Tag für Tag verschwindet ein weiteres Stück der Stadtvilla Möcking. Die Abrissarbeiten schreiten voran. Bis Ende 2020 entsteht dort ein Wohn- und Geschäftshaus – das soll nicht zu sehr auffallen.

Kamen

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine grüne Plastikfolie flattert sanft im Wind. Sie hängt am Bauzaun, soll vielleicht den Blick auf das Chaos dahinter verhindern. Doch wer nur ein Stück weiter die Nordstraße in Richtung Kamen Quadrat entlangspaziert, der sieht alles. Feine Drähte, der sich fransig aus der Mauer drücken, darunter Schaufenster, die keine mehr sind und hinter denen keine sauberen, neuen Möbel stehen – sondern sich Dreck, Staub und Leere breit machen. Eine Treppe, die damals ins obere Stockwerk geführt hat, endet im Nichts. An ihrem Ende gibt ein großes Loch den Blick auf das Gebäude dahinter frei.

Hasta la Villa! Das Möbelhaus Möcking verschwindet in großen Schritten aus dem Stadtbild

Im Hinterhof stapeln sich Holzbalken, Treppen und sogar Badewannen. © Pott

Auf die Entkernung folgt der nicht zu übersehende Abriss des einstigen Möbelhauses Möcking

Was man von der Nordstraße aus nicht sieht, ist der große Holzberg im Hinterhof – auch eine Badewanne und eine Treppe sieht man dort liegen, wenn man sich auf der anderen Seite der Baustelle an die einstige Villa herantastet. Auf dem Berg thront ein großer Bagger, der das Gebäude Stück für Stück zurückbaut. Während am Mittwoch noch ein Teil der Fassade an dem Gebäude hängt, ist am Freitagmorgen nur noch die Brandmauer zu sehen.

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Kamener, die die Baustelle an der Nordstraße passieren, bleiben stehen und verfolgen das, was mitten in der Innenstadt geschieht. Während vor wenigen Wochen noch nicht viel zu sehen war, ändert sich das Bild der Stadtvilla Möcking nun fast täglich. Dass die Arbeiter schon seit Ende des vergangenen Jahres mit dem Gebäudes beschäftigt sind, wird deutlich, wenn man einen Blick ins Innere wirft: Das Haus wurde entkernt, bevor der Rückbau Ende April begann.

Hasta la Villa! Das Möbelhaus Möcking verschwindet in großen Schritten aus dem Stadtbild

Möcking-Abriss: Am Freitagmorgen wurden Passanten, die in Richtung Kamen Quadrat unterwegs waren, von einer nackten Backsteinmauer begrüßt. © Pott

Modernes Wohnhaus soll die denkmalgeschützten Gebäude nebenan nicht in den Schatten stellen
ABSCHIED VOM MÖBELHAUS

beta investiert zehn Millionen Euro

  • Das Möbelhaus „Möcking“ hat im Frühjahr 2017 nach über 100-jähriger Geschichte die Türen seines Hauses geschlossen.
  • Weil es sich um ein innenstadtprägendes Gebäude in direkter Nähe zu denkmalgeschützten Objekten wie der Lutherkirche und dem Alten Pfarrhaus der Ev. Kirchengemeinde handelt, nimmt auch die Stadt Kamen als Untere Denkmalbehörde Einfluss auf das Projekt.
  • Rund zehn Millionen Euro sollen nach Angaben des Bauträgers beta Eigenheim in die Eigentumswohnungen an der Nordstraße investiert werden.
  • Dabei handelt es sich um die zweitgrößte Investition in diesem Bereich der Innenstadt seit dem Bau des Einkaufszentrums „Kamen Quadrat“.
  • Das Bauunternehmen beta Eigenheim wurde 1977 in Hamm gegründet und betreut Projekte im Ruhrgebiet – etwa im Kronprinzenviertel in Dortmund.

Von dem ehemals zentralen Kaufhaus für Möbel und Inneneinrichtung wird nicht mehr viel übrig bleiben. Dort soll bis Ende 2020, Anfang 2021 ein modernes Wohnhaus entstehen. Das Stadtbild an der Nordstraße wird sich an der Stelle deutlich verändern – allzu sehr hervorstechen und den historischen Wert der denkmalgeschützen Gebäude in der Nähe beeinträchtigen soll der Neubau allerdings nicht. Pläne sehen vor, dass sich das Gebäude fließend einfügen wird, hieß es von dem verantwortlichen Bauunternehmen „beta Eigenheim- und Grundstücksverwertungsgesellschaft“. Es soll sich in das vorhandene städtische Gefüge integrieren. So sollen einige Elemente erhalten bleiben. Die vorhandene Jugendstilverglasung wurde vor dem Abriss ausgebaut und soll im neuen Gebäudekomplex wieder verbaut werden.

Auch wenn es jetzt noch unvorstellbar ist, dass man dort, wo sich jetzt Holzbalken, Betonteile und sogar eine alte Badewanne türmen, bald ein schickes Wohn- uind Geschäftshaus mit grüner Außenanlage entstehen soll, nennt beta Eigenheim schon ungefähre Preise für Interessenten. Die Kaufpreise sollen demnach zwischen 2900 Euro und 3050 Euro pro Quadratmeter liegen. Eine 106 Quadratmeter große Wohnung würde dann im äußersten Fall etwa 325.000 Euro kosten.

Hasta la Villa! Das Möbelhaus Möcking verschwindet in großen Schritten aus dem Stadtbild

Am 22. Mai sah die Möcking-Villa noch so aus. Bis auf den entkernten Innenraum stand das Gebäude noch. Das sollte sich in nur wenigen Tagen ändern. © Stefan Milk

Möbelhaus Möcking verschwindet nach langer Geschichte aus der Kamener Innenstadt

Das Möbelhaus „Möcking“ hatte im Frühjahr vorigen Jahres nach über 100-jähriger Geschichte die Türen seines Hauses geschlossen. Weil es sich um eine innenstadtprägendes Gebäude in direkter Nähe zu denkmalgeschützten Objekten wie der Lutherkirche und dem Alte Pfarrhaus der Ev. Kirchengemeinde handelt, nimmt auch die Stadt Kamen als Untere Denkmalbehörde Einfluss auf das Projekt. beta Eigenheim hatte signalisiert, auf derlei Wünsche Rücksicht zu nehmen.

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Während der Abrissarbeiten soll die Nordstraße weiterhin befahrbar bleiben. Seit Ende April ist sie im Bereich des ehemaligen Möcking-Gebäudes halbseitig gesperrt – so wird der Lieferverkehr für das Kamen Quadrat nicht beeinträchtigt. Hinter dem Bauzaun, der vor dem Gebäude aufgestellt wurde, ist Platz für Container und Arbeitsgeräte. Die Sperrung ist laut den letzten Informationen aus dem Rathaus bis Herbst vorgesehen. Für die Phase des Neubaus rechnet die Stadt mit einer entsprechenden Verlängerung.

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