„Lernen und unterrichten muss man aber trotzdem noch“

dzComputer im Schulunterricht

Im digitalen Zeitalter verändert sich mit der Technik auch der Schulunterricht. Ein Besuch an der Kamener Realschule zeigt, wie sehr sich das Schulleben wandelt.

Kamen

, 10.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn die quietschenden Räder des Fernsehschranks durch die Schulgänge rollen, schnellt die Stimmung vieler Schüler ruckartig nach oben. Filmeschauen in der Schule war einmal ein Novum. Doch der staubige Schrank mit dem klobigen TV-Gerät verschwindet zunehmens aus der Schulwelt – und wird durch interaktive Tafeln und zahlreiche Computer ersetzt. Mit der Technik hat sich auch der Schulunterricht im digitalen Zeitalter gewandelt.

Die 16-Jährigen Leonie Schönwald und Yannic Theymann gehen beide in die zehnte Klasse an der Fridtjof-Nansen-Realschule. In der fünften Klasse haben beide einen sogenannten Computer-Führerschein absolviert – ein Pflichtprogramm an der Schule. Dazu lernten sie grundlegende Funktionen des Computers kennen – von dem Anlegen von Ordnern bis zur Benutzung verbreiteter Programme wie Word, Excel oder Power-Point. Auch für den gewöhnlichen Unterricht wird der Computer immer wichtiger. „Wir fertigen zum Beispiel Power-Point-Präsentation für den Unterricht an, benutzen einen digitalen Atlas oder den Mathetrainer“, sagt Yannic. Leonie ergänzt: „Im Unterricht halten wir viele Vorträge, für die wir recherchieren und Präsentationen anfertigen müssen.“ Um das zu ermöglichen, findet Unterricht regelmäßig in einem der drei Computerräume der Schule statt.

Ein Computer pro fünf Schüler

Für die 480 Schüler der Realschule stehen 98 Computerarbeitsplätze bereit. Ein Computer kommt also ungefähr auf fünf Schüler. Moderne, interaktive Whiteboards ersetzten die klassischen grünen Tafeln. 18 solcher Whiteboards gibt es an der Schule, jeder Klassenraum ist zudem mit einem Computer ausgestattet, mit dem der Lehrer die Hightech-Tafeln bedienen kann. Klassische Büroprogramme wie Word oder Excel können sich die Schüler dank einer speziellen Lizenz kostenlos für zuhause besorgen. Schulleiter Peter Wehlack ist zufrieden mit dieser Entwicklung. „Was Computer angeht, sind wir gut ausgestattet. Lernen und unterrichten muss man aber trotzdem noch“, sagt er schmunzelnd. Technik sei wichtig, doch die Lehrer schaffen sich durch die Einführung der neuen medialen Möglichkeiten nicht ab, davon ist Wehlack überzeugt.

„Lernen und unterrichten muss man aber trotzdem noch“

Schulleiter Peter Wehlack (M.) ist überzeugt, dass sich die Lehrer durch die neue Technik – wie die interaktiven Whiteboards – nicht selbst abschaffen. „Lernen und unterrichten muss man immer noch“, sagt er schmunzelnd. © Stefan Milk

Der Unterricht verändert sich

Die neue Technik kommt auch bei den Schülern gut an. „Wir lernen mit der Zeit immer mehr Sachen kennen. Wir lernen auch von anderen Vorträgen, wie wir unsere eigenen Präsentationen besser gestalten können“, meint Leonie. Gemeinsam mit Yannic hat sie zudem das Wahlpflichtfach Informatik. Yannic hat sogar schon eine Ausbildungsstelle gefunden – als Informatikkaufmann bei der IT der Verwaltung des Kreises Unna.

Dass sich der Unterricht verändert, kann man zum Beispiel am Fach Erdkunde sehen. „Heute müssen wir keine Karten mehr im Klassenraum aufhängen“, sagt der Schulleiter. Das gehe viel einfacher mit Kartenprogrammen im Internet, die interaktiv sind. Schulmaterialien kommen heute ebenso multimedial daher. Mit der Software, die vielen Schulbüchern beiliegt, lassen sich etwa unkompliziert kurze Filmsequenzen oder Audiolektionen aufrufen. Statt im Englischunterricht zum Beispiel extra den CD-Spieler anzuschließen und die richtige Stelle zu suchen, ertönen die gewünschten Audioschnipsel mit englischen Dialogen einfach per Mausklick.

  • Nicht nur die Fridtjof-Nansen-Realschulen, sondern alle Kamener Schulen rüsten sich in Sachen Digitalisierung auf. „Wir sitzen regelmäßig mit der Stadt zusammen und stimmen uns da ab“, so Realschulleiter Peter Wehlack.
  • Beispiel Kamener Gymnasium: 876 Schüler haben Zugang zu 55 Desktop- und 20 mobilen Computer-Arbeitsplätzen. Zudem gibt es dort sieben Whiteboards, acht Beamer und ein neuartiges interaktives Display.
  • Rasmus Treinies, Medienbeauftragter des Gymnasiums, würde den Status Quo gerne noch verbessern. „Als Medienbeauftragter ist man natürlich nie zufrieden“, sagt er, „wir können damit aber gut arbeiten, aber es gibt noch einiges zu tun.“
  • Der Fernsehschrank ist am Gymnasium übrigens noch nicht ausgestorben. Zwei von ihnen rollen dort noch durch die Schulflure – bestückt mit modernen Flachbildschirmen.

Und selbst der Mausklick könnte bald obsolet werden, denn das nächste Projekt sind Bildschirme mit Touch-Screen, die zurzeit etwa am Kamener Gymnasium ausgetestet werden. Doch ganz ohne die herkömmlichen Mittel geht es noch nicht. „Die Kombination mit der grünen Tafel besteht zum Beispiel immer noch“, sagt Wehlack. Etwa im Matheunterricht, in dem die Lehrerin den Schülern die Anwendung eines Zirkels an der Tafel demonstrieren kann. „Das muss man immer noch in die Hand nehmen können“, kommentiert der Schulleiter schmunzelnd.

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