Es ist ein Dauerthema, das in Kamen heißt diskutiert wird: Der Lkw-Lärm. Nun will die Stadt das Problem lösen - und zwar nachhaltig. Der Lärmaktionsplan muss warten.

Kamen

, 01.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Lärm durch Lkw ist ein Dauerthema in Kamen. Besonders Anwohner der Lünener Straße und der Werver Mark leiden offenbar. Das zeigen die Beschwerden der vergangenen Monate deutlich. Die Stadt positioniert sich klar auf der Seite der Anwohner. „Das ist nicht nur subjektiv zu laut, sondern auch objektiv. Ich kann das verstehen“, sagt der Erste Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke im Gespräch mit der Redaktion.

Doch die Stadt will nicht nur einzelne Straßen in den Blick nehmen, auch wenn es für ganz bestimmte Bereiche wie die Werver Mark Beschwerden und Vorschläge gibt. Zuletzt wurde dem SPD-Antrag, ein Nachtfahrverbot auf der Werver Mark zu prüfen, stattgegeben. Doch bei solch einer Prüfung nur die eine Straße in den Blick zu nehmen, könnte zu Beschwerden an anderer Stelle führen. „Wir wollen das Problem nicht vor eine andere Haustür verlagern“, erklärt Liedtke.

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Ohne zu wissen, welchen Weg die Lkw im Falle eines Verbotes nehmen würden, sollte eine solche Entscheidung nicht voreilig getroffen werden, meint der Beigeordnete. „Das kann man nicht dem Zufall überlassen.“ Und das will die Stadt auch nicht. Ganz im Gegenteil: Die Verwaltung hat in der vergangenen Woche ein Lkw-Lenkungskonzept in Auftrag gegeben.

Die ganze Stadt und die Umgebung werden umfassend untersucht und analysiert

Dieses Konzept wird von dem Fachunternehmen erstellt, das auch den Lärmaktionsplan für die Stadt verfasst. Für das Lkw-Lenkungskonzept nimmt das Unternehmen nun die ganze Stadt und auch die Region in den Blick und analysiert die Verkehrssituation genau. Sobald das Konzept vorliegt, werden Lösungen erarbeitet und diese in einen neuen Entwurf für einen Lärmaktionsplan eingearbeitet. Der wird dann erneut im Rathaus ausgelegt, damit Bürger sich informieren und dazu äußern können.

Auf der Lünener Straße in Kamen dürfen Lkw fahren. Das sorgt für Lärm und führte zu Anwohnerbeschwerden.

Auf der Lünener Straße dürfen Lkw fahren. Das sorgt für Lärm und führte zu Anwohnerbeschwerden. © Stefan Milk

Dass der Aktionsplan also nicht, wie ursprünglich angedacht, vor der Sommerpause vorliegen wird, liegt auf der Hand. „Das kann Monate dauern. Es könnte auch Anfang 2021 werden“, sagt Liedtke. Festlegen will man sich nicht, da das Projekt sehr umfangreich ist.

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Immerhin muss das Büro, welches das Gutachten erstellt, vieles beachten und untersuchen. Beispielsweise müssen im Falle einer Sperrung die Alternativrouten für Lkw geeignet sein. Liegen auf der Strecke zum Beispiel schmale Brücken oder gibt es Tonnagebegrenzungen, fallen sie weg. Ebenfalls ist wichtig zu wissen, wann die Gewerbegebiete angefahren werden. Gibt es Firmen, die nachts keine Ware empfangen? Dann wäre ein Nachtfahrverbot auf dieser Strecke unsinnig.

Lkw-Fahrer werden befragt, um zu verstehen, wie sie ihre Routen wählen

Entscheidend sind freilich auch die genauen Wege, die die Lkw-Fahrer nehmen. Um diese Strecken zu ermitteln, werden laut Liedtke die Fahrer befragt. Man will wissen, von wo sie kommen, wohin sie möchten und warum sie sich für diesen Weg entschieden haben – und zum Beispiel von Bergkamen durch die Stadt fahren und nicht über das Kamener Kreuz kommen, wenn sie Gewerbegebiete in Kamen anfahren. „Wir haben schon tolle Umgehungsstraßen: Die Autobahnen“, sagt Matthias Breuer, Fachbereichsleiter für Planung, Bauen und Umwelt. Stellt sich nur die Frage, warum die Lkw-Fahrer sie nicht nutzen.

Peter Streich, Anwohner der Werver Mark, beschwerte sich in der Einwohnerfragestunde des Kamener Planungs- und Straßenverkehrsausschusses im vergangenen Jahr über die Situation auf der Landesstraße.

Peter Streich, Anwohner der Werver Mark, beschwerte sich in der Einwohnerfragestunde des Kamener Planungs- und Straßenverkehrsausschusses im vergangenen Jahr über die Situation auf der Landesstraße. © Carsten Fischer

Grund könnten ihre Navigationssysteme sein. Auch die würden sich mit einem neuen Lärmaktionsplan verändern, denn Kamen schickt regelmäßig Daten an Navigationshersteller - und das übrigens schon seit 2012, wie Breuer erklärt. Vier Mal im Jahr sorgt die Stadt dafür, dass die meisten Navis Sperrungen, Baustellen Fahrverbote etc. in Kamen erkennen. Ohne die aktive Bereitstellung der Daten vonseiten der Stadt würde das sonst lange dauern.

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Das ist auch ein entscheidender Punkt für den Lärmaktionsplan, den die Stadt derzeit zum dritten Mal ausarbeitet. Solche Aktionspläne hat es schon gegeben und sie haben durchaus auch gefruchtet und Verbesserungen mit sich gebracht. Neu ist allerdings, dass es dieses Mal ein umfassendes Konzept für das gesamte Stadtgebiet geben soll. Und darauf lohnt es, zu warten, wie Liedtke findet. „Wir nehmen uns dafür Zeit.“

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