Michelle Loth am ersten Arbeitstag nach dem Ende des Friseur-Lockdowns. Die Auszubildende steuert auf ihre Prüfungen, sowohl theoretisch als auch praktisch, zu. © Carsten Janecke
Salon „Hauptsache Liza“

Hauptsache Glücksgefühle: Warum nicht alle Friseur-Kräfte im Lockdown waren

Glücksgefühle erleben Mitarbeiterinnen und Kunden im Salon „Hauptsache Liza“ nach dem Ende des Friseur-Lockdowns. Nicht alle Kräfte waren zuvor untätig, wie das Beispiel von Michelle Loth zeigt.

Hauptsache Liza heißt der Friseursalon an der Weststraße. Am Montag nach zehnwöchiger Schließung lautet dort das Motto eher: Hauptsache Glücksgefühle. Das gilt für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen. „Wir freuen uns alle total“, sagt Friseurmeisterin Liza Metrina. „Auch wenn wir nicht an Aufgabe gedacht haben – die Schließung war nervenaufreibend“, sagt sie, als eine frisch frisierte Kundin entzückt ruft: „Ich bin einfach nur happy!“

Nicht alle Friseur-Kräfte im Lockdown

Während für die Kolleginnen nach zehnwöchiger Lockdown-Pause die Arbeit wieder richtig anläuft, war sie für die Auszubildende Michelle Loth gar nicht unterbrochen.

Die 19-Jährige aus Bergkamen-Weddinghofen steuert auf ihre Prüfungen, sowohl theoretisch als auch praktisch zu, und hatte auch während des Lockdowns Unterricht. Online an der Märkischen Berufsschule Unna.

„Der Distanzunterricht macht mir auch ein bisschen Sorge“, sagt sie mit Blick auf die Prüfungen. „Man ist nicht so nah dran an den Lehrern wie sonst, man kann nicht so gut nachfragen. Diese Distanz ist schon komisch.“

Michelle schon von Kind auf nah dran am Friseur-Handwerk

Wirtschafts- und Betriebslehre, Englisch, Mathe, Farb- und Formveränderung sowie Pflege und Gestaltung – das sind einige der Fächer, die Michelle Loth jetzt büffelte, während das Geschäft an der Weststraße geschlossen war. Digitalunterricht immer mittwochsmorgens. „Von Themen wie ‚Wie erkenne ich die Gesichtsform‘ bis zu ‚Wie begrüße ich die Kunden‘“, berichtet sie.

Kenntnisse, die seit Montag wieder anwenden kann. „Ja, Michelle hat großes Talent“, sagt ihre Chefin. Kein Wunder: Sowohl die Mutter als auch die Großmutter waren Friseurinnen. „Ich war schon von Kind auf früh dabei. Es ist ein schöner Beruf!“

Eigentümer verzichtete auf Ladenmiete

Ein Beruf, der durch den Lockdown neue Wertschätzung erlangt. Das spürt auch Liza Mitrena, deren Auftragsbuch nun in den nächsten zweieinhalb Wochen prall gefüllt ist – mit täglich etwa 30 Kunden. „Es gibt im März noch vereinzelt freie Termine“, sagt sie.

Sie nutzte die Zeit des Lockdowns dazu, das Ladenlokal, in dem früher die bekannte Buchhandlung „Hagena“ war, zu renovieren. „Unter anderem sind die Wände frisch gestrichen“, sagt sie.

Dankbar ist sie dem Verpächter, der im Februar und März auf die Ladenmiete verzichtete. Geld, das sie in die Renovierung steckte: „Um ein Zeichen zu setzen: Es geht weiter!“

Waschen, färben, fegen

Auch für Michelle Loth geht es jetzt richtig weiter, bevor Ende Mai die theoretische Prüfung kommt und die praktische wohl Mitte Juni. „Der Termin steht noch nicht fest“ sagt sie. Ihre Aufgaben bei Liza: Haare waschen, Haare färben und Haare fegen.

Die Haare der Kunden sind für sie noch tabu. Um Praxiserfahrungen zu sammeln, hat sie ihre eigenen Models: Das sind Mitglieder der Familie, aus dem Freundeskreis. „Und auch aus der Nachbarschaft“, sagt sie schmunzelnd.

Vor 19 Jahren in Kamen gestartet

In dem 140 Quadratmeter großen Ladenlokal ist es im Übrigen nicht schwer, die in der neuen Corona-Schutzverordnung geforderten Abstände einzuhalten. Waren nach dem ersten Lockdown pro Quadratmeter zehn Kunden erlaubt, sind es jetzt zehn Personen – Mitarbeiter werden jetzt mitgerechnet.

„Das ist kein Problem, weil wir die erlaubten 14 Personen hier fast nie erreichen“, so Liza Mitrena, die zurzeit vier Kräfte im Einsatz hat. Sie erinnert sich zurück an ihr erstes Lokal an der Weerenstraße, als sie von 19 Jahren mit dem Haareschneiden in Kamen begann. „Mit 40 Quadratmetern wäre das jetzt viel zu klein.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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