Hellmig-Krankenhaus kritisiert kuriosen Qualitätsbericht

dzGesundheit

Ein Qualitätsbericht, der auch das Kamener Hellmig-Krankenhaus anprangert, liefert aus Sicht des Krankenhauses nur ein Zerrbild der Realität. Grund dafür sind mehrere Ungereimtheiten.

Kamen

, 04.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Qualitätsbericht über deutsche Krankenhäuser sorgt im Hellmig-Krankenhaus für Wirbel. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen hat bundesweit Falldaten aus dem Bereich der gynäkologischen Operationen, der Geburtshilfe und der Mammachirurgie auf statistische Auffälligkeiten überprüft. Das Ergebnis: Das Hellmig-Krankenhaus erfüllt bei Eingriffen an Eierstöcken die Merkmale für eine unzureichende Behandlungsqualität. Insgesamt gibt es bundesweit 73 Kliniken, die bei den Prüfern auffällig wurden.

Doch die Zahlen, die scheinbar ein objektives Bild von der Krankenhaus-Qualität zeichnen, zumal sie vom höchsten Gremium des deutschen Gesundheitswesens, dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), veröffentlicht wurden, liefern aus Sicht des Hellmig-Krankenhauses nur ein Zerrbild der Realität.

Zerrbild der Realität

Als Qualitätsmerkmal gilt, wenn bei Operationen an den Eierstöcken eine Gewebeuntersuchung durchgeführt wird. Wenn ein Krankenhaus in mehr als fünf Prozent der Fälle keine Untersuchung durchführt, gilt das bei den Prüfern als qualitativ unzureichend. Das Hellmig-Krankenhaus hat laut der Auswertung in 100 Prozent der Fälle keine solche Gewebeuntersuchung durchgeführt. Das ist dem Qualitätsbericht des G-BA zu entnehmen, den verschiedene Medien bundesweit aufgriffen. „Spiegel online“ brachte eine Landkarte, auf der alle Krankenhäuser, die auffällig wurden, verzeichnet sind, auch das Kamener Haus.

Doch wer genauer hinschaut, muss zu dem Ergebnis kommen, dass von einer schlechten Qualität bei Eierstock-Operationen am Hellmig-Krankenhaus nicht sinnvoll gesprochen werden kann. Denn die Daten des G-BA beziehen sich nur auf einen einzigen Eingriff im Jahr 2017, und das ist nicht die einzige Ungereimtheit. Denn das Krankenhaus hat gar keine gynäkologische Klinik mehr, führt also auch keine gynäkologischen Eingriffe durch. „Der Eingriff war keine Eierstock-Operation“, erklärt Klaus-Peter Wolter, Sprecher des Klinikums Westfalen, zu dem das Kamener Haus gehört.

Schlüsselloch-Diagnose

Eine Patientin wurde mit diffusen Beschwerden im Bauchraum ins Krankenhaus überwiesen. Per diagnostischem Schlüsselloch-Eingriff wurde auch der Eierstock untersucht – und das laut Krankenhaus natürlich auch dokumentiert und in Qualitätssicherungs-Daten festgehalten. Wolter erklärt: „Eine histologische Untersuchung von Gewebe war hier in keiner Weise angezeigt. Selbst bei tatsächlichen Eierstock-Operationen ist ein gewisser Prozentsatz von Eingriffen ohne anschließenden histologischen Befund normal und wird akzeptiert.“ In dem vorliegenden Fall sei aber eine statistische Auswertung von nur einem Eingriff erfolgt, „mit völlig unsinnigem Ergebnis.“

Gesetz für Transparenz

Eigentlich sollen die Erhebung von Falldaten und die Veröffentlichung des Qualitätsberichts durch den G-BA dazu dienen, die Qualität von Krankenhaus-Behandlungen besser und transparenter zu machen. Der Bundestag hatte das dahinter stehende Gesetz 2014 beschlossen. Doch das Beispiel des Hellmig-Krankenhauses dürfte Zweifel nähren, dass die Daten in allen Fällen auch aussagekräftig sind. „Aus unserer Sicht besteht dringender Korrekturbedarf an dem hier angewendeten Verfahren, wenn dadurch tatsächlich Qualität im Gesundheitswesen transparent gemacht werden soll“, so der Sprecher. Das Klinikum sehe sich in ein falsches Licht gerückt.

Widerspruch eingelegt

Nicht nur das Klinikum Westfalen, sondern auch andere Krankenhäuser, die sich falsch eingestuft sehen, haben dem Ergebnis des Qualitätsberichts widersprochen. „Es ist aber zu fürchten, dass Wochen vergehen werden, bis die beteiligten Gremien sich dem final gestellt haben werden“, so der Klinikum-Sprecher. Der mögliche Image-Schaden ist dann wohl nicht wieder gutzumachen. Der in Berlin ansässige G-BA will Ergebnisse einzelner Krankenhäuser nicht kommentieren. Sprecherin Kristine Reis erklärte lediglich: „Selbstverständlich geht der G-BA den Hinweisen von Krankenhäusern zum veröffentlichen Bericht zu planungsrelevanten Qualitätsindikatoren über die Ergebnisse aus dem Erfassungsjahr 2017 nach.“

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