Ein altes Handwerkerhaus, ein Gebäude im früheren Armenviertel und ein stattliches ehemaliges Gasthaus in Marktnähe: Diese drei Baudenkmäler in Kamen sollen gefährdet sein. Ein Heimatpfleger warnt.

Kamen

, 24.09.2019, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die weißen Gardinen sind zugezogen, die Fassade wirkt ungepflegt. Wer an einem kleinen Fachwerkhaus an der Straße „Westenmauer“ in der Kamener Innenstadt klingelt, bekommt keine Antwort. Auf dem Klingelschild steht zwar ein Name, aber der Gong bleibt ungehört. Nachbarn wollen erfahren haben, dass das Haus unbewohnt ist. Eine Hausverwalterin schaue regelmäßig nach, ob alles in Ordnung ist.

In Ordnung ist das Fachwerkhaus aus Sicht von Heimatpflegern in Kamen nicht. Karl-Heinz Stoltefuß, ein denkmalsachverständiger Bürger im Stadtrat, stuft das Gebäude als gefährdet ein. In einem Exposé, das Stoltefuß jetzt an Ratspolitiker und die Stadtverwaltung überreicht hat, ist es neben zwei anderen mutmaßlich gefährdeten Gebäuden in Kamen-Mitte und Methler aufgelistet.

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Baudenkmäler in Kamen

117 eingetragene Baudenkmäler sind in Kamen bekannt. Der überwiegende Teil ist ein einem guten Zustand. Hier zeigen wir eine Auswahl der historischen Bauwerke.
24.09.2019
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Altes Rathaus, heute Stadtbücherei, am Marktplatz in Kamen.© Stefan Milk
Fünfbogenbrücke über die Seseke in Kamen.© Stefan Milk
Herz-Jesu-Kirche in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Ehemaliges Hotel „König von Preußen“ (Bergheim) in der Nähe des Marktplatzes.© Stefan Milk
Katholische Kirche Heilige Familie.© Stefan Milk
Gaststätte Kümpers an der Bahnhofstraße 1© Stefan Milk
Altes Amtsgericht, heute Haus der Stadtgeschichte an der Bahnhofstraße in Kamen.© Stefan Milk
Pauluskirche in Kamen.© Stefan Milk
Pfarrhaus an der Heerener Straße.© Stefan Milk
Ehemaliges Pförtnerhaus der Zeche Königsborn an der Westfälischen Straße in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Wasserschloss Haus Heeren in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Torbogen des Heerener Schlosses.© Grzelak
Apotheke am Marktplatz in Kamen.© Stefan Milk
Ehemaliges VHS-Haus, Am Geist, in Kamen.© Stefan Milk
Ehemaliges Haus Kaja, Am Geist, in Kamen.© Marcel Drawe
Fachwerkhaus an der Westenmauer 25 in Kamen.© Marcel Drawe
Margaretenkirche in Methler.© Stefan Milk
Handwerkerhaus an der Afferder Straße 6 in Methler.© Marcel Drawe
Bahnhof Kamen.© Stefan Milk

Drei Sorgenkinder unter den Baudenkmälern

„Drei Sorgenkinder fordern unsere besondere Aufmerksamkeit“, heißt es in dem Papier mit dem Titel „Gefährdete Baudenkmäler in Kamen“. Demnach befinden sich die insgesamt 117 Baudenkmäler in Kamen überwiegend in einem guten Zustand. Mehr als 100 Eigentümer würden die mit der Unterhaltung der Denkmäler anfallenden Kosten und damit verbundenen Lasten tragen. Es sei bewundernswert, wie sie ihre Häuser und Höfe erhalten. Doch bei drei Gebäuden macht Experte Stoltefuß sich Sorgen.

Wo die kleinen Leute wohnten

Das Fachwerkhaus an der Westenmauer 25 ist über 200 Jahre alt. Die Farbe auf den Balken ist abgeplatzt, es wirkt vernachlässigt. Früher wohnten in diesem Viertel die sogenannten kleinen Leute. Ärmere Bürgerschichten hatte hier im 19. Jahrhundert ihr Zuhause. In der Häuserreihe befinden sich auch noch andere Häuser aus dieser Zeit, die in einem deutlich besseren Zustand sind.

Heimatpfleger warnt: Drei Baudenkmäler in Kamen sind gefährdet

Die ehemalige Gaststätte, Am Geist 6, gammelt seit Jahren vor sich hin. © Marcel Drawe


Altes Gasthaus gammelt vor sich hin

Ein weiteres Gebäude, das Stoltefuß als gefährdet einstuft, ist ein alter Bekannter. Das Haus Kaja, ein leer stehendes Wohn- und Gasthaus am Geist 6 unweit des Marktplatzes, gammelt vor sich hin. Legendär ist das frühere Etablissement, weil dort Tänzerinnen mit einem Pferd auftraten. Die Stadt Kamen hatte vor einigen Jahren in Abstimmung mit Denkmalpflegern einen Vorschlag entwickelt, wie das dreigeschossige Haus aus dem 17. Jahrhundert im Ensemble mit zwei Nachbarhäusern saniert werden kann, doch die Eigentümer winkten wohl wegen des hohen Aufwands ab. Der Gasthof zählt zu den ältesten in Kamen. Schon Hanse-Kaufleute sollen hier übernachtet haben. Dieses Objekt hatten die Kamener Ortsheimatpfleger mit auf dem Schirm, als sie voriges Jahr die Forderung erhoben, Teile der Kamener Altstadt als Gesamtheit unter den Schutz einer sogenannten Denkmalbereichssatzung zu stellen. Gespräche in diese Richtung sollen derzeit laufen.

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Heimatpfleger warnt: Drei Baudenkmäler in Kamen sind gefährdet

Das sogenannte Handwerkerhaus an der Afferder Straße macht einen ungepflegten Eindruck. © Marcel Drawe

Zugewuchertes Handwerkerhaus in Wasserkurl

Das dritte Sorgenkind ist das sogenannte Handwerkerhaus an der Afferder Straße 6. Es handelt sich nach Recherchen von Stoltefuß um das letzte von fünf etwa gleichzeitig und in ähnlicher Form errichteten Handwerkerhäusern an der Afferder Straße. Errichtet wurde es 1834, schon 1670 wurde es urkundlich erwähnt. Auch dieses Haus ist unbewohnt. Grün wuchert auf dem Gelände.

Wenn der bekannte Heimatpfleger die drei Häuser nun als „gefährdet“ einstuft, hat das noch keine rechtliche Wirkung für die Eigentümer, sondern ist als Alarmsignal an die Behörden zu verstehen. Denkmäler sind zu schützen, zu pflegen, sinnvoll zu nutzen und wissenschaftlich zu erforschen – so steht es im Gesetz. Eigentümer müssen die Denkmäler schützen, soweit ihnen das zumutbar ist, auch unter Berücksichtigung von öffentlichen Zuschüssen. Sollten sie ihren Pflichten nicht nachkommen, können die Behörden Maßnahmen anordnen. Dazu ist es aber in jüngster Zeit in Kamen nicht gekommen.

Gefährdung ja, aber nicht akut

Stoltefuß räumt ein, dass er die Gebäude nicht für einsturzgefährdet hält. So lange noch ein funktionierendes Dach vorhanden sei, sei auch nicht von einer akuten Gefahr für die Bausubstanz auszugehen. Gleichwohl hält er die Gebäude unter dem Umstand, dass sie unbewohnt sind und augenscheinlich vernachlässigt werden, dauerhaft in ihrem Bestand gefährdet.

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