Gasversorgung in Kamen, Bergkamen und Bönen

GSW-Chef Jochen Baudrexl: Neue Eskalationsstufe erhöht Druck auf Preise

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die zweite Krisenstufe beim Erdgas ausgerufen. Der Chef der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW), Jochen Baudrexl, erklärt, was auf die Verbraucher zukommt.
Jochen Baudrexl: „Leider könnte die historische Entwicklung auf dem Energiemarkt erneut Auswirkungen auf unsere Kundinnen und Kunden haben. “ © Tim Luhmann

Eine Preiserhöhung zum 1. Juli ist bereits angekündigt, weitere Erhöhungen könnten folgen: Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen-Bergkamen-Bönen haben mit einer öffentlichen Stellungnahme auf die Ausrufung der zweite Krisenstufe beim bundesweiten Notfallplan Gas reagiert. GSW-Chef Jochen Baudrexl bereitet die Kundinnen und Kunden darin auf mögliche preistreibende Auswirkungen des russischen Drehs am Gashahn vor, kündigt aber noch keine neuen Preiserhöhungen oder konkrete Termine an.

Wenige Stunden nachdem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Donnerstag die zweite von drei Stufen des bundesweiten Notfallplans ausgerufen hatte, verschickten die GSW eine Pressemitteilung unter dem Titel „Auswirkungen auf die Kunden der GSW“.

Die Versorgungssicherheit sei zum jetzigen Zeitpunkt gewährleistet, schiebt GSW-Chef Baudrexl vorweg. Dennoch müsse der Energiemarkt nun „neu betrachtet“ werden. Weiter wird Baudrexl mit den Worten zitiert: „Wir könnten dazu gezwungen werden, die Preise in unseren Erdgas-Tarifen erneut anpassen zu müssen. Leider könnte die historische Entwicklung auf dem Energiemarkt erneut Auswirkungen auf unsere Kundinnen und Kunden haben. Das bedauern wir sehr. Wir tun alles dafür, die Belastung für die Kunden so gering wie möglich zu halten.“ Bereits angekündigt ist eine Preiserhöhung zum 1. Juli um etwa 20 Prozent oder 20 Euro im Monat bei einem Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden. Die GSW haben über 22.000 Gas-Kunden.

Mit dem Ausrufen der Alarmstufe aufgrund der reduzierten Gaslieferung aus Russland verschärfe sich die Situation ein weiteres Mal. „Wir haben innerhalb kürzester Zeit eine neue Dimension erreicht, auf die wir nun reagieren müssen“, so Baudrexl.

„Wir haben innerhalb kürzester Zeit eine neue Dimension erreicht, auf die wir nun reagieren müssen.“

Jochen Baudrexl

Wenn die Bundesnetzagentur nach dem Ausrufen der Alarmstufe durch den Bundeswirtschaftsminister nun eine „erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland“ feststellt und dies im Bundesanzeiger veröffentlicht (dies sei bislang noch nicht geschehen), stünden die Verantwortlichen der GSW vor neuen Herausforderungen in der Beschaffung von Erdgas.

Ausschlaggebend werde dann sein, so der GSW-Chef weiter, wie die Vorlieferanten auf die Engpässe reagieren werden. Sollten diese – anders als lange im Vorfeld und vertraglich vereinbart – neue, erhöhte Preise für Erdgas auflegen, können die GSW eine Preiserhöhung nicht ausschließen.

„Gas ist von nun an ein knappes Gut“, hatte Minister Habeck am Donnerstag erklärt. Einer Feststellung, der sich Baudrexl anschließt.

Mit der zweiten Notfallstufe ist offiziell festgestellt, dass eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage vorliegt. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Markt noch in der Lage ist, dies zu bewältigen, ohne dass der Staat eingreifen muss. Erst in der dritten Eskalationsstufe müssen insbesondere größere Industrie-Unternehmen mit Einschränkungen rechnen. Privathaushalte bleiben geschützt, aber nicht vor Preiserhöhungen.

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