Gregor Telgmann hat sein Leben dem Kunsthandwerk gewidmet. Seit 60 Jahren ist er als Goldschmied tätig, nun ehrt ihn der Landesinnungsverband mit der Aufnahme in die Künstler-Loge.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 18.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit prüfendem Blick begutachtet Gregor Telgmann das Schmuckstück, gleicht es immer wieder mit seiner Skizze ab. Seit 60 Jahren ist der Goldschmied im Geschäft, nun wurde er für sein Lebenswerk geehrt: Die Loge „Goldschmiedeatelier“ hat den 78-Jährigen in ihre Mitte aufgenommen. „Das ist etwas ganz Besonderes“, weiß Telgmann. „Diese Ehre wird nicht jedem zuteil.“

Kein Mangel an Inspiration

Skizzen habe er genug, berichtet Telgmann, Inhaber von „Goldschmiede Kunst Telgmann“. „Das sind so viele, dass ich zwei Leben bräuchte, wenn ich die alle umsetzen wollte.“ Papier und Bleistift habe er immer dabei: „Wenn mich dann ein Erlebnis in der Natur inspiriert, fange ich sofort an zu zeichnen.“ Langweilig werde es ihm so nie, Inspirationen hat er auch im hohen Alter noch genug. „Natürlich können wir nicht alle Ideen verwenden“, erklärt Dorothée Telgmann, eine von drei Töchtern des Goldschmiedes und ebenfalls im Familienbetrieb tätig. „Dafür fehlt uns einfach die Zeit. Also suchen wir die schönsten Stücke heraus, an denen wir dann arbeiten.“

Gold und Geschmeide für einen ganz speziellen Logenplatz

Mit scharfem Blick begutachtet Telgmann sein Werk. Die Materialien sind wertvoll, Fehler will er sich da nicht erlauben. © Marcel Drawe

Die Arbeit in der Goldschmiede beginnt oft mit einem unscheinbar aussehendem Stück Metall. Doch dieses Stück Metall hat es in sich, schon das hohe Gewicht und die gelbliche Farbe der nur rund zwei Finger breiten Platte lässt ahnen, um was es sich hier handelt. „Das ist 750er Gold“, verrät Stephanie Telgmann, „das verwenden wir häufig als Rohstoff für Schmuck.“ Die Zahl gibt den Reinheitsgehalt der Legierung an, von 1000 Teilen sind 750 Teile Gold. „Natürlich gibt es auch reines Gold. Das ist aber zu weich, um daraus zum Beispiel einen Ring zu fertigen.“ Reineres Gold würde zum Beispiel für Verzierungen genutzt, die innerhalb des Schmuckstücks von anderen Metallen eingeschlossen sind, erklärt sie. „Dann ist das weiche Gold vor äußeren Einflüssen geschützt.“

Altbewährte Techniken

Während im Atelier alles ganz modern wirkt und die Schmuckstücke und Kunstwerke der Goldschmiede mit viel Licht in Szene gesetzt werden, ist die Werkstatt der Telgmanns noch ganz traditionell. „Hier hat sich seit Jahrzehnten nichts verändert“, sagt Gregor Telgmann. An den abgewetzten Holztischen hat jeder Goldschmied seinen eigenen Platz. Die Werkzeuge an den Tischen sind den Schmieden zugeordnet, in einem Schrank bewahrt Telgmann ein ganzes Universum aus Schmiedehämmern, Schmiedeeisen und Punzen auf. „Hier findet man alles, was man häufiger brauchen kann.“

Gold und Geschmeide für einen ganz speziellen Logenplatz

Hinter den Kulissen geht es rustikaler zu, die Werkzeuge sind seit Jahrzehnten die gleichen. © Marcel Drawe

Stephanie Telgmann arbeitet gerade an ihrem neuesten Werk, ein Anhänger mit den Anfangsbuchstaben zweier Kinder. Das Werk wirkt wie aus einem Stück gefertigt, doch weit gefehlt. „Dieser Anhänger hat 15 Lötstellen“, so Telgmann. „Dafür verwenden wir Gold mit einem anderen Schmelzpunkt, denn sonst würde ja der Anhänger von der Temperatur beeinflusst.“ Bei besonders komplizierten Schmuckstücken kommen bis zu drei Sorten Goldlot zum Einsatz, alle mit unterschiedlichen Schmelzpunkten. „So kann ich auch Arbeiten mit 30 oder sogar 40 Lötpunkten sauber verbinden.“ Unter ihrer Werkbank ist ein Brettfell angebracht, eine Lederschürze, die herabfallende Materialien auffängt. Denn zum Verschwenden wären die viel zu wertvoll.

Ein Vorbild für die Branche

Seit Neuestem ziert eine Urkunde das Atelier der Telgmanns. Die Künstler-Loge „Goldschmiedeatelier“ hat Telgmann für die Mitgliedschaft nominiert. Es ist sein künstlerisches Schaffen, das ihm diese Ehre zuteilwerden ließ, für den Goldschmied ein großer Moment. „Man kann nicht einfach Mitglied werden, sondern muss berufen werden.“

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