Gift und Glanz: In der Kamener Goldschmiede Telgmann ist seit 50 Jahren alles möglich

dzMit historischen Fotos

Für ungewöhnliche Aktionen ist die Goldschmiede-Familie Telgmann bekannt. So verdanken die Kamener ihr den auffälligen Brunnen auf dem Markt und einst eine giftige Attraktion im Schaufenster.

Kamen

, 19.08.2019, 16:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erst 29 Jahre alt war Gregor Telgmann, als der Goldschmiedemeister am 20. August 1969 sein erstes eigenes Atelier an der Weststraße 41 in Kamen eröffnete. Unter dem Namen Goldschmiede Kunstwerkstätte Telgmann wurden neben einem kleinen Angebot an selbst gefertigten Schmuckstücken des jungen Künstlers auch sakrale Kunstgestände, Keramikarbeiten und Uhren angeboten.

Gift und Glanz: In der Kamener Goldschmiede Telgmann ist seit 50 Jahren alles möglich

Goldschmiedemeister Gregor Telgmann mit 29 Jahren. Jetzt feiert der 79-Jährige Geschäftsjubiläum seines Ateliers an der Weststraße 41.

„Die Quelle“ im Beisein von 3000 Zuschauern eröffnet

Zusammen mit seiner Frau Marianne Telgmann, die 1971 mit ins Unternehmen einstieg, wurde das Angebot an handgefertigten Schmuckstücken und Kunstwerken kontinuierlich weiter ausgebaut.

1976 erhielt Gregor Telgmann die Anerkennung als Künstler, und durch seine künstlerische Tätigkeit im öffentlichen Raum gewann der Goldschmied über die Grenzen Kamens hinaus an Bekanntheit.

Sein größtes öffentliches Werk vollendete er 1993 mit der Auftragsarbeit des Kamener Marktbrunnens „Die Quelle“, bei deren Eröffnungs-Show 3000 Besucher live dabei waren.

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1993 feierten rund 3000 Besucher die Eröffnung des Brunnen-Kunstwerkes „Die Quelle“, das Gregor Telgmann gestaltet hat.

„Immer etwas Besonderes“ – mit Skorpionen im Schaufenster

Die Geschäftsphilosophie der Künstlerfamilie Telgmann basiert bis heute auf dem Grundsatz „immer etwas Besonderes“. Diese Maxime umfasst neben dem ausgefallenen Angebot an Unikatschmuckstücken und Kunstwerken auch die Gestaltung von Veranstaltungen und Events.

So blieb „die Bewachung der Schmuckstücke durch sechs Skorpione“ vielen Kamener Bürgern als Highlight zu den Fütterungszeiten lange in Erinnerung.

Kulturveranstaltungen wie die weltgrößte Kronenausstellung, die Ikonen- und Fabergé-Ausstellung unter der Schirmherrschaft des russischen Kulturattachés hatten in der Geschichte der Goldschmiede in Hinblick auf Kunst- und Kulturförderung immer einen hohen Stellenwert.

Gift und Glanz: In der Kamener Goldschmiede Telgmann ist seit 50 Jahren alles möglich

Am 29. Oktober 1982 berichtete sogar die Zeitung von den Skorpionen in Telgmanns Schaufenster, die eine aufsehenerregende Abschreckung gegen Langfinger und natürlich ein toller Werbe-Coup waren. © Goldschmiede Telgmann

Verlostes Platin-Hochzeitskleid brachte Eheglück

Unvergessen ist auch die Sonderaktion zum 25-jährigen Atelier-Jubiläum, als Familie Telgmann ein von der Platin-Gilde ausgeliehenes Hochzeitskleid im Wert von einer Million D-Mark als Hochzeitsleihgabe verloste. „Man konnte sich bewerben. Die Hochzeit musste zeitnah sein. Die Braut Größe 36 haben“, erinnert sich Dorothée Telgmann schmunzelnd. Dem Gewinner-Paar, Gabriele und Markus Dyckhoff aus Werne, brachte das edle Hochzeitskleid offenbar Glück. Jedenfalls feiern sie in diesen Tagen Silberhochzeit. „Die Ehe hat Bestand“, sagt Dorothée Telgmann.

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Dieses Platin-Hochzeitskleid der Platin-Gilde durfte Gabriele Dyckhoff aus Werne bei ihrer Hochzeit mit Markus Dyckhoff tragen. Die Goldschmiede Telgmann hatte den Verleih des eine Million D-Mark teuren Gewandes zum 25-jährigen Betriebsjubiläum verlost. Bis zur Platinhochzeit des Paares dauert es heute allerdings noch 30 Jahre. © Goldschmiede Telgmann

Kinder treten in die Fußstapfen des Geschäftsgründers

1999 eröffnete die älteste Tochter Alexandra Telgmann als gelernte Goldschmiedemeisterin und heutige Malerin ihr eigenes Atelier in Oldenburg. 2003 stiegen Dorothée Telgmann im Bereich Marketing und Stephanie Telgmann als Gold- und Silberschmiedemeisterin und staatlich geprüfte Gestalterin mit ins elterliche Unternehmen in Kamen ein. Dabei wurden in der Zeit 23 Auszubildende in der eigenen Werkstatt zum Goldschmied ausgebildet – die Gesellin Bettina Zimmer ist bis heute dabei und feierte vor zwei Jahren 40-jährige Betriebszugehörigkeit.

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Vom Entwurf bis zur Ausführung – seit 2000 werden im Goldschmiede-Atelier an der Weststraße nur noch eigene Kreationen angeboten. © Goldschmiede Telgmann

Seit fast zehn Jahren nur noch eigene Kreationen

Die künstlerische Umsetzung von eigenen Ideen der drei Künstler fanden bei internationalen Schmuck- und Gestaltungswettbewerben immer wieder öffentliche Anerkennung. Das Sortiment konnte Anfang 2000 komplett auf eigene Kreationen umgestellt werden. „Durch die positiven Rückmeldungen unseren Kunden erfahren wir, dass die persönliche Beratung – gepaart mit handwerklichem Können, gutem Design und individueller Formensprache eine Zukunft hat“ so Marianne Telgmann.

Stammkunden, Weiterempfehlung und Neukunden über die Internetseite www.telgmann.de sind für das Unternehmen auch im Zeitalter der Digitalisierung wichtige Erfolgsfaktoren. „Unsere Goldschmiede ist zu einem Ort geworden, an dem uns die Kunden im persönlichen Gespräch ihr Vertrauen schenken und ihre Erinnerungen gerade im Bereich Schmuckumarbeitung mit uns teilen“, sagt Stephanie Telgmann.

Inspirieren lässt sie sich von Menschen, Orten und Begegnungen. „Diese Ideen anschließend für jeden Kunden individuell umzusetzen, begeistert mich in meiner Arbeit als Goldschmiedin“, beschreibt Stephanie Telgmann ihren kreativen Berufsalltag.

Nachhaltigkeit und der gesellschaftliche Beitrag

Das Thema Verantwortung und Nachhaltigkeit ist für den Familienbetrieb bis heute unerlässlich. Ihr gesellschaftlicher Beitrag besteht darin, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, denen umweltbewusstes Verhalten, Achtung der Menschenrechte und Verantwortung im Gewinnungs- und Herstellungsprozess von Metallen und Edelsteinen ebenso am Herzen liegen.

Zudem macht sich die Goldschmiede-Familie um das Heerener Mahl verdient, indem sie hierfür die Ehrennadel herstellt, die zu besonderen Anlässen verliehen wird. Außerdem sind die Geschäftsleute auch für die Hilfe für Sibolga (Indonesien) aktiv.

Geschäftsgründer freut sich, dass er sein Lebenswerk teilen kann

„Als ich im Jahre 1969 mein eigenes Atelier in Kamen eröffnete, ahnte ich noch nicht, dass ich einmal mit meiner ganzen Familie zusammenarbeite. Das erfüllt mich mit großer Freude“ sagt der 79-jährige Gregor Telgmann heute über sein Lebenswerk. „Am wichtigsten ist mir, dass der Betrachter oder Käufer unserer Werke etwas mit nach Hause nimmt, das ihm Freude macht und ihm etwas Besonderes bedeutet. Künstler zu sein, hat dabei den Vorteil, weit über die vorgegebene Altersgrenze hinaus frei schaffen zu können.“

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