Hilfe beim Einkaufen: Kamen gründet Corona-Bürgerdienste

dzNeuer Service

Ob Lebensmittel oder Klopapier: Hilfsbedürftige können im Kamener Rathaus ihre Einkaufszettel einreichen. Stadtmitarbeiter oder Ehrenamtliche erledigen dann die Besorgungen. Das nennt sich Corona-Bürgerdienste.

Kamen

, 20.03.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Markus Fallenberg ereilte kürzlich ein Hilferuf. Jemand brauchte Lebensmittel, konnte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst einkaufen. Der Seniorenbeauftragte im Kamener Rathaus erledigte die Einkäufe kurzerhand selbst.

Jetzt in der Coronakrise gibt es wahrscheinlich viele Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders durch das neuartige Virus gefährdet und sorgen sich vielleicht, aus dem Haus zu gehen. Oder sie können es nicht, weil sie nicht mobil sind. Fallenberg kann unmöglich für alle die Besorgungen erledigen.

Hilfe

Corona-Bürgerdienste

  • Vereine, Verbände, Kirchen, Gewerbetreibende und Einzelpersonen reagieren auf die Coronakrise mit Hilfsangeboten. Die Stadt gründet nun eine Vermittlungs- und Unterstützungsstelle namens „Corona-Bürgerdienste“.
  • Informationen dazu gibt es bei www.kamen.de unter dem entsprechenden Stichwort. Wer Hilfe benötigt, soll sich per E-Mail an corona-buergerdienste@stadt-kamen.de (ab Montag), buergerdialog@stadt-kamen.de (ab sofort) oder unter Tel. (02307) 148-1400 melden.
  • Montags bis donnerstags von 9 bis 14 Uhr sowie freitags zwischen 9 bis 12 Uhr können auch städtische Mitarbeiter Einkäufe und Besorgungen erledigen. Das Angebot ist kostenlos. Um einen Missbrauch auszuschließen, können sich die Mitarbeiter mit Dienstausweisen legitimieren.
  • Organisatoren von Hilfsangeboten sind aufgerufen, sich bei der Stadt zu melden.

Dennoch bekommen diejenigen, die wegen der Coronakrise nun vor scheinbar unlösbaren Problemen beim Auffüllen des Kühl- oder Medikamentenschranks stehen, jetzt ein Hilfsangebot aus dem Rathaus. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) präsentierte am Freitag die sogenannten Corona-Bürgerdienste. „Menschen, die nicht wissen, an wen sie sich wenden können, können uns anrufen“, sagte sie.

Ein Team um Markus Fallenberg steht bereit, um die Anrufe anzunehmen und die Anliegen zu notieren. Als nächstes vermitteln die Rathaus-Mitarbeiter Hilfsorganisationen mit ehrenamtliche Helfern. Damit sind unter anderem Netzwerke aus den drei evangelischen Kirchengemeinden in Kamen, Methler und Heeren-Werve gemeint. Aber auch gewerbliche Anbieter wie zum Beispiel ein Lieferservice für Lebensmittel oder Mahlzeiten werden mit den Hilfesuchenden in Verbindung gebracht. „Es viele Ehrenamtler unterwegs, das ist wunderbar“, sagte Kappen.

Die Bürgermeisterin warnt die Bürger, die Gefahr durch das Coronavirus zu unterschätzen. „Soziale Kontakte einschränken, so gut es eben geht!“, lautet ihr Appell. Sie sehe bereits, dass viele Menschen das schon tun. Man unterhalte sich von Balkonen oder über Gartengrenzen hinweg. Es gehe jetzt darum, ältere Menschen zu schützen und diejenigen Menschen, die aufgrund einer Grunderkrankung. „Ich habe Sorgen, dass ich das nicht überlebe“, zitiert Kappen eine betroffene Person.

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Die SPD-Politikerin schilderte ihren Eindruck, dass die Appelle noch nicht überall angekommen sind. „Wir schließen die Spielplätze – und dann treffen sich dort zehn, 15 Menschen“, kritisierte sie. „Wir sprechen über eine junge Zielgruppe, denen das schwer fällt.“ Den Vorwurf, die Stadt würde zu wenig kontrollieren, wies Kappen zurück. Der städtische Ordnungsdienst sei „stärker“ unterwegs, ab nächster Woche seien gemeinsame Streifen mit der Polizei geplant. Eine Gaststätte sei von Amts wegen geschlossen worden. Auf die Frage, ob sie mit einer Ausgehsperre rechnet und was sie davon hält, sagte Kappen: „Meine Meinung ist, dass das kommen wird.“ Sie rechne am Sonntag mit einer Entscheidung der Landesregierung.

Markus Fallenberg würde wohl auch selbst noch einmal für Hilfsbedürftige einkaufen gehen. Wenn ehrenamtliche oder gewerbliche Unterstützer nicht verfügbar sind, zieht sein Team auch selbst mit der Einkaufstasche los.

Bürgermeisterin Elke Kappen kündigte die Gründung der Corona-Bürgerdienste am Freitag an – bei einer Video-Pressekonferenz.

Bürgermeisterin Elke Kappen kündigte die Gründung der Corona-Bürgerdienste am Freitag an – bei einer Video-Pressekonferenz. © Peter Büttner

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