Da behaupte noch einer, es gebe keine guten Nachrichten mehr über die von der Hitze gestressten Bäume: „Alles im grünen Bereich", urteilt Förster Matthias Müller bei einer Visite in Kamen.

von Werner Wiggermann

01.08.2019, 14:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ausgerechnet die andernorts schon schwer geschädigten Buchen schwächeln kaum zwischen Schattweg und Bredde. Vitale, grüne Kronen, wohin man schaut. Das Heerener Holz zeigt einige seiner starken Seiten anscheinend erst, wenn's eng wird. Wenn wie jetzt die Fähigkeit des Bodens gefragt ist, noch genügend Feuchtigkeit in Höhe des Wurzelwerks zu bieten. „Wenn die Feinwurzeln erst vertrocknet sind und nicht direkt neue gebildet werden können, sind die Buchen zum Absterben verurteilt", erklärt Förster Matthias Müller.

Was für den Heerener Wald dramatisch wäre. Schließlich befinden wir uns hier im „Buchenoptimum": Klima und Boden begünstigen das Gedeihen der wertvollen Laubbäume so sehr, dass sie konkurrierenden Arten einfach über die Krone wachsen und damit - ohne menschliches Eingreifen - den Wald dominieren.

Gute Nachricht aus dem Heerener Holz: Im Wald ist alles im grünen Bereich

Die Fläche am Schattweg wurde neu als "Stieleichen-Hainbuchen-Gesellschaft" angelegt. Die jungen Bäume werden in Kürze einmal freigeschnitten. © Wiggermann

Buchen auf dem Vormarsch

In der Naturwaldzelle innerhalb des Heerener Waldes wird das wahrscheinlich so kommen. Seit 23 Jahren bleibt hier die Natur sich selbst überlassen. Ein Zaun sperrt Menschen Und Rehe aus - die Fachleute möchten sehen, ob sich die Buchen wirklich durchsetzen. Bis jetzt gibt es kaum Anlass daran zu zweifeln. Allerdings verlieren die Eichen nicht überall. Sie fallen zum Beispiel nicht so oft Stürmen zum Opfer wie die flach wurzelnden Buchen - und wo eine solche fiel, entstand Raum und Licht für andere.

Auch wo planvoll eingegriffen wird in die Weiterentwicklung des Waldes, also außerhalb der Naturwaldzelle, sind Buchen dominant - und überall haben sie die Hitze bislang gut überstanden. Bisher gibt es also kaum Veranlassung, über einen Umbau des Waldes nachzudenken. Zum Beispiel über Baumarten aus südlichen Klimazonen. Wenn Flächen erneuert werden, zum Beispiel weil die alten hohen Pappeln zu einem Sicherheitsrisiko werden, setzen die Forstfachleute auf Mischwald-Konzepte, die auch schon vor den trockenen Sommern 2018 und 2019 hier verfolgt wurden und jetzt immer noch als standortgerecht gelten.

Gute Nachricht aus dem Heerener Holz: Im Wald ist alles im grünen Bereich

Der Wald ist schön und sauber. Auch weil sich die meisten Spaziergänger an die Grundregeln halten - und einige von ihnen auch noch ein wenig mehr leisten. © Wiggermann

Ziele: Alter, Schönheit und Vielfalt

So wurde vor wenigen Jahren am Schattweg eine kleinere Fläche als Stieleichen-Hainbuchen-Gesellschaft neu bepflanzt. Mit ergänzenden Arten wie Feldahorn, Flatterulme, Winterlinde oder Kirsche. „Damit streben wir ein Erscheinungsbild an, das sich an mehreren Zwecken ausrichtet", erklärt Müller: „Der Wald soll alt und wertvoll werden, schöner werden, vielfältig werden." Eben kein reiner Buchenwald, wie es sich hier irgendwann ohne Eingriffe ergeben würde.

Schön ist der Wald aber auch jetzt schon. Vielfältig ist er, weil die einzelnen Teilflächen sehr unterschiedliche Merkmale zeigen. Und ein intakter Lebensraum ist er, obwohl so viele Menschen ihn täglich als Naherholungsraum nutzen. Die meisten von ihnen halten sich nämlich an die Regeln, bleiben auf den Wegen, halten Hunde angeleint und missbrauchen den Wald nicht als Müllkippe. Und wenn es der eine oder andere doch tut, dann gleichen andere diese Dummheiten durch unbezahltes Engagement aus: „Wir haben hier auch deshalb einen sehr sauberen Wald, weil täglich einige Bürgerinnen mit einer Tüte durch gehen und Müll einsammeln", lobt Müller.

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Diese Buchen sind einem Sturm zum Opfer gefallen - so ist hier einmal Platz und Luft für andere Arten entstanden. © Wiggermann

Auch junge Bäumchen hielten durch

Vielleicht wird das in der neu angeschonten Fläche in Rottum irgendwann auch so sein. Im letzten Herbst hat sie Müller im Auftrag der Stadt bepflanzen lassen. Nach einem ähnlichen Konzept wie am Schattweg. Esskastanien, Kirschen, Linden, Stieleichen, Hainbuchen und Feldahorn bestimmen die Kernfläche; ein 8 bis 10 Meter breiter Rand wurde mit unterschiedlichen Straucharten - Ebereschen, Weiß- und Schwarzdorn, Feldulme, Pfaffenhütchen, Wildapfel und -birne - bepflanzt. „Hier wird die Vielfalt später am größten sein. Hier wird es blühen und summen, wird ökologisch am meisten los sein", hofft Müller. Ob es wirklich so kommt, kann niemand ganz genau wissen. Was passiert, wenn weitere staubtrockene Sommer ins Land gehen? Heute lässt sich nur sagen, dass alles überraschend gut aussieht.

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Förster Matthias im Heerener Holz. Der Wald dient nicht nur als Naherholungsgebiet, sondern ist auch Naturschutzzone. © Wiggermann

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Junge Bäumchen in Rottum begeistern den Förster

Auch die jungen Bäumchen in Rottum begeistern den Förster, der nach mehreren Wochen mal wieder hier ist. „Sieht super aus", bilanziert er. Gelbbraun vertrocknet ist nur das Gras zwischen den jungen, völlig normal gewachsenen Gehölzen. Unter denen gibt es vielleicht drei und fünf Prozent Ausfälle. Nichts Besonderes, das wäre auch in einem normalen Sommer passiert. Zu erklären ist das schöne Ergebnis eigentlich nicht. Der Boden müsste längst tiefer ausgetrocknet sein. „Warum schaffen das die Bäume?" Ja, wenn es nicht einmal der Förster weiß...

Was wir aber alle nicht wissen: Könnten die Rottumer Bäumchen noch einen Sommer mit Gluthitze und seltenen Niederschlägen verkraften? So schön der Befund Anfang August 2019 auch immer ist, er bleibt eine Momentaufnahme - und das gilt auch für die großen Buchen im Heerener Holz.

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