Das Heerener Schloss hat jetzt einen runderneuerten Wassergraben. Die dreiwöchigen Arbeiten an dem Baudenkmal sind abgeschlossen. Was im Wasser verschollen bleibt, sind versenkte Orden aus der Nachkriegszeit.

Kamen, Heeren-Werve

, 03.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Bei Arbeiten am Wassergraben des Heerener Schlosses sind keine weiteren kuriosen Objekte aufgetaucht. Die Entschlammung der Gräfte des Baudenkmals wurde jetzt abgeschlossen, ohne dass die Arbeiter auf neue Zufallsfunde stießen. Der Einsatz eines Saugschwimmbaggers zielte darauf ab, den Teich zu entschlammen und das Wasserniveau so zu regulieren, dass das hölzerne Schlossfundament vor Fäulnis geschützt ist.

Schloss Heeren: Abschlussbilanz nach Arbeiten an Wassergraben

Objekte von archäologischem Wert sind nicht aufgetaucht: Alte Tüten, eine Gardine, ein Stück Norweger-Pullover und das Plastikdeck von einem Spielzeugschiff. Die einzigen geschichtsträchtigen Funde sind verkohlte Holzreste, die nach Recherchen des Ortsheimatpflegers Karl-Heinz Stoltefuß von einem Dachstuhlbrand im Jahr 1944 stammen sollen.

Schlossherr Friedrich-Christian von Plettenberg hat jetzt eine Abschlussbilanz der Arbeiten gezogen, die Anfang Oktober begannen und nach drei Wochen am vorvorigen Samstag endeten. Ursprünglich war eine Woche eingeplant. „Die Maßnahme war viel größer und auch sehr viel notwendiger als gedacht“, sagte der 53-Jährige. Zuletzt war der Schlossteich vor über 50 Jahren entschlammt worden. „Derjenige, der das damals machte, hat sich durch Schwierigkeiten aufhalten lassen“, weiß Plettenberg angesichts nun gewonnener Erkenntnisse über den Zustand des Grabens.

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Baggern und Saugen für den Erhalt des Heerener Schlosses

Am Heerener Schloss laufen Arbeiten, die dem Erhalt des Fundaments dienen. Ein Saugschwimmbagger ist im Einsatz.
08.10.2019
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Solange Wasser das Fundament des Heerener Schlosses umschließt, ist es geschützt. Ein dauerhaft niedriger Wasserpegel gefährdet das Fundament.© Borys P. Sarad
Das Heerener Schloss stammt aus dem Jahr 1606 und ist auf einem Eichenpfahlrost gegründet. © Borys P. Sarad
Thomas Feder von der Gewässerpflege-Fachfirma Sepp führt den Saugschwimmbagger, der den Schlossteich entschlammt.© Borys P. Sarad
Der Bagger hat einen Arbeitsradius von drei bis vier Metern und muss 4500 Quadratmeter Fläche abfahren.© Borys P. Sarad
Im Laufe der Jahre haben sich Laub, Schwebstoffe und anderes organisches Material im Schlossteich abgelagert. © Borys P. Sarad
Das Wasser-Schlamm-Gemisch wird über einen 200 Meter langen Schlauch von der Gräfte auf einen Acker abgepumpt.© Borys P. Sarad
Friedrich-Christian Freiherr von Plettenberg und Michael Gerold von der Firma Gerold Garten- und Landschaftsbau auf der Baustelle.© Borys P. Sarad
Der Schlossgraben ist zwischen einem halben und einem Meter tief. Einst diente er als letzte Verteidigungslinie. Davor gab es noch zwei andere, die heute nicht mehr erhalten sind.© Borys P. Sarad
Blick auf den Arbeitsbereich auf der Nordseite des Schlosses. Das Herrenhaus ist nicht etwa ein Museum, sondern der Wohnsitz der Familie von Plettenberg.© Borys Sarad
Friedrich-Christian Freiherr von Plettenberg: Erst wenn das Wasser rund 20 Zentimeter höher steht, ist das optimal für das Fundament.© Borys Sarad
Hier befand sich ein Anbau, der 1982 abgerissen wurde.© Borys Sarad
Solche Glashumpen landeten zur Feier des 25. Geburtstag von Friedrich-Christian von Plettenberg (53) in der Gräfte. Ob sie jetzt wieder auftauchen?© Borys P. Sarad
Das Heerener Schloss wurde im frühbarocken Stil erbaut. Neben dem Herrenhaus gibt es noch eine dreiflügelige Vorburg mit zweigeschossigem Torhaus sowie eine Orangerie.© Borys P. Sarad

Hartnäckige Schlammschicht in der Tiefe

Die Arbeiter der Spezialfirma Sepp sowie des Landschaftsbauers Michael Gerold sind beim Einsatz des Saugschwimmbaggers auf eine ältere, damals nicht entfernte Schlammschicht gestoßen. Diese war komprimiert und musste durchstoßen werden – was letztlich die Entschlammung in die Länge zog. „Wir haben diese Schicht mit rausgenommen“, so Plettenberg. Der Schlossteich ist nun ungefähr 1,30 Meter tief. „Die Burg ist jetzt schwieriger einzunehmen, weil man nicht mehr zum Fenster waten kann“, scherzt der Schlossbesitzer, der für seine launigen Festreden bei der alljährlichen Verleihung des Ordens „Heerener Horn“ bekannt ist. 2020 wird der Sänger Peter Maffay gewürdigt.

Kurios wäre es gewesen, wenn beim Entschlammen des Teichs auch die Glashumpen aufgetaucht wären, die der junge Plettenberg und seine Freunde einst bei einer Geburtstagsfeier leerten und ins Wasser warfen. Diese bleiben ebenso verschollen wie wertvolle Orden und Ehrenzeichen, von denen Senior Jobst Henrich von Plettenberg dem Heerener Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß zu berichten wusste.

Heerener Schloss: Wassergraben behält Geheimnis der verschollenen Orden

So wurde der Heerener Schlossteich vor über 50 Jahren entschlammt. Das Foto soll laut Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß aus dem Jahr 1965 stammen. © Archiv

? Was sind das für Orden und Ehrenzeichen, die bei Kriegsende im Wassergraben des Hauses Heeren landeten?

Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß: „Es waren die einrückenden Amerikaner, die 1945 für kurze Zeit Haus Heeren besetzten. Der deutsche Militarismus in jeder Form war verständlicherweise für sie ein rotes Tuch. Unter den GI‘s waren einige Rabauken, die wenig behutsam mit der Inneneinrichtung umgingen. Ein Bild, auf dem Familienmitglieder in preußischen Uniformen dargestellt waren, wurde von mehreren Gewehrkugeln durchbohrt. Schlimmer war der Umgang mit einem Schrank, in dem seit Generationen die zahlreichen Orden aufbewahrt wurden, die an Kammerherren, Erbmarschällen, Rittmeister, Grafen und Reichsfreiherren u.a. von Kaiser und Königen an Familienmitglieder verliehen wurden. Von der Brücke aus, entleerten die Amis den Schrank und Unersetzbares versank in den morastigen Grund der Gräfte.“

Welche Geschichte hat der Wassergraben – und wie wichtig ist er für den Erhalt des Heerener Schlosses?

Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß: „Wirkliche Sorgen um die Standfestigkeit des Hauses Heeren muss man sich nicht machen. Seit über 400 Jahren steht das Haus wie eine feste Burg auf seinem Fundament. In der Chronik der Gemeinde Heeren-Werve wird die gründliche Renovierung des Hauses in den Jahren 1965/66 beschrieben. Schon damals war es die Hauptaufgabe der für die Maßnahme Verantwortlichen, den Wasserspiegel der Gräfte auf eine Höhe zu halten, die die Beibehaltung der Konservierung des Pfahlfundaments sicherstellten. Dieses Fundament aus Eichenstämmen, die in die Erde gerammt wurden, wurde 1606 beim Bau des Hauses angelegt. Während die Gräben der naheliegenden, baufälligen Wasserburgen „Herne“ und „Hakenburg“ einen Zufluss durch den Mühlenbach hatten, verließ man sich bei dem neuen Bauplatz auf den hohen Grundwasserpegel, durch den die Gräfte gefüllt wurde. Weitere Wasserspender waren die Niederschläge, die durch oberirdische Wasserrinnen, von denen heute noch einige sichtbar sind, in die Gräfte geleitet wurden. Auch alle Hauswässer, einschließlich der Toilettenspülung, wurden der Gräfte zugeführt. Heute ist das Haus an die Kanalisation angeschlossen. Stark verunreinigt wurde die Gräfte im Jahr 1944, als der Dachstuhl des Hauses völlig ausbrannte. Herabstürzendes Mauerwerk und verkohlte Holzbalken landeten auf den Grund der Gräfte.“

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Baggern für den Erhalt des Heerener Schlosses

? Die letzte Entschlammung des Schlossteichs ist über 50 Jahre her. Wie wurde das damals gemacht?

Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß: „Die Renovierung begann damals mit dem Entschlammen der Gräfte. Wie heute, kam auch damals ein Saugbagger zum Einsatz. Der drückte den Schlamm in einen großen Wassergraben am nördlichen Rande des Parks, den man den „dritten Teich“ oder auch den „alten Fischteich“ nannte. Hier setzte sich der Schlamm ab und das Wasser floss auf die nahe liegenden Wiesen. Gleichzeitig musste der Wasserverlust ausgeglichen werden. Diese Aufgabe hatte die Feuerwehr übernommen. Sie pumpte über eine lange Schlauchleitung Wasser in einer fragwürdigen Qualität aus der Seseke in den Hausteich. Diese Arbeiten wurden dann wegen der immensen Kosten eingestellt. Es blieb bei der Säuberung des nordöstlichen Teils der Gräfte. Mit dem übrigen Renovierungsprogramm, wie der Fassadenerneuerung und dem Neuaufbau der Dreibogenbrücke betrug die Investition 150.000 DM.“

? Was haben Sie noch über den Wassergraben herausgefunden?

Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß: „Allen Generationen der Familie von Plettenberg lag der Erhalt des Hauses am Herzen. Dabei spielte die Gräfte immer eine wichtige Rolle. Im Baubuch des Hauses befindet sich folgender Eintrag: ‚1856 – 1857 wurde im Winter der Hausgraben ausgeworfen und dadurch 495 ½ Schachtruthen Moder gewonnen. Das Auswerfen wurde pro Schachtruthe mit einen Thaler bezahlt. Gleichzeitig wurde der unmittelbar an der Bache (heute Mühlenbach) liegende alte Fischteich ausgeworfen und speziell zur Aufbewahrung der gefangenen Fische eingerichtet.‘ Heute leben in der Gräfte dicke Karpfen, die hoffentlich das Absaugen des Schlammes gut überstehen werden. Die Karpfen landen nicht auf dem Teller, denn Angeln ist nicht erlaubt.“

Heerener Schloss: Wassergraben behält Geheimnis der verschollenen Orden

Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß. © Stefan Milk/Archiv

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