Historischer Bauernhof vor dem Abriss: Warum Heimatpfleger einen Stein retten wollen

dzHeimatpflege

Der Bauernhof Schulze-Bergcamen wird abgerissen. Auf dem Gelände soll Wohnraum entstehen. Doch ein Stein soll auch künftig an die Geschichte des historischen Hofes erinnern.

Südkamen

, 04.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der prägende Bauernhof an der Südkamener Straße mit seiner imposanten Fachwerkfassade wird wohl schon bald von der Bildfläche verschwinden. Dort, wo das große Haus samt Scheune auf einem etwa 10.000 Quadratmeter großen Grundstück steht, sollen einmal Wohnhäuser stehen.

Baupläne bzw. einen Investor gibt es noch nicht. Wie bereits berichtet ist der aktuelle Besitzer des Geländes, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG), derzeit dabei, es marktreif zu machen – und dazu gehört auch der bevorstehende Abriss. Rodungen wurden bis Ende März bereits vorgenommen.

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Dass solche Gebäude abgerissen und Gelände umgenutzt werden, kann Peter Resler verstehen. Er ist Ortsheimatpfleger in Südkamen und freilich an allen historischen und aktuellen Entwicklungen in dem Stadtteil interessiert. „Wenn kein Bauer einen Hof übernimmt, dann ist es in der Marktwirtschaft so, dass dort etwas Neues entsteht.“, sagt Resler. Das gebe es auch bei Betrieben. Der eine verschwindet, ein neuer ensteht. Und doch sei es traurig, dass der Bauernhof abgerissen wird.

Das Fachwerkhaus steht nicht unter Denkmalschutz – auch wenn man das ob der imposanten Fassade schon vermuten könnte.

Das Fachwerkhaus steht nicht unter Denkmalschutz – auch wenn man das ob der imposanten Fassade schon vermuten könnte. © Stefan Milk

Ortsheimatpfleger erhalten einen Stein des alten Bauernhofes

Ein Trost ist da der Plan, zumindest einen winzigen Teil des Hofes weiterleben zu lassen. Die Ortsheimatpfleger und Geschichtsinteressierten in Südkamen sind auf die Idee gekommen, den Giebelstein, zu erhalten, der noch an der Fassade des Hofes hängt.

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Die Heimatpfleger hätten beim Bauleiter angefragt und grünes Licht bekommen. „Das ist gar kein Thema hat er gesagt. Wir bekommen den Stein“, so Resler. „Er ist ziemlich schwer, wir wissen nicht genau, wie schwer“, sagt Resler. Deshalb habe man beim Bauhof angerufen, der aushelfen wird, wenn es Probleme mit dem Transport gibt.

Die Ortsheimatpfleger in Südkamen dürfen den Stein am Haus behalten. Sie wünschen sich, dass er zu seinem Ursprung zurückkehrt, wenn dort neuer Wohnraum geschaffen worden ist.

Die Ortsheimatpfleger in Südkamen dürfen den Stein am Haus behalten. Sie wünschen sich, dass er zu seinem Ursprung zurückkehrt, wenn dort neuer Wohnraum geschaffen worden ist. © privat

Auf dem Stein steht: „Heinrich Mork - erbaut 1848 - Hermann Wibbeling - umgebaut 1931 - Gott mit uns“. Mork habe den Hof gebaut und ihn in der Weimarer Zeit an Hermann Wibbeling aus Dortmund verkauft. Nach einer Heirat wurde der Hof umgetauft – und heißt bis heute Schulze-Bergcamen, wie Resler erklärt. Er vermutet, dass der Hof sogar noch viel älter ist. Bereits im Jahr 1336 wurden erstmals neun Höfe erwähnt, darunter auch Mork. Später tauchte er immer wieder in verschiedenen Heberegistern auf, weiß Resler.

Am liebsten soll der Stein an seinen alten Ort zurück

Der Stein soll zunächst zwischengelagert und später vielleicht den Weg wieder zurück auf das Gelände finden. „Der Bauernhof ist dann zwar weg, aber das schönste wäre es, wenn der neue Besitzer den Stein als Erinnerung an das landwirtschaftliche Gehöft wieder da platziert“, so Resler. Alternativ würden die Heimatpfleger ihn aufbewahren und irgendwann möglicherweise in einem Heimatmuseum, von dem sie schon länger träumen, unterbringen.

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Die Tradition, dass ein Stein beschriftet und ans Haus gesetzt wird, ist für Resler neu. „Inschriften in Holz sind üblich.“ Außerdem gebe es Grenzsteine, die bedeutsam sind. „Den hat Schulze-Bergcamen mitgenommen“, weiß Resler. Aber warum es nun ein Stein ist, ist ja eigentlich auch egal: „Er weist auf die uralte Geschichte hin und erinnert an einen der großen Höfe von Südkamen“, sagt Resler. Und er soll es auch dann noch tun, wenn der Hof längst dem Erdboden gleich gemacht ist und neue Bauten das Gelände säumen. Vielleicht als Teil einer modernen Wohnsiedlung. Dafür werden sich Resler und andere Südkamener stark machen.

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