Im neuen Sesekepark fehlen noch einige Ausstattungsdetails – dazu gehören auch abgebaute Kunstwerke. Sie müssen erst restauriert werden. Eine Standort-Diskussion könnte dabei aufleben.

Kamen

, 14.10.2018, 15:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in eine neue Wohnung einzieht, macht sich Gedanken über die passenden Bilder an den Wänden. Auch die künstlerische Dekoration des erst vor drei Wochen eröffneten Sesekeparks beschäftigt die Verantwortlichen. Sie brauchen allerdings keine neue Kunst anzuschaffen, sondern können auf vorhandene Werke zurückgreifen.

Der Kömsche Bleier

Der „Kömsche Bleier“ – ein rund 300 Kilo schwerer Metall-Fisch, vor Jahrzehnten entworfen vom Kamener Kunstprofessor Lothar Kampmann – wurde vor Beginn der Park-Bauarbeiten abgebaut und eingelagert. „Er wird – wie in der Ausführungsplanung für den neuen Park vorgesehen – auf der Böschung des Nordufers der Seseke zwischen Mai- und Partnerschaftsbrücke einen neuen Standort finden“, erläutert Rathaus-Sprecher Hanno Peppmeier. Das erforderliche Fundament sei beauftragt. Ein Fachunternehmer beseitigt „einige leichte Beschädigungen“, die das Kamener Symboltier an seinem alten Standort am Nordufer davongetragen hat.

Glupschäugiger Fisch und Stacheldraht-Betonstele für den Sesekepark

Einst stand der von Kunstprofessor Lothar Kampmann entworfene „Kömsche Bleier“ wasserspeiend im Postpark, bevor er eingelagert wurde.

Kriegsgefangenen-Stele

Dann ist da noch das Mahnmal von Otto Holz, eine mehr als menschengroße Betonstele, die ab 1953 ursprünglich an noch nicht heimgekehrte Kriegsgefangene erinnerte, heute aber oft als Mahnung gegen Krieg und Gewalt interpretiert wird. Es ist ebenfalls eingelagert und „muss in erheblichem Maße saniert und adäquat restauriert werden“, erklärt Peppmeier. Der Auftrag für die Restaurierungsarbeiten solle in absehbarer Zeit erteilt werden.

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Wann die Kunstwerke wieder aufgestellt werden, ist also vorerst offen, was Raum für mögliche Standort-Diskussionen lässt. Insbesondere das Mahnmal von Otto Holz ist in Teilen des Stadtrats umstritten. Während der Parkplanungen 2015 hatte die Linke/GAL-Fraktion vorgeschlagen, es aus Platzgründen, und weil es „unpassend“ im Verhältnis zum gegenüberliegenden Holocaust-Mahnmal am Sesekedamm sei, beispielsweise zum Kamener Friedhof zu versetzen. Fraktionschef Klaus-Dieter Grosch schließt einen neuen Vorstoß zur Verlagerung des Mahnmals derzeit nicht aus.

Glupschäugiger Fisch und Stacheldraht-Betonstele für den Sesekepark

Das Kriegsheimkehrer-Mahnmal von Otto Holz soll an seinen alten Standort am Südufer zurückkehren – neben dem 1989 gepflanzten Friedensbaum. © Stefan Milk

Standort-Diskussion

Sollte die Standort-Diskussion wieder aufleben, wäre es spannend zu sehen, ob die grün-alternativen Sozialisten mit ihrem Vorschlag wieder allein stehen oder ob sich die übrigen Fraktionen unter dem Eindruck des eröffneten Sesekeparks nun anders positionieren. Gleich mehrere Fragen drängen sich auf: Ist es aus gestalterischen Gründen passend, direkt am Eingang zu den neuen Treppen zwischen Mai- und Partnerschaftsbrücke eine Betonstele mit Stacheldraht-Verschlingungen hinzustellen? Geht davon in der veränderten Umgebung, die zum Spielen und Spazierengehen einlädt, ein Sicherheitsrisiko aus? Und wenn ja, muss das Mahnmal dann eingezäunt werden? Ist es möglich, das Mahnmal aus pragmatischen Gründen zu versetzen, ohne sich dem Vorwurf der Geschichtsverdrängung auszusetzen?

Kulturausschussvorsitzender Daniel Heidler (SPD) hatte sich vor drei Jahren offen für eine Verlegung gezeigt, war aber der Ansicht, „dass das Mahnmal dort bei der Umgestaltung des Seseke-Ufers nicht stört“. Die CDU warf der Linke vor, ihr unliebsame Mahnmale aus dem öffentlichen Stadtbild verschwinden zu lassen oder umzudeuten. Der Kulturkreis Kamen, der im Sesekepark den Literaturpfad zum Thema „Freiheit“ angeregt hat, sprach sich dafür aus, den sperrigen Denkanstoß am Standort zu belassen.

Glupschäugiger Fisch und Stacheldraht-Betonstele für den Sesekepark

Das Mahnmal trägt die Aufschrift „Vergesst uns nicht“ – dazu gehört am Friedensbaum eine Holztafel mit einer ergänzenden Inschrift.Fotos: Milk/Archiv © Stefan Milk

Die beschlossene Planung sieht das Aufstellen des Mahnmals am bisherigen Standort vor – das heißt im Kontext mit dem 1989 gepflanzten „Friedensbaum“ und seiner erläuternden Holztafel „Für Frieden und Völkerverständigung. Nie wieder Krieg!“

Aus Sicht der Verwaltung ist ein Standortwechsel nicht ausgeschlossen. „Ein alternativer und gänzlich neuer Standort ist zwar denkbar, war bisher jedoch nicht Gegenstand von Überlegungen. Die Verwaltung ist in jedem Fall der Auffassung, dass eine solche Planungsänderung von einer parlamentarischen Beratung und Beschlussfassung begleitet werden sollte.“

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