Aus Angst vor Corona: Werden wichtige Operationen verschoben?

dzHellmig-Krankenhaus Kamen

Im Frühjahr war es ausdrücklicher Wunsch der Politik: Krankenhäuser sollten Operationen verschieben, um für Corona gerüstet zu sein. Das ist im Herbst anders. Dennoch ist man am Hellmig-Krankenhaus in Sorge.

Kamen

, 24.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Planbare Aufnahmen, Eingriffe und Operationen sollten verschoben werden, um kurzfristig für einen großen Ansturm der Corona-Patienten gerüstet zu sein. Dazu forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Krankenhäuser bundesweit auf – im März, als die erste Welle der Corona-Pandemie über Deutschland hereinbrach und die Regierung ähnlich katastrophale Zustände wie damals in Italien unter allen Umständen vermeiden wollte.

Bei der zweiten Corona-Welle, die auch der Kreis Unna nun im Herbst erlebt, gibt es eine solche Ansage nicht. Und im Hellmig-Krankenhaus ist man darüber froh. „Die Medizinischen Experten im Klinikum Westfalen raten dringend, erforderliche diagnostische oder therapeutische Maßnahmen nicht wegen der Pandemie aufzuschieben“, sagt Krankenhaus-Sprecher Klaus-Peter Wolter. Man sei optimal für die Infektionsvermeidung aufgestellt und die Pandemie sollte nicht Anlass dafür sein, auf anderen Feldern Gesundheitsrisiken einzugehen.

Krankenhaus-Sprecher: „Wir fahren nichts runter“

„Wir fahren nichts runter“, stellt Wolter klar, und die Situation sei für das Krankenhaus gut zu händeln. Es gebe natürlich bei geplanten Behandlungen durchaus individuelle Unterschiede zu berücksichtigen. „Bei jemandem, der seit Jahren an Knieproblemen laboriert und über eine OP nachdenkt, besteht sicher ein bisschen zeitlicher Spielraum“, nennt der Sprecher ein Beispiel. Bei einer Tumorerkrankung dürfe man hingegen nicht abwarten.

Gleichwohl zeige die bisherige Erfahrung mit der Corona-Pandemie, dass auch Patienten von sich aus das Krankenhaus gescheut hätten aus Angst vor Infektionen. „Die Sorge treibt uns um, dass Patienten erneut dazu tendieren Termine abzusagen oder zu verschieben“, sagt Klaus-Peter Wolter. Und appelliert, eine solche Entscheidung unbedingt immer mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.

Covid-19-Patienten aus Kamen werden in Dortmund behandelt

Grund zur Ansteckungspanik besteht sicher nicht, zumal in Kamen derzeit gar keine Covid-19-Patienten behandelt werden. Darum kümmert sich im Verbund des Klinikums Westfalen das „Corona-Schwerpunkt-Krankenhaus“ in Dortmund-Brackel. Gleiches gilt für Betroffene aus Bergkamen, Bönen und dem Lüner Stadtteil Brambauer.

Es gebe diesbezüglich eine interkommunale Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Unna und der Stadt Dortmund, erklärt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Unna, Nils Schauerte. Demnach fallen die Klinik-Standorte in Kamen und Lünen-Brambauer aktuell aus der Versorgung von Covid-19-Patienten heraus.

Erst Brackel, dann Brambauer, dann Kamen

Falls es zu einem deutlichen Anstieg von stationär behandelten Corona-Patienten komme, der im Schwerpunkt-Krankenhaus nicht mehr zu bewältigen wäre, würden zunächst in Lünen-Brambauer wieder Covid-19-Kranke behandelt. „Wenn auch das nicht reicht, käme Kamen wieder ins Spiel“, erläutert Schauerte.

So sei es zwischen den Leitern der Gesundheitsämter sowie den Ärztlichen Leitern des Rettungsdienstes aus Dortmund und Unna abgestimmt. „Die Krankenhäuser arbeiten da sehr gut zusammen“, lobt Schauerte.

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Er betont aber auch, dass Verdachtsfälle mit Symptomen zunächst überall behandelt und getestet würden. „Es geht wirklich nur um positiv auf das Coronavirus getestete Menschen.“

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