Heimatvertriebene gedenken am Charta-Jahrestag

dzKranzniederlegung

Am Kreuz der ostdeutschen Heimat auf dem Friedhof Kamen-Mitte treffen sich die Heimatvertriebenen zur Kranzniederlegung. Trotz mangelndem Nachwuchs in den Verbänden blicken die Vertriebenen der Zukunft optimistisch entgegen.

Kamen

, 05.08.2018, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kreuz der ostdeutschen Heimat ist in die Jahre gekommen. Die Gedenkstätte für die deutschen Heimatvertriebenen auf dem Friedhof Kamen-Mitte ist mit Laub bedeckt, das große Doppelkreuz morsch. Vor dem Kreuz wartet der 85-Jährige Josef Praus geduldig darauf, dass die Kranzniederlegung beginnt, zu der die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung der CDU Kreis Unna (OMV) und der Bund der Vertriebenen Kreisverband Unna (BdV) eingeladen haben.

Praus stammt ursprünglich aus der Nähe von Breslau. Wie die circa 25 Teilnehmer, die sich am Vormittag des vergangenen Sonntags – dem Jahrestag der Charta der deutschen Heimatvertriebenen – am Kreuz eingefunden haben, wurde auch er aus seiner Heimat vertrieben. „Man trifft sich hier und sieht viele bekannte Gesichter wieder“, sagt der 85-Jährige, während sich der Platz vor dem Kreuz langsam füllt.

Das Laub wird von der Gedenkstädte gefegt, OMV-Vorsitzender Stephan Wehmeier begrüßt die ersten Teilnehmer. „Für diese Menschen ist das hier ein Herzensanliegen“, sagt der CDU-Politiker. „Man sichert hiermit das kulturelle Erbe“, ergänzt BdV-Vorsitzende Dr. Bärbel Beutner. Doch der Bund kämpfe mit dem Nachwuchsmangel, ein Großteil der Mitglieder sei bereits im höheren Alter. „Es fehlt der Nachwuchs“, sagt auch Heiko Hendriks (CDU), der Beauftragte der Landesregierung für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern, der als Gastredner eingeladen wurde. Doch aus Erfahrung wisse er, dass die Jugend durchaus Interesse an dem Thema zeige. „Man kann die Geschichte nicht zurückdrehen, aber man kann und sollte aus ihr lernen“, sagt Hendriks bei seiner Ansprache, „Doch um aus der Geschichte zu lernen, muss man sie kennen.“ Auch die 1950 von Sprechern der Vertriebenenverbände und ostdeutschen Landsmannschaften unterschriebene Charta sei in diesem Kontext wichtig. „Die Charta stellt ein Friedensmanifest dar“, sagt Hendriks. Bereits im ersten Punkt des Manifests verzichten die Heimatvertriebenen auf „Rache und Vergeltung“. Trotz archaischer Sprache sei dies ein wichtiges Signal für Europa und die nachfolgenden Generationen gewesen.

Dr. Beutner blickt optimistisch in die Zukunft: „Es wird weitergehen, in einer anderen Form und in einer anderen Weise“, sagt die BdV-Vorsitzende. Auch das morsche Kreuz, dass die Heimatvertriebenen als Gedenkstätte nutzen, hat eine Zukunft. Noch in diesem Jahr soll eine Restaurierung erfolgen, sagt OMV-Vorsitzender Wehmeier. Bereits am Montag, 6. August, sollen entsprechende Gespräche mit der Friedhofsverwaltung erfolgen.

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