Grün statt Grau: Kamen reagiert auf Diskussion um Schottergarten-Verbot

dzTipps für Gartenbesitzer

Gartenbesitzer in Kamen sollen freiwillig auf geschotterte, versiegelte Flächen verzichten. Dazu gibt es jetzt Tipps beim Klimaschutz-Manager im Rathaus. Ein Schottergarten-Verbot droht, wenn überhaupt, nur in Neubaugebieten.

Kamen

, 02.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein grüner Vorgarten muss nicht viel Arbeit machen. Das ist eine der zentralen Botschaften in einem neuen Faltblatt der Stadt Kamen. Die darin zusammengefassten Tipps sind die Antwort auf die politische Diskussion um ein Schottergarten-Verbot, das von Bündnisgrünen und Linke/GAL gefordert worden war und in abgeschwächter Form beschlossen wurde. Für Gartenbesitzer ändert sich vorerst nichts.

Klimaschutzmanager Tim Scharschuch präsentiert in dem Flyer, der jetzt vorab online veröffentlicht wurde und demnächst in gedruckter Form vorliegen soll, Argumente und Tipps für einen grünen Garten. „Grün statt Grau – die Vorteile naturnaher Vorgärten“ – lautet der Titel.

Rhododendron und andere immergrüne Gehölze empfohlen

Der mutmaßlich geringere Pflegeaufwand gilt als ein Hauptargument für geschotterte Gärten. Solche Argumente versucht der Klimaschutzmanager zu entkräften. Es gebe eine Vielzahl an heimischen Pflanzen, die nur ein Minimum an Pflege brauchen, heißt es auf dem doppelt gefalteten DIN-A4-Blatt.

Immergrüne Gehölze wie Buchsbaum, Stechpalme oder Rhododendron seien auch im Winter grün. Zusätzlich könnten mit einjährigen Sommerblumen das ganze Jahr über farbige Akzente gesetzt werden.

Stauden wachsen laut Flugblatt problemlos in jedem Vorgarten und müssten nur einmal im Jahr geschnitten werden. Als Beispiele für heimische Sorten werden Königskerze, Veilchen, Primeln und Sonnenhut genannt.

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Schotterbeet schützt langfristig nicht vor Unkraut

Lieber Schotter als Unkraut im Garten – nach dieser Devise wird der Boden oft mit Schotter und Vlies bedeckt. „Was viele nicht wissen: Schottergärten machen auf lange Sicht sogar mehr Arbeit!“, warnt das Flugblatt. Denn Unkraut, Algen, Flechten und Moose siedelten sich auch auf Steinen an. Kies und Schotter davon zu befreien, sei viel aufwendiger, als ein mit Stauden besetztes Beet zu pflegen.

Ein besseres Mikroklima in der Stadt und Überschwemmungsschutz bei Starkregen tauchen als Argumente gegen Schottergärten in dem Flyer auf. Verschiedene Mulcharten auf Beeten verhinderten ein Verschlämmen und Verdichten des Bodens. Der Boden könne so mehr Wasser aufnehmen und besser halten.

Das Flugblatt wurde am vorigen Donnerstag im Planungsausschuss präsentiert, der einen vorherigen Beschluss des Umweltausschusses mehrheitlich bekräftigte. Die Stadtverwaltung soll für zukünftige Bebauungspläne mögliche Festsetzungen bzw. Regelungen gegen Schottergärten prüfen. Für bestehende Gärten ändert sich also erst einmal nichts.

Linke: SPD könnte „Mehrheit verlieren zugunsten der AfD“

„Ich fände es bedauerlich, wenn Sie die Mehrheit verlieren würden zugunsten der AfD“
Friedhelm Schaumann (Linke)

Denis Aschhoff (SPD) begrüßte den Flyer. Lieber an das grüne Bewusstsein der Menschen appellieren statt ein Verbot zu verhängen, argumentierte er. Bündnisgrüne und Linke/GAL kritisierten den Beschluss erneut, weil er hinter ihren Forderungen zurückbleibt. Friedhelm Schaumann (Linke) forderte die SPD auf, beim Klimaschutz nicht zu zögern. Schon in einem Jahr werde vermutlich eine Partei im Stadtrat sitzen, die den menschengemachten Klimawandel leugne. „Ich fände es bedauerlich, wenn Sie die Mehrheit verlieren würden zugunsten der AfD“, sagte er. Daraufhin gab es ein Raunen im Saal. „Ich vermag diese Zukunftsaussichten nicht zu sehen“, entgegnete Ausschussvorsitzender Friedhelm Lipinski (SPD). „Da haben wir alle etwas daran zu tun, dass eine rechtsorientierte Partei nicht in den Stadtrat einzieht.“

Das Faltblatt der Stadt Kamen zum Thema „Grün statt Grau – die Vorteile naturnaher Vorgärten“ ist unter www.kamen.de (Rubrik: Dienstleistungen/Klimaschutz) abzurufen. Klimaschutzmanager Tim Scharschuch ist unter Tel. 02307/148-2639 zu erreichen.
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