die Herbstmonate verlagern - dann ist die Mauser vorbei. Und auch in Länder, die die Haltung von Greifvögeln erlauben. Jedenfalls dann, wenn man keinen anderen Falkner seine Vögel zur Pflege geben kann oder will. Auswahl gibt es nicht so viel im Kreis Unna. Eine Handvoll Adressen nur, sagt Bode.

Immer auf der Suche nach Jagdflächen

„Und ganz wichtig: Bevor man sich einen Vogel zulegt, braucht man Jagdflächen“, weiß Bode aus leidiger Erfahrung, dass diese gar nicht so einfach zu bekommen sind. Damit ein Greifvogel gut ausgebildet werden kann, bedürfe es vieler unterschiedlicher Orte und Situationen. Und das könne nicht allein im eigenen Revier oder dem heimischen Garten erfolgen. „Daher ist ein Falkner immer auf der Suche nach Flächen“, sagt Bode. Er und seine Partnerin haben Glück. Ein Landwirt in Methler lässt sie und die Vögel auf etwa 250 Hektar seines Landes jagen. „Aber wir fahren teils auch hunderte Kilometer, um Jagdeinladungen anzunehmen“, berichtet Jörg Bode.

Die Krähen im heimischen Revier kennen schon Bodes Kennzeichen

Was er auf den 250 Hektar großen Land in Methler jagt? „Krähen“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Die sind schlau. Man hat das Gefühl, die kennen schon das Kennzeichen des Autos. Oder vielleicht das Motorengeräusch.“ Jedenfalls machen sie sich schnell aus dem Staub, wenn Bode und Bakuto anrücken.

Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

Hund Loki darf nicht fehlen, wenn Jörg Bode mit seinem Habicht unterwegs ist. Hier präsentieren die beiden die vielen Utensilien, die ein Falkner für das Training mit den Greifvögeln braucht. © Stefan Milk

Hund Loki ist dann meist auch mit von der Partie – wenngleich hierbei eher als Zuschauer. Der Jagdhund kommt ins Spiel, wenn Beute am Boden aufgescheucht werden muss – Kaninchen zum Beispiel. Dann arbeiten Hund, Mensch und Vogel zusammen.

Bei der Jagd den Tod mit Ehrfurcht begegnen

Die Jagd gehört eben zur Falknerei dazu. Nicht nur mit dem Vogel. Jörg Bode schießt auch Futter für seine Vögel und Wild für den eigenen Bedarf. Trotzdem wird man bei Jörg Bode und seiner Lebenspartnerin keine Hirschgeweihe an der Wand finden. Vielmehr stehen im Garten der Hobbyfalkner Bienenhotel, Vogelhäuser, ein gut gefülltes Futterhäuschen sowie eine Wasserstelle für Zaungäste bereit.

„Trophäenjagd ist mir unverständlich“, sagt Jörg Bode. Er jagt, was er und die Tiere brauchen. Für Bakuto Krähen hauptsächlich, obwohl auch Ratten, Mäuse, Kaninchen und auch Schredderkücken auf des Habichts Speiseplan stehen. „Für mich optimal wäre, wenn ich mein Fleisch komplett jagen und gar nicht mehr aus dem Supermarkt kaufen würde“, meint der junge Kamener. Der aber gleich auch betont: „Man muss dabei ehrfürchtig bleiben. Ich halte bei jedem Tod inne.“

Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

Wichtigstes Utensil eines Falkners ist und bleibt der Handschuh. Die Krallen der Vögel sind zum Beutefangen geschaffen. Da ist die menschliche Haut schnell mal durchgepikst. © Stefan Milk

Ausstellung im Colani-Ei Ende Oktober

Seine Einstellung zur Jagd hat sich gewandelt, seit er mehr darüber weiß. „Früher war Jagd für mich vorrangig Töten. Jetzt sehe ich aber, dass die Hege einen viel größeren und wichtigen Anteil hat.“ So hätten Falkner das durch das Pestizid DDT initiierte Aussterben des Wanderfalken in Deutschland durch Nachzucht und Auswilderung verhindert.

Ansprechpartner

Informationen zur Falknerei

  • Wer sich über Falknerei informieren möchte, findet dazu auf der Internetseite www.falknerei.de Fachwissen.
  • Vor Ort können Interessierte auch Kontakt mit Jörg Bode aufnehmen – per Mail an falknerei@bodemotion.de.

Der nebenberufliche Fotograf will diesen anderen Blick auf die Jagd auch Ende Oktober im Colani-Ei in Brambauer mit einer Ausstellung seiner Bilder verdeutlichen. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Wohl aber der Titel „Auf den zweiten Blick“.

Einen zweiten Blick braucht Kauzdame-Pixie nicht für das von Jörg Bode angebotene Futter. Ein kurzes Flattern, ein Habs und das Kückenbein steckt im Schnabel. In der freien Natur würde Pixie zwar lieber Singvögel jagen. Doch jagen gehen die Hobby-Falkner mit der Mini-Eule nicht. Der putzige Kauz ist vorwiegend für die Öffentlichkeitsarbeit da.

Pixie darf oft mit in die Schulen. Dort hilft sie Verena Michelt als Türöffner, den Kindern das Verständnis für die Natur und ihre Bewohner näherzubringen. „Denn schützen kann man nur, was man kennt.“

Kurze Erläuterung zum Inhalt einer Falknertasche:

Hobbyfalkner Jörg Bode ist mit Mini-Eule Pixie und Habicht Bakuto per Du

Diese Dinge muss ein Falkner dabeihaben, wenn er mit seinem Vogel unterwegs ist. © Privat

  • oben links: Telemetrieempfänger und Sender. Der Sender wird am Vogel montiert, um ihn im Falle eines Verstoßen (Davonfliegens) auch über Kilometer orten zu können. Kein Vogel fliegt heute mehr ohne (zumindest sollte er das nicht).
  • oben Mitte: Balg: Beuteattrappe Kaninchen/Hase
  • oben rechts: Federspiel: Beute Attrappe Flugwild. Beide Beuteattrappen dienen entweder dem Trainieren des Vogels auf die zukünftige Beute oder im Falle eines ausgebildeten Vogels, um ihn aus dem Baum zu holen, wenn er einen Fehlflug hatte.
  • unten Mitte: Geschüh. Die Manschetten trägt der Vogel um seine Beine (Ständer genannt). Darunter sind Drahle und Bell zu sehen. Die Drahle ist voll drehbar und sorgt dafür, dass sich der Vogel nicht in den Riemen verheddern kann. Die Glocke dient zur akustischen Ortung des Vogels.
  • unten links: moderne Form der Geschühriehmen mit Öse. Wird benutzt wenn der Vogel nicht jagt. Daneben Jagdgeschühriemen aus Leder ohne Löcher, damit der Vogel nirgendwo hängenbleiben kann.
  • unten Mitte: grüne Langfessel – vergleichbar mit der Leine des Hundes. Dient dem Sichern des Vogel mit gleichzeitigem Spielraum zur Bewegung.
  • Unten rechts: Falknermesser, um dem Vogel notfalls Hilfe leisten zu können, wenn er Beute gemacht hat.
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