Heerens Ortskern vor dem Umbau: Hier sind die Auflagen gegen Schmutz und Dreck

Dorfmitte vor der Sanierung

Staub und Schmutz werden bei der Sanierung der Dorfmitte reichlich anfallen. Doch die Auflagen, Passanten und Kunden zu schützen, sind umfangreich. Die Stadt hat sie nun veröffentlicht.

Kamen

, 25.06.2019, 18:42 Uhr / Lesedauer: 3 min
Heerens Ortskern vor dem Umbau: Hier sind die Auflagen gegen Schmutz und Dreck

Staub aufgewirbelt hat die Großbaustelle auf der Werver Mark im Jahr 2004 und 2005 nicht nur im übertragenen Sinn - Anwohner klagten über unerträgliche Lärmbelästigungen. Auch die anliegenden Gewerbebetriebe hatten zu leiden. Das soll sich nicht wiederholen. Die Auflagen für die Bauunternehmung, die die Dorfmitte ausbaut, sind umfangreich.

Jetzt werden die Weichen für den neuen Ortskern in Heeren-Werve gestellt. Am Donnerstag, 27. Juni, endet die Ausschreibungsfrist für den Großauftrag, der Heeren-Werves Zentrum ein neues Gesicht verpassen wird. Dann liegt das Ergebnis vor, wie viele Firmen sich beworben haben. Die Ausschreibung, die in den vergangenen Wochen auf einschlägigen Online-Plattformen für öffentliche Aufträge einzusehen war, umfasst stattliche 229 Seiten. Beschrieben sind dort nicht nur die Leistungen, die erbracht werden müssen, sondern auch die Auflagen, die Anwohner und Passanten vor Lärm und Dreck schützen sollen. Die Stadtverwaltung gibt auf Anfrage unserer Redaktion einen Einblick, was von den Unternehmen dabei gefordert wird, wenn es mit den Bauarbeiten, die vermutlich vor den Sommerferien noch beginnen, losgeht.

Heerens Ortskern vor dem Umbau: Hier sind die Auflagen gegen Schmutz und Dreck

Eine Sitzfläche in Form eines Einhorns als zentrales Element des neuen Platzes. Das Wiedererkennungszeichen Heeren-Werves wird groß in Szene gesetzt. © Stadt Kamen

Ein Minimum an Lärm und Staubentwicklung

Staub aufgewirbelt hatte die Großbaustelle Werver Mark im Jahr 2004 und 2005 nicht nur im übertragenen Sinn - Anwohner klagten über unerträgliche Lärmbelästigungen. Das soll bei der Umgestaltung der Dorfmitte nicht wieder passieren. Unter dem Punkt 2.8 „Schutzgebiete und Schutzzeiten“ heißt es, dass die Belästigung von Anwohnern und Passanten im Baustellenbereich und auf den Zufahrtsstraßen durch Lärm und Staubentwicklung auf ein Minimum zu beschränken ist. Verwiesen wird dabei auf die Bestimmungen des Bundes-Immissonsschutzgesetzes (BImSchG). Zudem: Das Unternehmen, das nach der Submission am Donnerstag den Zuschlag erhält, muss darauf achten, dass die Bäume im Sanierungsgebiet keinen Schaden nehmen. „Eine direkte Befahrung der Grünflächen bzw. des angedeckten Oberbodens ist nicht zulässig“, heißt es in dem Schriftwerk, das die Unternehmer gegenzeichnen müssen. In den Wurzelbereich eingreifende Arbeiten im Bereich der Kronentraufe dürften nur in Handarbeit durchgeführt werden.

Heerens Ortskern vor dem Umbau: Hier sind die Auflagen gegen Schmutz und Dreck

Auf der Märkischen Straße soll künftig wieder das Herz des Ortsteils schlagen, eine Flaniermeile und mehr Aufenthaltsqualität sollen die Bürger in diesen Bereich samt Mittelstraße und Westfälische Straße locken. © Stefan Milk

Versorgungsleitungen sollen nicht gekappt werden

Die Baggerschaufel an der falschen Stelle angesetzt, schon ist die Internetleitung gekappt oder das Kanalrohr durchbrochen. Deswegen steht das Unternehmen in der Pflicht, sich vor dem Baustart ein Bild über die Lage der Ver- und Entsorgungsleitungen zu verschaffen. Das wird im Übrigen nicht gesondert vergütet, sondern ist in den Gesamtkosten eingepreist. Wichtig: Alle beim Bau freigelegten Versorgungsleitungen müssen sorgfältig geschützt oder abgehängt werden. Alle Erschwernisse bei der Bauausführung, die sich durch schwierig liegende Leitungen ergeben, werden nicht gesondert vergütet, auch keine Stillstandszeiten, die sich dadurch ergeben.

Heerens Ortskern vor dem Umbau: Hier sind die Auflagen gegen Schmutz und Dreck

So schön soll es künftig im Heeren-Werver Ortskern aussehen. Die Aufenthaltsqualität soll steigen, es gibt mehr Raum für Radfahrer und auch für Veranstaltungen, die dort durchgeführt werden können. © Stadt Kamen

Ladenlokale müssen jederzeit erreichbar sein

Egal, ob Ladenlokale, Geschäfte oder Wohnungen. „Die Andienung“, wie es im Verwaltungsdeutsch für mobile Erreichbarkeit heißt, sei dauerhaft zu gewährleisten. Zudem müsse die fußläufige Verbindung auch der Privathäuser für die gesamte Dauer der Baumaßnahme aufrecht erhalten werden. Eine Sperrung der Wege soll auf ein Minimum reduziert werden. An die Müllabfuhr wird ebenso gedacht. Falls die Entsorgung nicht ungestört durchgeführt werden kann, muss das Bauunternehmen dafür sorgen, dass die Mülltonnen zu einem zentralen Sammelplatz - einfache Transportstrecke bis 500 Meter - gebracht werden. „Nach der Entleerung der Gefäße“, so heißt es, „sind diese umgehend sortiert und adressgenau zu retournieren.“

Die Neuanordnung eines unansehnlichen Bereichs

Die Unternehmen, die sich um den Auftrag bewerben, werden nicht nur mit derlei Vorgaben konfrontiert, sondern auch detailliert mit Hintergründen versorgt, warum die Ortsmitte umgestaltet wird und welchen Zweck sie künftig erfüllen soll. Mit der Sanierung der Märkischen Straße, die zwischen den beiden Bankhäusern und dem Küchenhaus „Specht“ verläuft, soll der bisher unansehnliche Bereich deutlich attraktiver werden und dazu ermuntern, sich dort länger aufzuhalten. Zentrales Element: Der Platz vor den Geldinstituten, der künftig autofrei sein wird - dafür sollen neu gesetzte Pollerreihen sorgen. Die Autos parken künftig in Queraufstellung auf der anderen Seite. Dadurch bleibt die Anzahl der Stellplätze nahezu erhalten. Vorgesehen sind 34 Stellplätze, davon vier als Familienparkplätze mit mehr Parkraum und drei Behindertenstellplätze. Die neuen Parkplätze werden in regelmäßigem Abstand von neu gesetzten Bäumen unterbrochen. Barrierefreie Fußgängerübergänge sollen dafür sorgen, so heißt es, „dass die Wachsamkeit der Autofahrer weiter erhöht wird“. Das Ortszentrum könne so noch besser als Station entlang der Seseeke-Radroute Bönen-Kamen-Lünen eingebunden werden.

Vorfahrt für den Radverkehr

Mehr Rechte für die Radfahrer und ein Autoverkehr, der an Bedeutung verliert. Die Straße soll zur Fahrradstraße werden - nach Vorbild der Bahnhofstraße zwischen Maibrücke und Koppelstraße, wo der Radverkehr auch in Pulks unterwegs sein darf, ohne von Autos überholt zu werden. Fahrradfahrer haben zudem zukünftig mehr Möglichkeiten, ihre Fahrräder in fest installierten Ständern abzustellen. Damit die Straße optisch weiter an Bedeutung verliert, soll sie auch an die Farbgebung der Gesamtgestaltung angepasst werden. Statt eines Standardasphalts schlagen die Stadtplaner eine Natursplittabstreuung vor, die den graubeigen Naturstein-Farbton des benachbarten Pflasters aufnimmt. Dabei soll vor allem die Großzügigkeit des Platzes vor Sparkasse und Volksbank unterstrichen werden.

Baubeginn vor den Sommerferien erscheint möglich

Wenn am Donnerstag die Angebote geöffnet werden, wird die nächste Stufe für das Ausschreibungsverfahren gezündet. „Dann werden die Angebote geprüft und verglichen, bevor der Auftrag erteilt wird“, beschreibt Stadtsprecher Peter Büttner das Verfahren. Ein Baubeginn vor den Sommerferien sei dann möglich. Eigentlich hätte der Baustart für die Neugestaltung des Heeren-Werver Dorfkerns schon voriges Jahr erfolgen sollen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kirchensanierung

Keine Einbildung: Warum die Kirchenglocken im Kamener Zentrum jetzt lauter läuten

Hellweger Anzeiger Kirmes in der Innenstadt

Fahrgeschäfte mit viel PS locken auf den Severinsmarkt - mit vielen Bildern

Hellweger Anzeiger Bergkamener Straße/Nordring

Anwohner verärgert: Gelbe Mülltonnen bleiben wegen Straßen-Großbaustelle ungeleert

Meistgelesen