Großzügige Spiegelwände statt Yoga wie die Ölsardinen

Die neue Volkshochschule in Heeren

Die VHS auf dem Weg zum modernen Haus der Erwachsenenbildung – die ehemalige Käthe-Kollwitz-Schule ist zur Großbaustelle geworden: Eine Besichtigung mit Leiter Thomas Freiberger.

15.10.2018, 16:47 Uhr / Lesedauer: 3 min
Großzügige Spiegelwände statt Yoga wie die Ölsardinen

VHS-Leiter Dr. Thomas Freiberger im künftigen Eingangsbereich, der mit Magnetfarbe gestrichen wird. Prägnant ist das große Fensterbild, vor dem man rechts in den Flur mit Cafeteria und zwei Fitnessräumen einbiegen kann. © Marcel Drawe

Meterweise Elektrokabel in den fingerbreiten Spalten der aufgeschlitzten Ziegelsteinwände – noch unverputzte Wände, die in allen Nuancen der Farbe Rot schillern. Auf dem Boden, den Fenstersimsen und Geländern der Flure staubt aber schon der mehlige Haftputz, mit dem nebenan die ersten Wände verspachtelt werden. Hier ist Baustelle. Hier wird richtig geackert.

Von Tag zu Tag verändert sich das Bild im neuen Haus der Volkshochschule Kamen-Bönen. Das Gebäude der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule an der Bergstraße – nur von außen noch wieder zu erkennen. Im Innern ist jeder Raum auf links gedreht worden. Räume, die zur neuen Heimat moderner Erwachsenenbildung werden sollen.

Großzügige Spiegelwände statt Yoga wie die Ölsardinen

Im künftigen Werkraum wird jetzt schon gewerkelt. © Marcel Drawe

Vorfreude spürbar

VHS-Leiter Dr. Thomas Freiberger ist regelmäßig vor Ort, um die Fortschritte zu begutachten. Man sieht ihm die Vorfreude auf die neue Heimat an, wenn er von Raum zu Raum geht und detailreich die Einzelheiten erklärt, obwohl noch kein einzelnes Detail vorhanden ist. „Wir ziehen zwar in die Peripherie, erhalten dafür aber eines der modernsten und freundlichsten VHS-Häuser, die ich je gesehen habe“, sagt er.

Die alte „Käthe“, sie ist Geschichte. Im Obergeschoss sind einige Räume bereits verputzt und strahlen im Sonnenlicht, das durch die großen Fenster fällt. „Hier werden die Computerräume eingerichtet“, sagt Freiberger.

Auffälligste Veränderung ist bisher der ehemals vergitterte Freiluft-Durchgang, der die beiden Gebäudekomplexe miteinander verbunden hat. Das Gitter des früheren „Pumakäfigs“, wie Freiberger schalkhaft sagt, ist ersetzt worden durch eine Wand in Massivbauweise. Die Fenstereinlässe sind noch mit Brettern verrammelt. „Aber man kann jetzt schon sehen, wie groß dieser Raum einmal werden wird. Ideal, um ihn auch für Ausstellungen nutzen zu können, weil es viel Platz an den Wänden gibt“, sagt er.

Großzügige Spiegelwände statt Yoga wie die Ölsardinen

Technischer Aderlass im bestens Sinne. Die alten Backsteinmauern sind durchzogen mit neuen Leitungen. © Marcel Drawe

Keine Platznot

Über Platznot sollte sich künftig kein Nutzer beschweren können. Der großzügige Eingangsbereich, an dem kleinere Verwaltungsräume angeschlossen sind, wird in kraftvollen Tönen der VHS-Farbpalette gestrichen – „in Magnetfarbe. Damit ist es möglich, Plakate, Flyer und Infozettel mit zu fixieren“, erläutert der VHS-Leiter. Biegt man auf den ersten Flur ein, erreicht man die Cafeteria, gefolgt von zwei Fitnessräumen, in denen wieder das alte Fischgrät-Parkett verlegt wird, das herausgenommen wurde, um es aufzuarbeiten. Jeder Fitnessraum wird eine Spiegelwand erhalten, die optisch für zusätzliche Größe sorgen. Taschen, Handtücher und Kleidung können in Fächerregale an der Stirnwand geschoben werden. „Statt abschließbarer Spinde. So hat jeder seine Sachen vor Ort“, sagt Freiberger. Der Unterschied zum jetzigen Seminarraum im Gartenhaus am Geist sei eklatant. „Dort macht man Yoga wie die Ölsardinen. Künftig wird das viel komfortabler.“

Ein Komfort, den die VHS-Teilnehmer spätestens ab Mitte kommenden Jahres spüren werden, wenn der Umzug vollzogen ist. Im Angesicht der umfangreichen Arbeiten ist ein Eröffnungstermin allerdings noch nicht festgelegt worden. Das Haus in Kamen-Mitte, in dem die VHS zurzeit ihre Zentrale hat, soll verkauft werden. Wie berichtet stehen die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss.

Großzügige Spiegelwände statt Yoga wie die Ölsardinen

Die ersten Kursräume sind verputzt. Die Wände müssen jetzt trocknen, bevor die Böden gelegt werden. © Marcel Drawe

Zukunftssichere Technik

Freiberger hat Wert darauf gelegt, dass das alte Haus technisch auf den neuesten Stand gebracht wird. So zwirbeln sich unendlich viele Meter Kabel durch alle Räume, fixiert unter den Decken, die später abgehängt werden. Smartboards, Beamer und Netzwerkkabel sollen modernen Unterricht ermöglichen, die Technik macht mit elektrischen Türen, sensorgesteuerten LED-Leuchten und einem Aufzug aber auch die Nutzung außerhalb des Unterrichts leichter. „Wir wollen mit der gesamten Technik halbwegs zukunftssicher sein“, so Freiberger und fügt augenzwinkernd hinzu: „Auch wenn man nie weiß, was passiert. Und ob nicht irgendwann schnellere Datenraten auch mit Haarshampoo erreicht werden.“

So sieht es an anderen Volkshochschulen im Kreis Unna aus

Die VHS will sich in Kamen besser aufstellen und lösen vom Charme des Schulunterrichts in Klassenräumen örtlicher Schulen und alten Räumen im VHS-Haus, die nicht barrierefrei sind. Wie sieht die Situation in den Nachbarstädten aus?

Bergkamen: Als zentraler Anlaufpunkt für die VHS Bergkamen dient der „Treffpunkt“ an der Lessingstraße, wo auch die meisten Kurse abgehalten werden. Dort gibt es keine Lehrküche, sodass die Kochkurse in der Willy-Brandt-Gesamtschule stattfinden. Zudem soll das Gebäude der ehemaligen Förderschule Albert-Schweitzer-Schule in Oberaden umgebaut werden, um dort Kochkurse anbieten zu können.

Unna: Die zentrale Anlaufstelle der VHS Unna Fröndenberg Holzwickede in Unna ist das Zentrum für Information und Bildung (ZIB) im Gebäude der Lindenbrauerei. Dort stehen moderne Räumlichkeiten für die Durchführung von Kursen in verschiedenen Größen, aber auch Büros für das VHS-Team zur Verfügung. Dennoch bietet die VHS auch externe Kurse an, die Räumlichkeiten werden dann themenbezogen ausgewählt. Diskussionen zur weiteren Modernisierung stellen sich in Unna auch angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt aktuell nicht. Es gibt auch keine konkreten Forderungen seitens der VHS.

Holzwickede: Holzwickede gehört zur in Unna beheimateten VHS. Eigene Räume gibt es dort nicht, die VHS nutzt mal hier eine Schule, mal dort Räume der Feuerwehr bzw. der Gemeinde. Diskussionen um eine Modernisierung gibt es nicht.

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