Gregor Telgmann und seine Quelle: Schöpfer des Kamener Marktbrunnens gestorben

dzGoldschmied und Künstler

Gregor Telgmann ist der Schöpfer eines Kunstwerks, das in Kamen jeder kennt: des Springbrunnens „Die Quelle“ auf dem Alten Markt. Der vielseitige Künstler ist im Alter von 80 Jahren verstorben.

Kamen

, 14.08.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Dieser Brunnen ist ein Teil meines eigenen Ichs – schließlich befasst man sich auch lange mit so einem Projekt.“ Gregor Telgmann sagte das einmal, als er auf den kunstvoll geschmiedeten Springbrunnen auf dem Alten Markt blickte, der den Namen „Die Quelle“ trägt, aber unter Kamenern vor allem liebevoll als Telgmann-Brunnen bezeichnet wird. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 1993 sprudelt es lebendig aus dem Brunnen, der auch Namensgeber für ein Volksfest ist.

Schon mit 29 Jahren ein eigenes Atelier eröffnet

Lebendig sprudelt es bei Gregor Telgmann immer: Am 12. Mai 1940 in Werne geboren, ist er fortan selbst eine unerschöpfliche Quelle der Phantasie, mit einer Vorstellungskraft, die allerdings nie immateriell bleibt, sondern immer eine Form findet – in feinstofflicher Umsetzung in seinem Handwerk als Goldschmied. Meisterhaft, kunstfertig, virtuos – und das schon mit 29 Jahren, als er am 20. August 1969 sein eigenen Atelier in Kamen unter dem Namen „Goldschmiede Kunst Telgmann“ eröffnet. Zusammen mit seiner Frau Marianne, die 1971 mit ins Unternehmen einsteigt, baut er das Angebot an handgefertigten Schmuckstücken und Kunstwerken kontinuierlich aus. Die Geschäftsphilosophie der Künstlerfamilie, zu der auch die Töchter Alexandra, Dorothée und Stephanie zählen, basiert bis heute auf dem Grundsatz „Immer etwas Besonderes“.

Gregor Telgmann begeisterte auch die Jugend vom Handwerk. Hier zieht er Silberdraht mit Kindern, die seine Werkstatt besuchten.

Gregor Telgmann begeisterte auch die Jugend vom Handwerk. Hier zieht er Silberdraht mit Kindern, die seine Werkstatt besuchten. © Stefan Milk

Zahlreiche überregional bedeutende Auszeichnungen

Telgmann sammelt in seinem buchstäblich schmuckvollen Leben Auszeichnungen wie andere Briefmarken. Wie die Silbermedaille für das „Juwel des Jahres“ beim X. Benvenuto-Cellini-Wettbewerb des Zentralverbands der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Er erhält die Goldmedaille für künstlerische Verdienste, verliehen vom US-Parlament für Sicherheit und Frieden und den Schmuckpreis NRW. 2018 wird er in die Künstler-Loge des Landesinnungsverbands aufgenommen. Für einen Preis sorgten seine Familie und er selbst: Sie stiften die schmuckvolle Ehrennadel für das Heerener Mahl des dortigen Schweineclubs. Dass er mit seiner Familie in dem abends effektvoll beleuchteten Haus arbeiten kann, bedeutete ihm alles: „Das erfüllt mich mit großer Freude und es ist schöner, als ich es mir je erträumt habe. Die Zusammenarbeit mit meinen Töchtern inspiriert mich und ist für mich ein großer Zugewinn“, so schreibt er auf seiner Webseite.

Der kunstvoll geschmiedete Brunnen auf dem Alten Markt ist Gregor Telgmanns bekanntestes Werk. Eigentlich heißt das Werk „Die Quelle“, doch fast jeder nennt es den Telgmann-Brunnen.

Der kunstvoll geschmiedete Brunnen auf dem Alten Markt ist Gregor Telgmanns bekanntestes Werk. Eigentlich heißt das Werk „Die Quelle“, doch fast jeder nennt es den Telgmann-Brunnen. © Schlösser

Auch gesellschaftlich engagiert

So ist das Thema „Familie“ auch immer wieder in seinen Arbeiten zu finden. 2018 gewinnt er einen Landespreis mit einer kleinen Skulptur mit Bergkristallkugel, die auf einer zarten Spiralform aus Silber ruht und den Hintergrund für eine kleine Familiengruppe bildet. „Die Familie als Urzelle des Lebens und des Friedens“, so der Künstler über seine Arbeit. Papier und Bleistift hat er immer dabei, um solch plötzlichen Ideen gleich in eine Vorform zu bringen: „Wenn mich dann ein Erlebnis in der Natur inspiriert, fange ich sofort an zu zeichnen“, sagt er.

Engagiert ist der Kunstschmied, der 1956 zunächst eine Ausbildung zum Uhrmacher absolviert und und 1968 seine Meisterprüfung in Koblenz ablegt, aber auch gesellschaftlich, vor allem in der katholischen Gemeinde Heilige Familie. Viele Jahre macht er sich zusammen mit seiner Frau Marianne für die Hilfe im indonesischen Sibolga stark. Und über der Kugel des Kamener Maibaums spannt sich Telgmann-Gold.

Gregor Telgmann arbeitet an einem Vortragkreuz für die katholische Gemeinde in Cappenberg. Spezialaufträge waren in seinen Händen gut aufgehoben.

Gregor Telgmann arbeitet an einem Vortragkreuz für die katholische Gemeinde in Cappenberg. Spezialaufträge waren in seinen Händen gut aufgehoben. © Stefan Milk

Quelle auf dem Alten Markt erinnert weiter an den großen Künstler

„Bei all den Ideen, die ich noch habe, muss ich noch die dreifache Zeit leben“, sagt er einmal mit Blick auf sein sprudelndes Kunstwerk. Jetzt sprudelt nur noch die Quelle auf dem Markt, wo ein Teil seines Ichs bleibt. Gregor Telgmann verstarb am Donnerstag nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren.

Brunnen „Die Quelle“ auf dem Alten Markt.

Brunnen „Die Quelle“ auf dem Alten Markt. © Stefan Milk

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