Großübung der Feuerwehr Kamen: Gefahrgutunfall mit Verletzten

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Im Ernstfall muss es schnell gehen: Wenn ein LKW mit gefährlichem Gut im Stadtgebiet verunglückt, ist die Feuerwehr gefragt. Die hat dieses Szenario jetzt gründlich geübt.

von Annika Schulte

Kamen

, 09.11.2019, 19:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Krankenwagen, etliche Löschfahrzeuge und Einsatzkräfte in grünen Schutzanzügen: Am Samstag war an den Perthes-Werkstätten in Südkamen so Einiges los, denn alle drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Kamen probten für einen Unfall mit Gefahrgut. Das Szenario: Bei Ladearbeiten hatte ein Gabelstapler ein Leck in einen mit Chemikalien gefüllten Tank gerissen, sodass die ätzende Flüssigkeit, die für die Übung durch ganz normales Leitungswasser ersetzt wurde, sich ungehindert ausbreiten konnte. Zu allem Überfluss wurden dabei auch noch zwei Arbeiter verletzt.

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Für diese sogenannte ABC-Lage musste die Feuerwehr mit rund 80 Einsatzkräften und 20 Fahrzeugen ausrücken, bei einem echten Einsatz wären sogar noch mehr Kräfte benötigt worden. Die Aufgaben: Personenrettung und die Abwendung der Gefahr. Deshalb machen sich auch gleich Feuerwehrleute unter Atemschutz bereit, um die Verletzten zu retten und in medizinische Betreuung zu übergeben. „Die Personenrettung hat absoluten Vorrang", erklärt Robin Blasey von der Feuerwehr Kamen. Da aber auch die eigene Sicherheit gewährleistet sein muss, gibt es sogenannte Atemschutzkontrolleure, die die Zeit und den noch vorhandenen Sauerstoff genau überwachen. Während die einzelnen Personen gerettet werden, werden rund um das Gebäude und die Chemikalientanks Bereiche abgesperrt und Spezialausrüstungen aufgebaut.

Unterstützung bekommen die Einheiten von der Jugendfeuerwehr, dessen Mitglieder die Verletzten und Gefährdeten spielen. „Die Schwierigkeit bei so einem Einsatz liegt besonders bei der Organisation und der Kommunikation", so Blasey, „deshalb gibt es unter den Einsatzkräften auch eine Art Hierarchie." So gibt es zum Beispiel den Einsatzleiter und Abschnittsleiter, die für einen bestimmten Bereich zuständig sind. Damit die Übung möglichst realistisch bleibt, wissen die Feuerwehrleute auch nicht, was genau sie erwartet. Darum müssen vorab Informationen zusammengetragen werden, über Verletzte, die Chemikalien und weitere Risiken, damit die nachfolgenden Maßnahmen geplant werden können. Gerade in solchen Fällen werden oft Fachberater hinzugezogen, die sich mit den entsprechenden Gefahrenstoffen auskennen.

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Großübung der Feuerwehr Kamen am Perthes-Werk

Was ist im Falle eines ABC-Alarms zu tun? Das übte die Feuerwehr Kamen in einem Szenario am Perthes-Werk.
09.11.2019
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ABC-Übung Pertheswerk Kamen© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Vorbereitung der Menschenrettung© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Der Gabelstapler wird zur Rettung mit Kissen angehoben© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Feuerwehrleute tragen den verletzten Arbeiter aus dem Gefahrenbereich© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, an der Einsatzleitung wird mit verschiedenen Unterlagen der aktuelle Stand der Einsatz-Lage dokumentiert© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Feuerwehrleute in Bereitschaft© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, alle Einsatzkräfte, die mit atemschutz unterwegs sind, werden von ausserhalb kontinuierlich überwacht© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, zu einem Einsatz in der Größe kommen immer viele Ressourcen der Feuerwehr zum Einsatz© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, auch Kräfte vom Katastrophenschutz des Kreises Unna waren im Einsatz© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Einsatzleiter Armin Gartmann bespricht sich im Einsatzleitwagen 2 vom Kreis Unna mit Abschnittsleitern© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Einsatzleitwagen des Kreises Unna mit Besprechungsraum und Funk-Plätzen, ähnlich wie in einer Leitstelle© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Gefahrgut-Schild© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Nach der Rettung des Arbeites sichern Einsatzkräfte im Vollschutz das Gefahrgut© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Nach der Rettung des Arbeites sichern Einsatzkräfte im Vollschutz das Gefahrgut© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Nach der Rettung wird das Equipment erstmal im Gefahrenbereich gelassen© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Nach der Rettung des Arbeites sichern Einsatzkräfte im Vollschutz das Gefahrgut© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Nach der Rettung des Arbeites sichern Einsatzkräfte im Vollschutz das Gefahrgut© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Einsatzkräfte im Voll-Schutz© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Vorbereitung der Rettung des verletzten Arbeiters unter dem Gabelstapler© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen, Anfang der Dekontaminierungs-Station© Marcel Drawe
ABC-Übung Pertheswerk Kamen© Marcel Drawe

„Bei dieser Übung testen und üben wir ein neues Organisationskonzept, das wir später in Einsätzen anwenden wollen", erläutert Robin Blasey, „die Übung sowie die Umsetzung werden im Anschluss dann ausgewertet und besprochen, dabei achten wir darauf, inwiefern das Konzept umgesetzt wird und welche Fehler eventuell noch auftauchen."

„Bei dieser Übung testen und üben wir ein neues Organisationskonzept, das wir später in Einsätzen anwenden wollen.“
Robin Blasey, Feuerwehr Kamen

Geplant wurde die Übung von einem achtköpfigen Organisationsteam – bei diesem Umfang ein recht großer Aufwand. „Unfälle mit Gefahrengut kommen zwar eher selten vor und auch eher auf der Autobahn, aber es ist wichtig, dass man diese dennoch trainiert um für den Ernstfall gewappnet zu sein", erklärt Blasey. Die letzte große Übung mit allen Löschzügen liegt schon ein paar Jahre zurück, dafür setzen die einzelnen Einheiten jedoch regelmäßig kleinere Übungen an.

Inzwischen haben sich Einsatzkräfte in grünen Chemikalienschutzanzügen, die sie komplett von der Außenwelt abschirmen, bereit gemacht, ein Zelt für die anschließende Dekontamination ist auch schon aufgebaut. Wichtig ist, dass der abgesperrte Bereich nur noch mit Schutzanzügen betreten werden darf und das auch nur für jeweils 20 Minuten, denn die Arbeit darunter ist anstrengend und der Sauerstoff begrenzt. Schließlich gelingt es aber, das Leck vorerst zu verschließen und die Bewohner zu schützen.

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