Heitere Augenblicke in düsterer Klangwelt

dzPhilharmonie spielt Mozarts Requiem

Die Neue Philharmonie Westfalen spielt auf in bestechender Qualität. Gastdirigent Stefan Vladar beeindruckt als Solist mit Mozarts Klavierkonzert in der Konzertaula.

von Rainer Ehmanns

Kamen

, 11.10.2018, 09:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich passt das Thema „d-moll“ nicht in den goldenen Herbsttag, da man unwillkürlich eine düstere, gedeckte Stimmung mit dieser Moll-Tonart verbindet. Was allerdings die Neue Philharmonie unter dem Gastdirigenten Stefan Vladar daraus macht, findet einhellige Begeisterung.

Brahms´ „Tragische Ouvertüre“ d-moll op. 81 wird in ihrem Charakter den Erwartungen noch am ehesten gerecht, wenn kräftige Paukenschläge dieses raue Werk einleiten, holzschnittartige Passagen Pathos und Tragik beschwören und markante Blechbläser-Passagen den Ernst untermalen, der diese Ouvertüre prägt. Dirigent Stefan Vladar aus Wien lässt ebenfalls keinen Zweifel aufkommen, wenn er temperamentvoll und resolut dynamische Akzente einfordert, die die Neue Philharmonie mit Akribie und Präzision umsetzt.

Auch Mozarts Klavierkonzert d-moll KV 466 widerspricht den Erwartungen, da das ungewöhnlich persönliche des Komponisten nicht dem gelöst-heiteren Charakter anderer Kompositionen entspricht. Schon der nachdenklich anmutende Beginn des Allegro, die herben Einschnitte und expressiven Akzente unterstreichen die bewusste Dramatik. Stefan Vladar, am Flügel dirigierend, präsentiert mit brillanter Virtuosität eben nicht den gefälligen Mozart, sondern den tiefgründigen. Vladars eigene Kadenz im ersten Satz, die zweite Kadenz von Alfred Brendel ergänzen dieses Porträt mit klaren Kontrasten, zeichnen in der Romanze eine nur scheinbare Insel des Friedens und der Ruhe, bevor ein heftiger Auftakt zum Allegro assai-Rondo rastlose Ungeduld vermittelt. Stürmisch bewegte Leidenschaft kehrt sich erst am Schluss in ein versöhnliches D-Dur. Die Emotionen glättet Vladar mit „Consolation“ von Franz Liszt, einer zum Hinschmelzen schönen Zugabe.

Jean Sibelius´ Sinfonie Nr. 6 d-moll op. 104 entbehrt jeder Düsternis. Die lichten, hellen Streicher wispern Sanftmut und Zartheit, das dezente Blech trägt warme Cello-Kantilenen, fröhliche Flötentöne ziehen unternehmungslustig in die Welt, in der es auch mal stürmt. Ungewohnte Klangkombinationen und -farben überraschen im Allegretto moderato und lösen sich im sanften Schlussakkord auf; ein bis zum Schluss furios gespannter Wirbel voller Kontraste ist das Scherzo, bevor im Finalsatz nach kräftiger Verdichtung mit aufblitzenden Geigen, starken Bläser-Crescendi und unvermittelten Abbrüchen die choralhafte Hymne in einem sanften, innigen Schluss ausklingt. Zu Recht wohlverdienter, lang anhaltender Applaus für dieses bestechende „Herbstkonzert“!

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